Die Europäisierung des „Fight Tonight“: Wie Vertreter der Bundeswehr den Lernprozess verbaler Abrüstung im Nachkriegsdeutschland durchbrechen…

Kommentar von Dennis Riehle

Es sind die Abschreckungsdoktrin während des Kalten Krieges und die Mobilmachungsrhetorik im Geiste von 1914, welche aktuell in den Sinn kommen, hört man sich an, was Generalleutnant Holger Neumann, Inspekteur der Luftwaffe, kürzlich in einem Interview mit dem britischen „Telegraph“ gesagt hat. Man sei bereit, „heute Nacht“ gegen Russland zu kämpfen, falls ein NATO-Staat angegriffen würde. Deutschland verteidige „jeden Zentimeter“ des Bündnisgebietes, lautete seine Botschaft in Richtung von Wladimir Putin.

Was eine Grünen-Politiker nur ganz am Rande erklärte, spricht die Bundeswehr nun offen aus…

Als Annalena Baerbock fast im Vorbeigehen Moskau den Kampf ansagte, da konnte man vielleicht noch schmunzeln. Jetzt müssen die Gesichtszüge erstarren, denn die obersten Vertreter der Bundeswehr üben sich nicht in einem Geplänkel. Ihre Entschlossenheit wird zum größten Risiko für die Sicherheit von West- und Mitteleuropa seit Jahrzehnten. Der englische Ausdruck vom „Fight Tonight“ ist seit jeher Bestandteil der US-Militärdoktrin. Armeen berufen sich regelmäßig auf das „Semper Paratus“, das „Immer bereit“.

Deutschland scheint den Reiz von Eskalation und Provokation wiederentdeckt zu haben…

Da wird gezündelt, vielleicht ist es schon Brandstiftung, was nicht zuletzt auch aus den Worten des Kanzlers dringt. Irgendwie scheint die Lust zur Eskalation zurück, braucht es erneut den Nervenkitzel des Provozierens? Ob es nun die gewaltsame Auseinandersetzung mit Dänemark 1874, mit Preußen-Österreich 1866 oder mit Frankreich 1870 war: Wir konnten es nie lassen, schienen erst und allein durch das Dritte Reich zur Defensive geläutert. Nun wurde wiederum Lunte gerochen, als ob es nur eine Simulation wäre.