Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „Rekordzahlen bei Einbürgerungen – CDU verlangt Stopp wegen Betrugsverdachts“ (aus: WELT vom 17.02.2026)
Dass Spitzenpolitiker quer durch die Republik in diesem Jahr nicht etwa Christen zur Fastenzeit, sondern Muslimen zum Ramadan gratulieren, ist sicherlich kein Zufall. Immerhin spricht nicht nur das Stadtbild dafür, dass wir uns im gesellschaftlichen Umbruch befinden. Auch die nackten Zahlen machen deutlich, dass sich dieses Land verändert. So, wie es sich die Grünen immer gewünscht haben. Doch nicht nur in den großen Metropolen hat die Buntheit Einzug gehalten. Auch im beschaulichen Südwesten sind die Statistiken eindeutig. Wurden noch 2019 in Baden-Württemberg rund 19.000 Personen eingebürgert, waren es 2024 schon doppelt so viele. Mit knapp 38.000 Menschen, die unsere Staatsbürgerschaft erhielten, folgt man einem bundesweiten Trend. Die nicht zuletzt von der Ampel-Regierung beschlossenen Erleichterungen in den Gesetzen ermöglichen rasche Abläufe, weniger Kontrollen und kaum noch Übersicht darüber, wer das Passdokument am Ende in den Händen hält. Selbst in abgeschiedenen Regionen wie am Bodensee merkt man, wohin die Reise geht. Zwischen 2014 und 2023 waren im Einzugsbereich Konstanz gesamt 2.600 Verfahren durchgeführt worden. 2024 dann allein 377.
Selbst in der Provinz wird mittlerweile eingebürgert, was der Mausklick hergibt…
Und auch die Nationalitäten sind längst kein Geheimnis mehr. Mit deutlichem Abstand liegt Syrien auf Platz eins, allein von dort wurden innerhalb eines Jahres 30 Prozent mehr Bürger mit einem schwarz-rot-goldenen Ausweispapier bedacht. Nachfolgend die Türkei. In der Summe zwar weniger, aber mit Blick auf den Vergleichszeitraum 120 Prozent zusätzlich. Beim Irak waren es 35,1 Prozent, aus Afghanistan wurden 77 Prozent an weiteren Migranten auf eine ziemlich wundersame Weise „Deutsche“. Denn mittlerweile geht dieser Vorgang einfacher als das Bestehen des Abiturs, das Erlangen des Führerscheins oder das Lösen eines Parktickets. Wir haben unsere Identität verscherbelt. Das Wichtigste, was uns ausmacht und prägt, ist zur Ramschware geworden. Obwohl noch immer an sieben Stellen in der Verfassung verankert, traut man sich nicht mehr, über das Volk zu sprechen. Obwohl doch bestehende Normierungen ziemlich eindeutig sind. Zugehörig zu unserer Gemeinschaft ist derjenige, welcher sich nicht nur zur hiesigen „Heimat bekannt hat“, sondern dies auch durch „Merkmale wie Abstammung, Sprache, Erziehung, Kultur bestätigen“ kann (§ 6 BFVG). Aber wer prüft diese Bedingungen?
Hätten wir auf die Gründungsväter der Republik gehört, wäre Asyl die Ausnahme geblieben…
Wenn man nicht einmal mehr im Amt vorsprechen muss, sondern lediglich digital agieren kann, dann sind Tür und Tor für Missbrauch geöffnet. Der Knüppel von Vielfalt und Toleranz schlägt bildlich auf jene ein, die Zweifel daran äußern, ob wir mit einem solchen Manöver noch auf dem Boden jenes Grundgesetzes stehen, das die Väter einst in mühsamer Kleinarbeit um 1948 erarbeiteten. Damals wollte man den Anspruch auf Asyl lediglich jenen zubilligen, die ausgewandert waren, um wieder zurückzukommen. Nicht allen aus der Fremde sollte Einlass gewährt werden, denn man setzte auf den Erhalt einer autochthonen Mehrheit. Da war der Begriff der Ethnie noch nicht verpönt, man war sich über die abendländische Tradierung weit mehr als nur im Klaren, sah sie als Auftrag und Verantwortung. Dass man heute anders denkt, liegt vor allem an der Pervertierung unseres Selbstbewusstseins. Die Last der dunklen Kapitel der Geschichte reguliert es auf ein Minimum. Der Schuldkomplex von damals hat uns das genommen, was weltumspannende Konventionen zugestehen. Nämlich eine souveräne Entwicklung, in sozialer, wirtschaftlicher und anthropogener Hinsicht.
Der Ausweis ist weniger Wert als der Führerschein, mit der Identität wird Reibach gemacht…
Wie soll das Morgen aussehen, wenn wir uns schon jetzt nicht mehr wiedererkennen im Gegenüber? Die biblische Schöpfung sah vor, Gruppen friedlich nebeneinander an ihrem jeweiligen Platz anzuordnen, die sich in äußerlicher Erscheinung, aber vor allem in Wesen und Ursprung ähneln. Wanderungen rund um den Globus, in die Sicherungssysteme von Drittstaaten, sie sind in der aktuellen Dimension eine Erfindung der Moderne. Schließlich kamen immer neue Fluchtgründe hinzu, weshalb man nicht mehr in der angestammten Hemisphäre verbleiben wollte, sondern zumeist illegal Grenzen überschritt. Wir schenken Schutz, wo keine Bedürftigkeit ist. Und wir alimentieren, wo man sich auch eigenständig versorgen könnte. Unterwürfigkeit gegenüber Diversität und Pluralismus, ausschließlich ideologischen oder moralischen Aspekten zuzuschreiben, das scheint die neue Zielsetzung eines einigermaßen orientierungslos im Meer der unbekannten Zukunft treibenden Schiffes, dessen Kapitäne unter die Fuchtel von NGOs, Kartellmedien und einer willfährigen Justiz geraten sind. Unsere Kongruenz, die Nämlichkeit einer altehrwürdigen Nation, steht zum Ausverkauf. Als Sonderangebot.







