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Eine endlose Geschichte in Nordrhein-Westfalen: Möge der Parteitag den Landesvorstand der AfD zu Räson und Verantwortung bringen!

Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „Druck auf Parteirichter: ‚Unangemessener Ton‘ bringt AfD-Politiker in Bedrängnis“ (aus: „T-Online“ vom 09.01.2026)

Würde man einen Kollegen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks befragen, womit sie den Bundestagsabgeordneten Matthias Helferich in Verbindung bringen, so würde sicherlich die Antwort „Das freundliche Gesicht des NS (Nationalsozialismus, Anm. d. A.)“ lauten. Und sie wäre in diesem Fall wahrscheinlich nicht einmal eine Beleidigung, stellt die Formulierung doch eine Selbstdarstellung des 37-Jährigen dar, die allerdings in den meisten Fällen aus jeglichem Kontext gerissen wurde. Einst soll sich der Mandatar mit diesen markigen Worten umschrieben haben, als satirische und ironische Antwort auf eine Provokation von links. Was hat man dem Dortmunder nicht schon alles angedichtet. Rassismus, weil er irgendwann einmal ein Duftbäumchen im Internet veröffentlicht haben soll, auf dem „Raus mit die Viecher“ zu lesen war. Im weiteren Zusammenhang soll es um Remigration gegangen sein, weshalb ihm Entmenschlichung von Flüchtlingen vorgeworfen wurde. Investigative wollen E-Mails gesichtet haben, in denen er vermeintlich fremdenfeindlich unterwegs gewesen sei.

Es ist der Neid auf einen beliebten Bundestagsabgeordneten, der Vincentz treiben dürfte…

Konjunktive überall, Eventualitäten am laufenden Band. Gegenüber dem Rechtsanwalt fehlt es allerdings an einer tragenden, konsistenten und plausiblen Indizienkette, die ihn einer Anrüchigkeit überführen könnte. Trotzdem möchte der Landesvorstand der AfD in Nordrhein-Westfalen Helferich loswerden. In einer beispiellosen Querele müht man sich intern ab, den couragierten, beliebten und rhetorisch überaus eloquenten Volksvertreter nicht nur durch den Kakao zu ziehen, sondern seine Karriere zu beenden. Unter Federführung des Fraktionsvorsitzenden in Düsseldorf, Dr. Martin Vincentz, wurden im Mai 2025 offenbar Investitionen in Höhe von 10.000 Euro für juristische Ausgaben veranschlagt, um den einstigen Burschenschafter in Grund und Boden zu klagen. Doch zunächst instrumentalisierte man das parteieigene Schiedsgericht, willfährig und nach Gutdünken zu entscheiden. Der Europaabgeordneten Hans Neuhoff soll hierbei eine zentrale Rolle gespielt haben. Von Bedrohungen ist die Rede, von unlauteren Mitteln, von einem Missbrauch der Macht, von Filz und Verstrickung.

Ich selbst musste als Journalist erleben, wie dieser Dunstkreis agiert, versuchten Widersacher von Helferich, mich von meiner Unterstützung für ihn abzubringen. In diesem Zusammenhang gingen mehrere Schreiben mit anonymem Absender bei mir ein, inklusive Chats und Protokolle, die allerdings eher ein schlechtes Bild von denen zeichnen, die nunmehr auch von Alice Weidel ermahnt wurden. Denn da hat sich eine Art von Klüngel etabliert, der alles dafür tut, an den Schaltstellen des Einflusses zu bleiben, das patriotische Lager zu unterdrücken, die identitäre Gesinnung zu verbannen, für die das frühere Mitglied der CDU steht. Es braucht einen völligen Neuanfang, denn da verkrustet ein System, das der Partei immensen Schaden zufügt. Nicht nur finanziell lässt man sich den Feldzug deutlich zu viel kosten. Er findet vor allem auf dem Rücken der Basis statt, wo es große Sympathien für den Gescholtenen gibt. Schließlich ist er als bürgernaher, zugewandter, bodenständiger und verbindlicher Charakter bekannt, im Gegensatz zu Vincentz.

Die eigentlich Verdächtigen will man schützen, zündet Nebelkerzen noch und nöcher…

Da sollen jene rehabilitiert werden, die tatsächlich Dreck am Stecken haben dürften. Man denke beispielsweise an Klaus Esser. Der Landtagsabgeordnete soll seinen Lebenslauf und Urkunden gefälscht, bei der Mitgliederaufnahme manipuliert haben. Als einflussreicher Strippenzieher wird ihm auch Untreue vorgeworfen. Selbst wenn die Unschuldsvermutung gilt, so ist die Anhäufung möglichen Fehlverhaltens doch ein starker Hinweis darauf, auf welcher Seite die Unordnung liegt. Da scheinen sich weit mehr als dubiose Machenschaften zu entpuppen, die tatsächliche Affäre liegt auf der Hand. Und sie spielt Helferich auf ganzer Linie in die Karten. Die turnusgemäßen Neuwahlen des Landesvorstandes im März könnten eine entscheidende Wendung bringen. Wie werden die Delegierten das desaströse Erscheinungsbild ihrer Spitze bewerten? Der Termin gilt als richtungsweisend, auch in programmatischer und inhaltlicher Sicht. Will man weiterhin einem angepassten, liberalen und konformistischen Flügel anhängen, einer Echokammer der Karrieristen ohne Skrupel und Anstand?

Oder schlägt sich die Mehrheit demjenigen zu, der diesen gesamten Racheakt mit einer beeindruckenden Widerstandskraft durchläuft, Geradlinigkeit und Rückgrat bewiesen hat, der für seine Ideale einsteht, darüber hinaus fachliche Kompetenz, nicht nur im Bereich der Kultur, aufweisen kann? Helferich ist zu einer polarisierenden Figur geworden, die eine nötige Korrektur im Westen der Republik erzwingt. Denn will sich die AfD nicht länger dem Anwurf ausgesetzt sehen, mit Geldern ihrer Beitragszahler einen niederträchtigen Krieg zu führen, muss sie diesem Schauspiel ein Ende bereiten. Es geht mittlerweile weit über eine Posse hinaus, was sich ein elitärer Zirkel leistet, der ein bizarres Innenleben entwickelt hat. Mit Vehemenz und Potenz tritt man nach unten, gibt der Scheinheiligkeit ein Gesicht. Vielleicht hätte man sich noch mehr Durchsetzungsstärke von der Bundesebene gewünscht. Denn auch dort muss man mit Argwohn betrachten, welche Folgen derartige Scharmützel haben, nachdem die Kommunalwahl weit hinter dem zurückblieb, was möglich war.