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Ein Bilderbuch der Differenziertheit: Wie sich BSW-Jungpolitiker Jannik Schleemann zum versierten Argumentationskünstler macht…

Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „Koalitionsbruch in Brandenburg: ‚Das BSW taugt zu gar nichts mehr'“ (aus: DER SPIEGEL vom 07.01.2026)

Wer mich kennt, der weiß um meine politische Vergangenheit. Ich entstamme dem linken Spektrum, weil mir schon immer soziale Gerechtigkeit im eigenen Volk, Diplomatie und Frieden, technologieoffene Nachhaltigkeit und eine freiatmende Wirtschaft mit notwendigen Schranken im Markt von Bedeutung waren. Doch weil mich so manch eine Erfahrung als Integrationsberater geläutert hat, ich als schwuler Mann nichts anfangen konnte mit einer Vereinnahmung durch die regenbogenfarbene LGBTIQ-Bewegung, bis heute nicht gendere, die Antifa als gewaltbereit betrachte, den Kommunismus als überholt ansehe und manch Probleme mit einem ausschließlich menschgemachten Klimawandel habe, wechselte ich in gleichzeitigem Wiederentdecken von Patriotismus und Konservativismus die Lager. Dabei halte ich jede Zweidimensionalität für längst obsolet.

Wenn die violett-orangene Jugend eine Identitätsfigur sucht, wird sie in Schleemann fündig…

Und deshalb begrüße ich jedes Projekt, das sich darum bemüht, die besten Ideen und Konzepte der unterschiedlichsten Ideologien miteinander zu verbinden. Mein Interesse galt deshalb von Anfang an dem BSW. Eine der ersten Persönlichkeiten, die mir in der Beschäftigung mit der Partei in den neuen Netzwerken begegneten, ist der 1994 geborene Jannik Schleemann. Überaus präsent auf seinen Kanälen, ist er ein Politiker auf Augenhöhe, der den Kontakt zum Wähler nicht scheut. Als Kritiker der etablierten Kräfte macht er sich einen Namen, steht mit Konsequenz für Pazifismus und die Ablehnung von Waffenlieferungen ein. In der Nachwuchsorganisation wirbt er für eine Jugend, die sich freiwillig und ohne Zwänge engagiert. Sie habe einen Anspruch auf Bildung und Chancengleichheit, müsse einen Ansprechpartner gegen Militarismus und Aufrüstung haben.

Er kontrastiert seine eigenen Positionen zu jenen der AfD, die er als neoliberal und unsolidarisch brandmarkt. Der Niedersachse ist leidenschaftlicher Verfechter einer lebendigen Debatte zu Gaza oder Venezuela, setzt auf Entspannung und Völkerrecht. Seine Missgunst gilt der Doppelmoral des Wertewestens, insbesondere der USA und ihrer Verbündeten. Er nimmt mit Blick auf die Ukraine eine differenzierte Haltung ein, verurteilt den russischen Angriff auf den Nachbarn scharf, bemängelt jedoch auch die NATO-Osterweiterung, welche er als eine Ursache der Eskalation ausmacht. Im Zweifel müsse es zu territorialen Abtretungen kommen, um das Leiden und Sterben zu beenden. Dabei bedient er sich vor allem des Pragmatismus, denn neue Realitäten seien geschaffen worden. Weitere Kämpfe forderten am Ende nur Leben und Geld, ohne einen Nutzen für beide Seiten.

Schleemann macht es sich mit Antworten auf internationale Konflikte wahrlich nicht leicht…

Mit Blick auf Südamerika verhehlt er kaum, welche wahren Interessen er hinter der Intervention von Trump sieht. In Nahost wirft er Jerusalem unzureichende Hilfslieferungen und willkürliche Bombardements den Küstenstreifen vor. In einer klaren Ansage missbilligt er den Terror der Hamas, unterstreicht jedoch gleichzeitig die Unverhältnismäßigkeit in Israels Vorgehen gegen die Palästinenser. Den Vorwurf von Antisemitismus weist er zurück, argumentiert seinerseits mit einer Doppelmoral derjenigen, die sich in den unterschiedlichen Konflikten reflexartig auf eine Seite stellen, um beispielsweise hinsichtlich der Versorgung mit Kriegsgerät die Finger in die Wunde von zweierlei Maß zu legen. Seine insgesamt antiimperialistisch wirkende Haltung ist von einer stringenten Geradlinigkeit getragen, er hält es ohne Probleme aus, unterschiedlicher Auffassung zu sein.

Da hat jemand die Werte der Demokratie verinnerlicht, hält Artikel 5 des Grundgesetzes bis in den Exzess hoch. Hingabe und Passion prägen den Diskussionsstil dieser Nachwuchshoffnung. Schleemann scheint nicht nur seine politische Heimat gefunden zu haben, sondern beweist eindeutig, wie schädlich Denkverbote sind. Mit seiner regionalen Verankerung, profundem Wissen bei Fragen zum Gesundheitswesen, zur Geostrategie, dem Rechtsstaat oder dem Multilateralismus beweist er Kenntnisstärke und Bodenständigkeit. Seine Prinzipientreue und dynamische Energie bündelt er mit Schlagfertigkeit, Witz und Frische. Er kann mit Ironie parieren, ohne die Sache aus den Augen zu verlieren. Vernunft schreibt der Kundenberater ebenso groß wie Neugier und Vielseitigkeit, der eine Generation verkörpert, die sich einmischen und partizipieren will.