Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „Landtagswahl 2026: Wer sind die Direktkandidaten in Baden-Württemberg?“ (aus: SWR vom 15.02.2026)
Journalist zu sein, das bedeutet für mich nicht zuletzt, sich auch als Anwalt der Opposition zu erweisen. Auch ihr sollte ein Medienschaffender keinesfalls blindlings vertrauen. Aber gerade in Phasen der Geschichte, die von einer massiven Polarisierung geprägt sind, etablierte Zeitungen und Sender zum Sprachrohr der Regierung mutieren, besteht insbesondere für unabhängige Presseakteure eine gewisse Verpflichtung, jenen eine Stimme zu geben, die ansonsten ausgegrenzt, verdrängt oder penibel in einem schlechten Licht dargestellt werden. Die AfD gilt nicht nur als gescholten, sie wird ganz objektiv benachteiligt. Der Fokus wandert lediglich auf die Partei, wenn Skandale und Affären drohen. Welchen Beitrag sie zur Abbildung der Meinungsvielfalt in der Demokratie leistet, bleibt oftmals unerwähnt. Allzu rasch steckt man Forderungen und Programme in eine vorgefertigte Schublade, will sich auch deshalb nicht mit ihnen auseinandersetzen, weil die Regierung selbst ziemlich schmallippig unterwegs ist, was konkrete, nachhaltige und langfristige Lösungen für die zahlreichen Problemfelder unserer Republik angeht.
Vom Hochrhein bis zum Bodensee wirkt der ideologische Boden teils vermint, teils brüchig…
Entsprechend typisch verhält sich auch der aktuelle Wahlkampf in Baden-Württemberg. Jüngst erst schoss man sich auf den Anwurf von Vetternwirtschaft gegenüber dem Spitzenkandidaten Markus Frohnmaier ein. In einem völlig unverhältnismäßigen Bericht, vor allem als Ablenkungsmanöver. Dabei gibt es doch so viele Engagierte an der Basis, die sich beispielsweise als Direktkandidaten für den anstehenden Urnengang am 8. März 2026 verausgaben. Sie suchen den Kontakt zu den Menschen, wollen Fragen des Souveräns beantworten. Am letzten Zipfel der Provinz, zwischen Bodensee und Hegau, treten Steffen Jahnke und Bernhard Eisenhut an. Erstgenannter fungiert gleichzeitig als Kreisrat, bringt Routine aus der Kommunalpolitik mit. Der 57-Jährige tritt für ein Förderprogramm zum bezahlbaren Wohnraum ein. Vehement bemängelt er die massive Regulierung und Bürokratie, welche Unternehmen belastet. Energiepreise müssten sinken, sowohl für Betriebe wie auch den kleinen Mann. Der Mittelstand sei zu lange vernachlässigt worden, daneben machten es unattraktive Standortbedingungen schwer, sich überhaupt noch in der Region niederzulassen.
Jahnke erweist sich als der kühle Kopf, dem das Gespür für die Bürgernöte zugutekommt…
Mit Blick auf die Sicherheit legt er den Finger in die Wunde, denn auch in einer der beliebtesten Feriengegenden der Nation grassiert mittlerweile die Alltagsgewalt. Bessere Ausrüstung und verstärkte Präsenz der Polizei stehen im Einklang mit den Zielen, die die Alternative für Deutschland insgesamt anstrebt. Zwar sehen die Umfragen derzeit keine Chance mehr, zur stärksten Fraktion im Parlament zu werden. Doch insbesondere das Wettrennen um den zweiten Platz scheint noch nicht geschlagen. Eigentlich will man die Grünen zurücklassen, deshalb setzt man auf erfahrene Zugpferde. Der zweitgenannte Mandatar aus Rielasingen-Worblingen gehört zu diesen verlässlichen Eckpfeilern. Auf Listenplatz 7 hat er aussichtsreiche Chancen, erneut nach Stuttgart entsandt zu werden. Daran rüttelt auch nicht, dass momentan gegen ihn ermittelt wird. Auf einer Veranstaltung soll er Migranten pauschal und in verächtlicher Weise kriminalisiert haben. Ein politisch motiviertes Verfahren gegen die Meinungsfreiheit, wie es in unseren Tagen so oft stattfindet. Doch der Schauprozess kann nicht überdecken, was Eisenhut an Inhalt bereithält.
Eisenhut ist nicht nur ein „alter Hase“ im Parlamentsbetrieb, sondern auch Politprofi…
Zwischen Stockach und Hochrhein in den Ring gestiegen, stemmt er sich vor allem gegen ideologische Experimente, die die ökonomische Kraft des Südwestens schwächen. Investitionen müssten in der Bildung ansetzen, die Infrastruktur sei in teils desolatem Zustand. Digitalisierung könne eine Chance darstellen, dürfe aber nicht mit unnötigen Hürden versehen werden. Der Profit für Mittelstand und Handwerksbetriebe aus dem technischen Fortschritt könne allzu schnell abgewürgt werden, verbinde man ihn mit zu vielen Gesetzen und Paragrafen. Der Familienvater plädiert für eine Aufarbeitung der Corona-Maßnahmen, will die aberwitzigen Beschränkungen der Grundrechte von damals nicht auf sich beruhen lassen. Der finanzielle Wohlstand, welchen sich das Volk nach dem Zweiten Weltkrieg erarbeitet habe, solle wieder seinem Zweck zugeführt werden. Die immensen Ausgaben für Flüchtlinge machten uns zu einem Schlusslicht. Gesundheit und Pflege müssen erschwinglich bleiben, Reformen seien fair auszugestalten. Nicht zuletzt prangert der Rettungssanitäter die ökologische Transformation an, die Technologieoffenheit verhindere, den Firmen die Luft zum Atmen nehme.








