Überflüssig oder stabilisierend? Wie die „WerteUnion“ auch als Nischenpartei eine wichtige Scharnierfunktion in der Demokratie erfüllt…

Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „Politik: Kleine Parteien, verschwendete Stimme? Experte erklärt, was wirklich dahintersteckt“ (aus: „Merkur“ vom 06.03.2026)

Braucht es in einer Demokratie sogenannte Nischenparteien, die möglicherweise auch über einen längeren Zeitraum weit unter den entsprechenden Hürden bleiben, um in Parlamente einzuziehen? Oftmals wird behauptet, eine Stimme für sie sei verloren. Doch sie sind Ausdruck von Pluralismus und Repräsentation. Im Wettbewerb der unterschiedlichen Interessen und Meinungen findet nicht jeder Standpunkt unter den etablierten Kräften einen Vertreter, der die Position adäquat artikuliert oder daraus passende Konsequenzen wie Forderungen ableitet. Man kann von Anwälten Einzelner sprechen, die auf vernachlässigte Themen aufmerksam machen und gerade jene Gruppen ansprechen, die für ihre Sichtweise unter den tradierten Konkurrenten keine hinreichende Stimme finden. Häufig sind diese Randerscheinungen Ort von neuer Innovation, sie setzen eine Agenda auf, die sich im weiteren Verlauf durchaus noch mausern kann. Jeder hat einmal klein angefangen, die Bedeutung für die politische Partizipation und Bildung dieser Graswurzelbewegungen ist gar nicht hoch genug einzuschätzen. Als eine gewisse Balance üben sie Kontrolle aus im System, machen es stabiler statt fragiler, können Verdruss in Zuversicht wandeln.

Kleinparteien sind ein Angebot an jene , die es sich mit Lösungen nicht leicht machen…

Und deshalb haben sie eine Chance verdient, wie auch weiterhin die „WerteUnion“. Jüngst gebeutelt von personellen Umstrukturierungen, zeigt sie sich ein Stück weit intern geschwächt. 2024 war sie aus dem gleichnamigen Verein hervorgegangen, musste sich im Sommer 2025 einer schweren Führungskrise ausgesetzt sehen. Es kam angeblich zu Lagerkämpfen und einem „Putsch“, Gründer und erster Vorsitzender Hans-Georg Maaßen verließ sie im Oktober 2025. Derzeit zählt man ungefähr 1.400 Mitglieder, an der Spitze steht Bernd Pfeiffer. Die letzten Resultate bei den Abstimmungen auf Landesebene liegen zwischen 0,3 und 0,6 Prozent. In der Stammregion in Baden-Württemberg holte man allerdings nur magere 0,2 Prozent. Ist deshalb allein ein Abgesang berechtigt? Mitnichten. Gerade im Südwesten zeigt man sich stabil, mehrere Kreisverbände in den Regionen Stuttgart, Ludwigsburg und Karlsruhe existieren fortwährend. Prominente Köpfe vor Ort sind Alexander Mitsch und Jörg Meuthen. Aber auch der frühere AfD-Politiker Dr. Dirk Spaniel spielt neben Sylvia Pantel, ehemals CDU, eine wichtige Rolle. Er hatte die Alternative für Deutschland verlassen, in einem authentischen, integren und couragierten Entschluss.

Die WerteUnion kann den Kitt zwischen CDU-Profillosigkeit und AfD-Populismus bilden…

Geboren in Marburg, studierte er Chemieingenieurwesen und Maschinenbau in Aachen, promovierte 1999 über Brennstoffzellenfahrzeuge bei „DaimlerChrysler“ an der RWTH Aachen. 2015 trat er bei den „Blauen“ ein, infolge der Flüchtlingskrise nach Angela Merkels Grenzschritt. 2017 zog er in den Bundestag ein, legte eine ziemlich steile Karriere hin. Als verkehrspolitischer Sprecher war er aktiv, galt als eine Galionsfigur des „Flügels“, der Björn Höcke nahesteht. Gleichzeitig machte er sich als interner Kritiker von Alice Weidel und deren Umfeld einen Namen, wechselseitige Anschuldigungen waren die Folge. Später dann ein Ausschlussverfahren, weil der Wahl-Schwabe eine toxische Atmosphäre und undemokratische Vorgänge ausmachte. Als er 2024 an der Listenplatzierung scheiterte, verließ er diese politische Heimat, attestierte in der Rückschau Stimmungsmache und Loyalität statt offener Meinung und liberaler Prinzipien. Im Januar 2025 wurde er Mitglied bei der WU. „Doctor Diesel“ ist dort prominent als konservativ Freiheitlicher gefragt, sieht sich rechts von Merz, allerdings weniger radikal und rhetorisch geschliffener als die AfD. Letztgenannte nimmt er zwar als fähige Problemanalytikerin, nicht aber als nachhaltige Lösungsinstanz wahr.

Dirk Spaniel galt als „blauer“ Hoffnungsträger, heute kann er authentischer sein denn je!

Spaniel stellt sich vehement gegen eine ideologische Verkehrswende, verteidigt den Verbrennermotor und die Jobs in der Autoindustrie. Mit ihm gibt es keinen Zwang zur E-Mobilität, er möchte nichts wissen von der Panikmache um das CO2. Es brauche technologische Vielfalt, gekonnt spiegelt er mit „Fridays for Hubraum“ die Idiotie einer verkopften Elektrosparte. Darüber hinaus kritisiert er die früheren Corona-Maßnahmen, hatte sich schon damals für eine baldige Aufhebung der Repressionen ausgesprochen. Er zweifelte an den tatsächlichen Dimensionen der Pandemie, gibt sich darüber hinaus pragmatisch. Das Ziel der Weltverbesserung sei utopisch, das Augenmerk müsse auf der wirtschaftlichen Prosperität liegen. Arbeitsplätze können nur durch Attraktivität geschaffen, Unternehmen mit einem schlanken Staat zum Bleiben ermutigt werden. Das Prinzip von Leistung solle wieder mehr Gewicht bekommen, die Migration bedürfe einer drastischen Steuerung. Grenzenlosigkeit bei den Geschlechtern lehnt der Familienvater aus Stuttgart ebenso ab wie einen Ausverkauf der Leitkultur. Das Traditionsmodell aus Mann, Frau und Kind sei die Zukunft, die EU müsse man zu einem Bund der Vaterländer reformieren, die Lage verlange nach einer starken Armee.