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Die Schützengräben der Verteidigungspolitik: Wenn die AfD Schritt B vor A geht, wird sie nicht nur die junge Generation verprellen!

Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „Wehrpflicht oder nicht, Lucassen oder Höcke? Die AfD steht vor dem wichtigsten Jahr ihrer Geschichte“ (aus: „NiUS“ vom 06.01.2026)

Der Schein hält zusammen, was eigentlich auseinanderfliegen müsste. Diese Erkenntnis gilt für viele Organisationen, Verbände und vor allem Parteien. Um die Wirkung in der Öffentlichkeit zu wahren, werden Risse und Trennlinien zugeschüttet, Differenzen verschwiegen, handfester Streit unter den Scheffel gekehrt. Überall dort, wo Menschen für eine gemeinsame Sache kämpfen, bilden sich schnell Lager aus. Denn selbst, wenn man sich dem Grunde nach in der Ideologie einig ist, so sind es doch häufig Details, die zur Polarisierung führen. Bisher hat es die AfD geschafft, über diametrale Gegensätze in den eigenen Reihen hinwegzutäuschen. Sei es bei der Frage, ob man sich tendenziell eher dem Solidargedanken zuwendet, optional dem libertären Denken von Milei. Inwieweit man Anwalt der Armen im hiesigen Volk oder Verteidiger von Multimillionären in den Eliten des Landes sein möchte. Strenge Marktwirtschaft oder blinder Kapitalismus, sozusagen.

Es ist erstaunlich, wie so viele verschiedene Strömungen zusammenhalten können…

Sehr viel gravierender sind die Unterschiede allerdings in der Außenpolitik. Da erklärt man sich gegenseitig als Westextremisten oder Putintrolle. Wirft sich entweder Anbiederung an Washington oder Moskau vor. Die Einen pochen auf Israels Souveränität, die Anderen besichtigen Jerusalem im Gazastreifen der Verbrechen an Palästinensern. Bei Venezuela ist man sich unsicher, ob man Trump huldigen soll – oder das Völkerrecht in Ehren halten. Auch bei Iran finden sich gespaltene Meinungen, mit Blick auf die EU will man entweder reformieren oder abschaffen. Nur selten trifft man sich in der Mitte, da muss die Führung in Berlin schon eingreifen, um darauf zu drängen, dass es in erster Linie um deutsche Interessen geht. Im multipolaren Flügel von Tino Chrupalla oder Steffen Kotré drängt man auf eine Weltordnung mit Nähe zu China oder Russland, der transatlantische Flügel in den „alten“ Landesverbänden hat sich der MAGA-Bewegung angeschlossen.

In Sachen Wehrpflicht offenbart sich der Streit zwischen Höcke und Lucassen. Letztgenannter hat Erstgenannten auf offener Bühne vorgeführt, eine seiner Reden aus dem Kontext gerissen, um seinem Widersacher zu schaden. Denn tatsächlich bleibt die elementare Frage: Was soll die junge Generation verteidigen, wofür will sie in den Kampf ziehen? Wer Dienst an der Waffe leistet, der muss sich identifizieren können. Doch was ist geblieben von einer Republik, auf die man einst stolz sein konnte, weil sie es geschafft hat, die Vergangenheit verantwortungsvoll aufzuarbeiten, ohne Errungenschaften abseits der Weltkriege klein zu reden? Wärmepumpen, E-Autos, Photovoltaikanlagen? Das siebenundfünfzigste Geschlecht? Ein Stadtbild wie in den Favelas von Brasilien? Die Politik muss in Vorleistung gehen, um ihren Bürgern etwas abverlangen zu können. Geschlossene Grenzen beispielsweise, konsequente Abschiebungen ebenso. Schwarz-Rot-Gold statt dem Regenbogen.

Die AfD wird nur mit dem Bekenntnis zur Vorrangigkeit deutscher Interessen erfolgreich sein!

Wie könnte also ein einigender Kurs aussehen? Zunächst Sicherheit und Ordnung wiederherzustellen, ehe man Treue und Pflicht gegenüber dem Staat einfordert. Kommt die Legislative nicht ihren Aufgaben und dem Eid nach, kann sie auch keine Erwartungen postulieren. Ohnehin bestehen Zweifel, wie unmittelbar wir bedroht sind. Kriegstüchtigkeit ist das Lieblingsvokabular von Friedrich Merz. Auch manch ein Oberst nimmt es in den Mund. Nachweise dafür, dass wir einem direkten Angriff bevorstehen, gibt es nicht. Stattdessen Behauptungen und Prognosen von amerikanischen „Think Tanks“, ohne substanzielle Belege, dass die Rote Armee 2.0 schon morgen vor dem Brandenburger Tor stehen könnte. Die Alternative für Deutschland sollte nicht einstimmen in diesen Chor der Horrorszenarien, nur deshalb auf Abwehrbereitschaft drängen, weil Mutmaßungen im Raum liegen. Dem Nachwuchs das letzte Hemd kurz vor dem Fronteinsatz abnehmen zu wollen, das ist schlichte Panikmache.

Wir brauchen mehr Besonnenheit, Weitsicht und Unaufgeregtheit in der Debatte, müssen uns vorerst darauf verständigen, diese Nation wieder auf Vordermann zu bringen, statt das Schlachtfeld auf dem Lastenrad zu betreten. Priorität muss die wirtschaftliche Ertüchtigung haben, die Abkehr von Ideologie, das Zurücklassen des Zeitgeistes. Militärische Präsenz ist schön und gut, doch sie lebt von Motivation, Sinn und Ziel. Wenn all das fehlt, weil die Gesellschaft ökonomisch, kulturell und sozial auf dem letzten Loch pfeift, dann reitet man ein totes Pferd, will man der NATO auf Teufel komm raus gefallen. Derzeit herrscht Rezession, nicht Invasion. Dessen mag sich die Partei bewusst sein, wenn sie die Lage ernst nimmt. Ohne Fundament gibt es keinen Überbau, der uns schützen könnte vor unbekannten Mächten. Beim Klima wird ein Szenario aufgebaut, bei Corona erzählte man uns manch ein Märchen. Die AfD sollte nicht Trittbrett fahren, sondern Vorrangigkeit erkennen.