Ehrenamt in der Krise, doch helfen dürfen nur „die Guten“: Wie die Brandmauer die Solidarität an den Rand des Zusammenbruchs bringt…

Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „Satzungsänderung nach schwäbischem Vorbild: DLRG geht gegen rechte Rettungsschwimmer vor“ (aus: „Apollo News“ vom 17.02.2026)

Wer hätte gedacht, dass es einmal so leichtfallen würde, Parallelen in die dunklen Kapitel unserer Geschichte zu ziehen. Allzu leichtfertig vertraute man darauf, dass es tatsächlich bei einem „Nie wieder“ bleibt. Da hatte man darauf gehofft, dass die Diktaturen eine Lehre sind. Die Gesellschaft nicht wieder in eine Mentalität verfällt, Andersdenkende zu Sündenböcken zu erklären, die Opposition vom elementaren Bestandteil der Demokratie zu einem Fremdkörper und Störenfried im System zu degradieren. Mittlerweile werden Wähler der AfD in manch einem Restaurant nicht mehr bedient, sympathisierende Unternehmen boykottiert. Man schwärzt den Kollegen an, entpuppt er sich als Unterstützer der Alternative für Deutschland. Durch die Familien gehen Brandmauern, Freundschaften zerbrechen entlang ideologischer Feindeslinien. Nunmehr zieht die Stigmatisierung weitere Kreise. Nicht mehr nur der Landesverband in Württemberg der DLRG ruft dazu auf, Lebensretter mit „blauem“ Parteibuch konsequent auszugrenzen. Auch bundesweit will man jetzt nachziehen.

Lieber blau anlaufen statt blau wählen: Die Brandmauer bedroht mittlerweile Leben…

Beatmen und reanimieren dürfen künftig nur noch Grüne, Sozen und Genossen, so verhaftet zumindest der Eindruck. Und auch ich habe den Knüppel der Moral längst zu spüren bekommen. Rund zwei Dekaden lang war ich ehrenamtlich beschäftigt, habe über 20.000 Stunden freiwilligen Dienst geschoben. Vornehmlich in der Selbsthilfe, in Vereinen, die Patienten mit ähnlicher Symptomatik und Krankheit zusammenbringen, um sich gegenseitig Stütze zu sein, in Gruppen Austausch zu suchen. Als psychosozialer Berater stand ich Mitbürgern unterschiedlicher Couleur zur Seite, zur Prävention und Gesundheitsförderung, in bürokratischen Belangen, bei seelischen Tiefs und abgelehnten Anträgen. Nie gab es einen Zwischenfall, keinerlei Beschwerden. Stattdessen sehr viel Lob für meinen Einsatz, positive Rückmeldungen zu Kompetenz und Expertise. Doch als ich begann, mit meiner politischen Gesinnung nicht mehr hinter dem Berg zu halten, begann die Hetzjagd. Aus Sympathie wurde Aversion, in der Virtualität wurde ich fortan auf Schritt und Tritt beobachtet.

Trotz Mitgliederschwund und weniger Ehrenamtsbereitschaft: „Danke, wir verzichten!“…

Anonyme E-Mails gingen bei den Vorständen ein, auf meine Präsenz in den neuen Medien wurde verwiesen. Plötzlich kündigte man die Zusammenarbeit unter dem fadenscheinigen Vorwand, man sei von Dritten über meine „völkisch-nationalistische Orientierung“ informiert worden. Ein bisschen Stasi, etwas mehr Meldestelle. Spitzel und Spione scheinen noch einmal Hochkonjunktur zu haben. Besonders betrüblich, dass sich diejenigen vom Hörensagen irritieren lassen, mit denen man Jahrzehnte in vertrauensvoller Verbindung stand. Eigentlich hätten sie es besser wissen müssen, doch sie wurden infiziert mit dem Virus des Verrats. Sie entscheiden nicht auf Basis von Erfahrung, sondern reflexartig unter Konformitätsdruck. Loyalität ist nicht mehr, wenn der Sittenwächter ruft. Man kann es sich offenbar leisten, auf helfende Hände zu verzichten. Seit 2019 geht die Zahl derjenigen beharrlich zurück, die sich für umme aufopfern. Zwei Millionen weniger an hingebungsvollen Geschöpfen, die ihre eigenen Interessen hintanstellen, um für den Nachbarn da zu sein.

Freiwilliges Engagement wird zu einem elitären Recht von politisch auserlesenen Zirkeln…

Unentgeltlich Freizeit herschenken, das ist nicht mehr sonderlich attraktiv in Phasen der Work-Life-Balance. Eigentlich sollte man in dieser Atmosphäre erwarten, dass jeder Bereitwillige mit Kusshand genommen wird. Doch die weltanschauliche Einstellung übertönt mittlerweile alles. Distanzieren und separieren, sich gemein machen mit den „Guten“, gewachsene Strukturen verleugnen. Willfährig setzt man das höchste Gut auf die Straße, Pfunde werden preisgegeben. Augenscheinlich besteht kein Bewusstsein für die Bedeutung jedes Einzelnen, welcher dazu bereit ist, sich in die Verantwortung am Nächsten zu stellen. Die Mitgliederentwicklung bei den Wohlfahrtsorganisationen zeigt eine eindeutige Richtung. Doch eine Kurskorrektur möchte man nicht vornehmen, setzt weiterhin auf Auslese. Man hat es offenbar nicht nötig, um „Humankapital“ zu ringen. Da vergrault man, hat sich für das Engelchen auf der Schulter entschieden, das sich als der Teufel unseres Miteinanders entpuppt. Denn Stereotypen und Ressentiments sind Gift für jedes Gefüge, das angewiesen ist auf Solidarität.