Vom Beinahe-Oberbürgermeister zum Defacto-Vorsitzenden: Beste Chancen für Luigi Pantisano, die Linke noch linker als links zu machen…

Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „Nach Rückzugsankündigung von Jan van Aken: Fraktionsvize Luigi Pantisano kandidiert für Parteivorsitz“ (aus: ZEIT Online vom 16.04.2026)

Konstanz war 2020 nur knapp einem Desaster entgangen. Denn es fehlte nicht viel, dann hätte die Universitätsstadt einen Oberbürgermeister der „Linken“ gehabt. Luigi Pantisano war angetreten, lag sogar im ersten Wahlgang vorne. In der zweiten Runde musste er sich dann Amtsinhaber Ulrich Burchardt von der CDU geschlagen geben. Doch trotz dieser Niederlage hatte er für überregionale Aufmerksamkeit gesorgt. Und sie setzt sich bis heute fort. Mittlerweile ist der 46-Jährige Bundestagsabgeordneter. Und er beabsichtigt aktuell, nach dem Rücktritt von Jan van Aken, für den Vorsitz seiner Partei zu kandidieren. Im Juni 2026 soll er also in Potsdam, gemeinsam mit Ines Schwerdtner, zum neuen Duo an der Spitze bestimmt werden. Im Falle von Erfolg wäre er der Erste in diesem Amt mit Migrationshintergrund. Und die Chancen stehen wahrlich nicht schlecht für den in Waiblingen geborenen Sohn von italienischen Gastarbeitern.

Doch was hätte sein Karrieresprung darüber hinaus zu bedeuten, in welche Richtung würde sich jene Kraft entwickeln, der man aktuell ohnehin nachsagt, sie würde eher ins radikale bis extreme Spektrum abgleiten, zurück in den Realsozialismus der DDR? Zweifelsohne hat er eine nennenswerte Biografie hinter sich. Zunächst als Stadtrat in Stuttgart und politische Geschäftsführer der dortigen Fraktion tätig, wurde er später zum Landessprecher in Baden-Württemberg, Mitglied im Bundesvorstand und Teil der sogenannten „Bewegungslinken“. Seine Ausrichtung ist dabei unverhohlen. Zwar gibt er sich bürgernah, aber gleichsam kämpferisch. Er will Arbeiter zurückgewinnen, durch Haustürgespräche Vertrauen schaffen. Der direkte Kontakt und die Arbeit an der Basis liegen ihm am Herzen. All das klingt ehrenwert und anständig. Doch es gibt eine andere Seite der Medaille. Für ihn sei es eine Ehre, die Palästinenserflagge zu schwenken.

Lieber die palästinensische als die deutsche Flagge schwenken: Antisemitismus light?

Mit der deutschen scheint er hingegen seine Probleme zu haben. Antisemitismus wird ihm unterstellt, konkret nachweisen lässt sich dieser Vorwurf nicht. Zwar hatte er einst Netanjahu als „Kriegsverbrecher“ bezeichnet, lässt aber keinen Zweifel am Existenzrecht Israels. Bei ihm sei kein Platz für irgendeine Form von Rassismus, betont der Familienvater mit Wurzeln in Kalabrien. Lautstarke Zwischenrufe im Plenum gehören mittlerweile zu seinem Markenzeichen. Wiederholt warf er der AfD Lüge vor, mit der er ohnehin ein Hühnchen zu rupfen hat. Argumente folgen seinen Angriffen in der Migrationspolitik eigentlich nie. Stattdessen bloße Wortgewalt und rhetorische Entgleisungen. Ordnungsrufe sind die Folge. Der einstige Quartiersmanager am Bodensee verteidigt seine Auftritte mit der Rechtfertigung, dass „Faschismus keine Meinung“ sei. Außer Killerphrasen hat er wenig zu bieten, oftmals bleibt es beim schnöden Etikett des „Nazis“.

Diese und andere Ergüsse sprachlicher Unkultur machen ihn stolz, die Sanktionierungen nimmt er wie ein Prädikat an. Rüpelhaft hinterlässt er das Plenum, Manieren wurden ihm offenbar nicht mitgegeben, als er sich auf den Weg machte, Debatten „prägen“ und „Gegner aus der Bahn werfen“ zu wollen. Es ist schon beeindruckend, wer sich heutzutage „Demokrat“ schimpft. Er selbst wolle Widersacher von Populisten sein. Doch seine eigene Programmatik hinterlässt den Eindruck eines markanten Aktivisten denn des solidarischen Brückenbauers. Nicht nur starke Mietendeckel und der massive Ausbau von sozialem Wohnraum stehen auf seiner Agenda, sondern die als „Vergesellschaftung“ getarnte Enteignung. Milliardäre dürfe es nicht mehr geben, Superreiche müssten zusätzliche Steuern zahlen, ihre Übergewinne umverteilt werden, Vermögen prinzipiell Obergrenzen haben. Honecker und Engels würden ihm dafür glatt ein Like hinterlassen.

Der Euphemismus der „Vergesellschaftung“, eine Kampfansage an politische Gegner…

Plumpe Neidpolitik, die sich von jenem aus Bahn bricht, der 2020 wegen Hausfriedensbruchs zu einer Geldstrafe verurteilt wurde. Zwar verzichtet er auf Rufe nach bolschewistischer Revolution oder Relativierungen von Gewalt. Gleichzeitig ist er ideologisch gänzlich auf Linie. Die Schuldenbremse hält er generell für überholt, möchte sie nicht nur lockern, sondern abschaffen. Es gibt in dieser Weltanschauung auch kaum andere Optionen. Einsparungen sind ein Fremdwort, stattdessen öffnet der Marxismus immer neue Hähne, aus denen das Geld der zukünftigen Generationen verschwendet wird. Massive Investitionen sollen folgen, in symbolische Projekte zum Klimaschutz und für noch mehr Sozialstaat fließen, der selbstverständlich in erster Linie Flüchtlingen und Arbeitsunwilligen zugutekommt. Plakativ spricht Pantisano von Genozid und systematischer Unterdrückung in Gaza, dem Westjordanland und dem Libanon.

Früher attackierte er Sahra Wagenknecht, heute teilt er gegen jeden aus, der keinen Hofknicks macht vor Muslimen. Der Diplom-Ingenieur steht für einen trügerischen Pazifismus. Denn er verkennt tatsächliche Ursprünge globaler Probleme. Mit seinem emotionalen und anti-elitären Kurs will er mobilisieren. Ob ihm dies mit einem Schwerpunkt auf Nahost und dem hilflosen Bemühen eines modernen Robin Hood gelingen wird, darüber wird man kaum spekulieren müssen, tendieren die Umfragen aktuell ohnehin nicht mehr nach oben. Zweifelsohne liegt er nicht gänzlich falsch, dass auch Beamte unsere Kassen plündern. Der Fokus sollte sich aber auf eine andere Gruppe richten, die allenfalls in positivem Rampenlicht ihren Auftritt haben dürfte. Denn man ist zum Anwalt des Asylbewerbers geworden, ob illegal über die Grenze schleichend, ob als vermeintliche Fachkraft einreisend. Ohne zu bemerken, dass dieser Zug abgefahren ist.