Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „Nach Koalitionsbruch – Ex-BSW-Landeschef Robert Crumbach ist wieder Sozialdemokrat“ (aus: WELT vom 10.03.2026)
Eigentlich war das Ergebnis eindeutig: Die Landtagswahl in Brandenburg hatte CDU und SPD abgestraft. Doch nach dem Zerfall der Koalition zwischen Sozialdemokratie und BSW steht ausgerechnet jene Zusammenarbeit vor einer Wiederauflage, der der Souverän eine krachende Niederlage bescherte. Und nein, an diesem Revival ist nicht etwa das Bündnis von Sahra Wagenknecht schuld. Es hatte sich lediglich dem Erpressungsversuch widersetzt, mit dem die Genossen unter Dietmar Woidke beim Thema Rundfunkstaatsverträge zu einer Einigung zu zwingen vermochten, die das Profil von „Violett-Orange“ gänzlich verwässert hätte. Der Bruch war das Resultat eines taktischen, unfairen und amoralischen Manövers der Ministerpräsidentenpartei. Hiergegen hat sich eine couragierte Gruppe gewandt, sogar Abspaltungen riskiert. Wie bezeichnend, dass mit Robert Crumbach nun ausgerechnet jener in die Arme von Willy Brandt zurückkehrt, der nur einen kurzen Ausflug in das Lager von sozialer Gerechtigkeit und wirtschaftlicher Vernunft unternommen hat. Da trennte sich die Spreu vom Weizen.
Das BSW in Brandenburg hat dem Erpressungsversuch der SPD würdig standgehalten…
Dieses Beispiel der Heuchelei macht deutlich, weshalb das BSW nunmehr eine Konsolidierung braucht. In dieser Phase spielt auch Dominik Mikhalkevich eine entscheidende Rolle. Immerhin wird die Basisarbeit umso wichtiger sein, wenn die Verhältnisse stürmisch sind, das Fundament einem gewissen Druck standhalten muss. Der Landesvorsitzende der Jugendorganisation, der auch als Referent für Europapolitik in der Fraktion in Potsdam tätig ist, scheint eine wesentliche Stütze in der Verbreitung von Programmatik und der Vermittlung von Bekanntheit. Seine Kernkompetenz ist die Diplomatie. Nicht umsonst engagiert er sich in der Friedensbewegung, mit voller Kraft widmet er sich dem Widerstand gegen eine erneute Einführung der Wehrpflicht. Routiniert weist er jene in die Schranken, die ihn deshalb zum „Helfershelfer“ von Putin degradieren wollen. Er steht aus Überzeugung gegen Krieg und Eskalation, hat sich damit einen Namen gemacht. Sein profilierter und erfahrener Ansatz krönt ihn zu einer unverzichtbaren Stimme in Zeiten der Profilierung.
Nach dem Koalitionsbruch steht die Erneuerung an, von der Basis bis zur Spitze…
Auf die Initiative von Mikhalkevich meldete das BSW in Brandenburg Bedenken gegenüber dem Internationalen Gesundheitsvertrag bei der Bundesregierung an. Ein weiterer Schwerpunkt ist sein Einsatz für die Meinungsfreiheit. Er hilft beim Aufbau neuer Strukturen in den Provinzen, macht sich nicht nur an der Havel zu einem verlässlichen Partner für die Basisdemokratie. Auch mit Blick auf die AfD beweist er Kante. Zwar wird die Brandmauer als gescheitert abgelehnt, eine Kooperation allerdings aufgrund sozial- und außenpolitischer Differenzen als unmöglich betrachtet. Stattdessen solle sich das Bündnis auf seine Eigenständigkeit konzentrieren, eine kontrollierte Migration zum Ausgleich von Demografie und Fachkräftemangel fordern, der Abhängigkeit von den USA ausdrücklich den Kampf ansagen. Die Probleme der Welt ließen sich nicht durch Intervention lösen, sondern durch Verhandlung. Was wie naiver Pazifismus klingen mag, entstand einem Gesamtkonzept, das sich aus der Überzeugung speist, geostrategische Realitäten anzuerkennen.
Dem JSW unter Vorsitz von Dominik Mikhalkevich kommt eine Schlüsselrolle zu…
Mikhalkevich bemüht geschichtliche Vergleiche um der Illustration willen, insgesamt wirkt seine Rhetorik allerdings weder populistisch noch extrem. Stattdessen wirbt er für pragmatischen Brückenbau zu jenen, die mit dem etablierten System unzufrieden sind, aber nicht gänzlich auf Umsturz setzen. Man gibt sich weitaus milder als die Alternative für Deutschland, allerdings prägnanter und differenzierter, sobald Herausforderungen komplex werden. Der Nachwuchs ist nicht auf den Mund gefallen, aber er lässt sich auch nicht unnötig radikalisieren. Es brauche eine Auswahlmöglichkeit innerhalb der Opposition, die konsequent in ihrer Gesinnung auftritt, ohne allerdings über die Stränge zu schlagen. Das Elitäre müsse der Vergangenheit angehören, Regierungen sollten durch verstandsmäßige Experten besetzt werden. Eine Neuinterpretation des repräsentativen Systems. Durchaus innovativ, aber vollends grundgesetzkonform. An der Implementierung solch einer Idee wirkt man von der Graswurzel bis zur Spitze des BSW mit. Frischer Wind inklusive, nicht nur des Alters wegen.








