Ein Fitnessökonom, der die Jugend begeistert: BSW-Nachwuchshoffnung Jannik Schleemann und das Geheimrezept des „Grassrootings“…

Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „Verden: Das BSW tritt erstmals zur Stadtratswahl an und ist gegen ‚Achim-West'“ (aus: „Kreiszeitung“ vom 15.04.2026)

Was ist das größte Pfund einer Gesellschaft? Nicht wenige von uns dürften die nachkommende Generation als entscheidend für die Zukunft ansehen. Und dies gilt auch mit Blick auf Parteien. Wer es im Jahr 2026 nicht fertig bringt, die Sprösslinge für sich zu gewinnen, der steht langfristig vor dem Problem des demografischen Wandels, vor einem Wegbrechen von Wählerklientel. Verschiedene etablierte Kräfte scheinen den Schuss nicht gehört zu haben, sie fokussieren sich weiterhin auf ein zementiertes Fundament der über 60-Jährigen. Zunächst hatte die AfD Lunte gerochen, begann rasch, die Heranreifenden an sich zu binden. Vielleicht ist es der vergleichsweise noch kurzen Verweildauer auf dem Berliner Parkett zu verdanken, dass auch „Violett-Orange“ den Wink mit dem Zaunpfahl verstanden hat. Hier wie da gründete man Jugendorganisationen, beim Bündnis von Sahra Wagenknecht steht sie unter der Abkürzung JSW. Herausragend aktiv ist man in Niedersachsen. Nicht zuletzt zu verdanken einem überaus aktiven, präsenten und routinierten Charakter, welcher als eine künftige Galionsfigur herhalten könnte, gerade die große Bühne der Kommunalpolitik betritt.

Als Auto-Schrauber und Werder-Fan auf das Sprungbrett ins politische Haifischbecken…

Jannik Schleemann kennt sich aus in den sozialen Medien, legt einen professionellen Auftritt hin, wenn er in den unterschiedlichsten Formaten über Außenpolitik, Wirtschaft und Rente spricht. Ob nun auf Facebook, Instagram oder X, seine Beiträge erreichen eine große Zahl von Followern. Mit einem sachlichen, direkten und konfrontativen Stil, die Debatte als Raum der Meinungsvielfalt nutzend, verbunden mit Emotionalität durch Emojis und Tiefgang, sind seine Positionen klar und unverhohlen, aber keinesfalls den Anschein erweckend, hier habe jemand die Wahrheit für sich gepachtet. Stattdessen steht die Anregung zum Austausch unterschiedlicher Auffassungen im Mittelpunkt. 1994 in Bremen geboren, erweist er sich als Anhänger von Michael Lüders, Fabio De Masi und Amira Mohammed Ali. Mit Letztgenannter führte der Achimer aktuell ein Interview. Das 50-minütige Gespräch dreht sich vor allem um die Abschaffung des sogenannten Politikerbeleidigungsparagrafen, aber auch um die Kritik an der Wehrpflicht. Denn darin liegt ein ausgeprägtes, stilbildendes und wiedererkennbares Alleinstellungsmerkmal.

Ein Orientierungspunkt für den Nachwuchs, der Authentizität und Geradlinigkeit ausstrahlt…

Nicht einmal die Alternative für Deutschland wendet sich gegen den Dienst unter der Pickelhaube, will ihn im Zweifel sogar auf zwei Jahre ausdehnen. Gerade im Osten wird man mit dem ausdrücklichen Pazifismus überzeugen können. Weniger Rüstungsexporte und Hilfen an die Ukraine, dafür endlich Diplomatie, Verhandlung und Brückenbau. Die Sanktionen gegen Russland haben sich überdauert, die Effekte bleiben übersichtlich. Unser Land stottert hingegen, weil die Energiesicherheit nicht mehr gewährleistet ist. Daher will das BSW perspektivisch eine Normalisierung der Beziehungen zu Moskau erreichen. Das Sterben müsse ein Ende haben, die territoriale Integrität dürfe nicht höher gewichtet werden als Menschenleben. Dass damit auch Gebietsabtretungen im Raum stehen, stört jene kaum, die einem Ideal von Frieden und Aussöhnung nacheifern. Nein, auch Jannik Schleemann ist nicht naiv. Stattdessen wirken seine analytischen Wortmeldungen äußerst fokussiert, kenntnisreich und abgewogen. Und auch in anderen Themenbereichen lässt er durchaus Fachkunde erkennen, ist neugierig, befasst sich mit der Aktualität.

Schleemann beweist eindrücklichen Mut, auch für kontroverse Positionen einzustehen…

Bei der Gesundheit sollen die Kassenbeiträge sinken, die Prävention von Zivilisationskrankheiten gestärkt, Prävention erhöht werden. Einsparungen sieht er vor allem durch ein Ende der Militarisierung, eine stärkere Besteuerung der Reichen, ein Einbeziehen von Beamten in die gesetzlichen Versicherungen. Ehe man weiter in die Truppe investiert, die Waffenindustrie begünstigt, solle zusätzliches Geld in Bildung und Infrastruktur fließen. Untätige Vermögen könnten abgeschöpft, kleine Unternehmen und Erben hingegen geschont werden. Bezahlbarer Wohnraum und ein Mietendeckel gehören zum Programm, ebenso der Wegfall von CO2-Steuer, transformatorischen Bauprojekten und klimaschützenden Symbolvorhaben. Zur Stärkung der Demokratie möchte der Fitnessökonom partizipative Elemente fördern, Transparenz herstellen und niedrigere Hürden für Bürgerbegehren erlassen. Die Migration müsse der Staat einschränken, Zuwanderung auf Eingliederung abzielen, mit klaren Grenzen und Regeln. Nicht zuletzt brauche es einen Abzug der US-Truppen sowie eine Nutzenkontrolle der NATO.