Und der Preis für „die einzige Friedenspartei“ Deutschlands geht an…? Worin sich AfD und BSW beim Thema Rüstung unterscheiden!

Kommentar von Dennis Riehle zum Thema „AfD-Politiker: Er kämpft eine Schlacht, die schon viele verloren haben“ (aus: „T-Online“ vom 11.02.2026)

Elon Musk ist sich sicher, nur die AfD könne Deutschland retten. Doch wenn es um einen anderen Titel geht, dann stehen die „Blauen“ weiterhin in Konkurrenz. Beispielsweise in der Frage, wer als die einzige Partei für Ausgleich und Diplomatie im Jahr 2026 gilt. Eines ist gewiss, die Grünen sind es längst nicht mehr. Seitdem sich Katrin Göring-Eckardt vehement dafür einsetzt, Kiew mit weiterer Munition und Milliarden zu unterstützen, wurde noch einmal klar, dass die frühere Entscheidung mit Blick auf die NATO-Beteiligung im Kosovo kein Ausrutscher war. Joschka Fischer hatte damals für den Auslandseinsatz geworben, weil es „nie wieder“ ein „Auschwitz“ geben dürfe. Aktuell lautet die Begründung, im Donbass würden europäische Interessen gewahrt. Ähnlich, wie unsere Sicherheit und Freiheit bereits am Hindukusch zur Disposition standen. Da taumelte man sukzessive weg von einem strengen Pazifismus hin zur Beliebigkeit, was das heroische Mitmischen in sämtlichen Konflikten auf diesem Erdball angeht. Allzu verlockend dürfte es gewesen sein, gemeinsam mit den USA Weltpolizei zu spielen. Die Kraft um die momentanen Vorsitzenden Felix Banaszak und Franziska Brantner ist bezüglich Abrüstung zum Totalausfall geworden. Wer aber folgt auf die vakante Stelle nach?

Auslandseinsätze, nein! Aber nur, weil es die Kapazitäten momentan nicht hergeben?

Lange Zeit sah es so aus, als seien Alice Weidel und Tino Chrupalla die sicheren Anwärter gewesen. Doch nun schaltet sich das BSW ein. Und es tritt mit deutlich mehr Vehemenz auf, als die Wettbewerber der Alternative. Denn das Bündnis verfolgt eine konsequente Agenda der Entmilitarisierung, hingegen macht sich die AfD das Leben schwer, wenn die beiden Pole aus transatlantischen „Westextremisten“ einerseits, Kreml-treuen „Russenstussern“ andererseits, einen Flügelkampf ausfechten. Nun sag, wie hast du’s mit Krieg und Frieden, so lautet die Gretchenfrage in diesem Fall. Das Programm sieht eine massive Unterfütterung der Bundeswehr vor. Man fordert das Etablieren einer leistungsfähigen Rüstungsindustrie, will sich vor allem gegen Cyberangriffe wappnen, aber auch einen neuen Korpsgeist entwickeln. Zwar betont man, dass die Armee ausschließlich der Landesverteidigung dienen soll. Unsere Soldaten dürften nicht mehr an Manövern in der Ferne teilnehmen. Doch lässt sich diese Mentalität wirklich aufrechterhalten, wenn man das Credo ausgibt, nur eine gestärkte Ukraine könne für Stabilität auf dem hiesigen Kontinent sorgen? So ist es beispielsweise der Abgeordnete Rüdiger Lucassen, der lediglich davon spricht, man könne kapazitätsbedingt nicht mehr leisten als im Moment.

Die Sache mit Krieg und Frieden könnte gerade im Osten wahlentscheidend sein…

Da geht es also weniger um eine prinzipielle Ablehnung deutscher Beteiligung an weltweiten Missionen. Auch Alexander Gauland schränkte eine strikte Linie durchaus ein, indem er formulierte, dass die Teilnahme an solchen Manövern keinen Selbstzweck darstellen dürfe. Generell ausgeschlossen sind hiesige Truppen auf unbekanntem Schlachtfeld mit einer derartigen Differenzierung nicht. Wie verlässlich ist die AfD also, macht sie ihre Zustimmung vornehmlich abhängig vom Einzelfall? Die Bewegung um Sahra Wagenknecht bleibt diesbezüglich unmissverständlich. Waffenlieferungen müssten gestoppt werden, gewaltsame Interventionen seien grundsätzlich zu verurteilen. Sie priorisiert Verhandlungen nicht nur, sondern macht sie zur alleinigen Lösung. Mann könnte ihr vorwerfen, dieses Ideal erweise sich als realitätsfremd. Doch sie findet sich in einem Kontinuum zu Gorbatschow und Brandt, im Geiste der Deeskalation, im Sinne der Entspannung. Sie lehnt die Blockkonfrontation ab, nimmt Deutschland aus der Polarisierung zwischen Ost und West. Steht diese Agenda im Widerspruch zur Realpolitik, die letztlich zwingend unsere Einflechtung in das Gefüge der „Global Player“ abverlangt? Oder ist sie nicht viel eher das klassische Beispiel für Neutralität nach Schweizer Vorbild?

Das prallen nicht nur Details aufeinander, sondern gänzlich andere Weltsichten…

Gerade in den neuen Bundesländern dürfte die diesbezügliche Positionierung und Ausrichtung wahlentscheidend sein. Und da steht der Souverän tatsächlich vor der Abwägung, inwieweit er sich Sand in die Augen streuen lässt. Die Einen werden kritisieren, dass das BSW ein Tagträumer ist. Die Anderen hingegen einwenden, wie fragil die Verlässlichkeit der AfD beim Thema Äußeres erscheint. Da wirken die Lager noch zu sehr gespalten, verschiedene Lobbyisten wollen Einfluss nehmen. Dieses Problem haben die Violett-Orangenen hingegen nicht. Sie eint in diesem Aspekt eine bemerkenswerte Geschlossenheit. Will man als Bürger das Risiko eingehen, am Ende doch Stellschraube einer „NATO light“ zu sein? Oder pocht man darauf, dass wir uns nicht länger zum Vehikel machen, welches im Zweifel doch abrufbereit ist, sollte Washington Bedarf anmelden? Der Provokateur könnte eine Entscheidung zwischen Naivität und Pragmatismus ausmachen. Wer sich hingegen mit Vernunft an die Wegscheide heranwagt, der sieht zwei Optionen auf dem Tisch liegen. Nämlich jene von Opportunismus und Unbeirrbarkeit. Es ist gut, wenn verschiedene Angebote bestehen. Sie können das Zünglein an der Waage sein, will man sich auf eine Seite schlagen, den letzten Grund dafür finden, wo das Kreuz den Stimmzettel krönt.