Quelle: Clipdealer.de, B3245934, erworbene Standardlizenz.

Zwischen Unüberlegtheit und Stammtischparole: Das miserable Kommunizieren der Teilzeit-Restriktion trifft die Werteträger unseres Landes!

Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „CDU-Streit über Recht auf Teilzeit: Politischer Krawall ohne Verstand“ (aus: DER SPIEGEL vom 27.01.2026)

Populismus ist in der Demokratie legitim, doch er sieht sich aufgrund seiner Pauschalisierung dem besonders hohen Anspruch ausgesetzt, auch eklatanten Widerstand ertragen zu müssen. Und so ist es mehr als nötig, dem aktuellen Vorstoß aus dem Wirtschaftsflügel der CDU zu begegnen, der einigermaßen schlecht kommuniziert wurde, steht in der öffentlichen Wahrnehmung doch der Teilzeitanspruch für die deutsche Bevölkerung im Gesamten auf dem Prüfstand. Eigentlich wollte die Mittelstandsunion die Debatte auf sogenannte „Lifestyle“-Konstellationen begrenzen, also eine verringerte Arbeitszeit, die sich nicht etwa aus gleichzeitiger Pflege eines Angehörigen, Erziehung von Kindern oder eines zweiten Standbeines ergibt. Sondern explizit jene Bürger ansprechen, die aus eigener Entscheidung und ohne triftigen Grund Vollzeitstellen schmähen. Doch da war der Geist bereits aus der Flasche, die Ungerechtigkeit schreit nunmehr lautstark und berechtigt zum Himmel.

Die CDU widerspricht mit ihrem Vorstoß eigenen Rollenbildern und konservativen Zielen…

Schließlich betrifft die Forderung insbesondere Frauen, die etwa 75 Prozent der betroffenen Gruppe ausmachen, welche aufgrund fehlender Unterstützungsleistungen in prekären oder umbrüchigen Lebenssituationen auf eine verringerte Wochenstundenzahl angewiesen sind. Statt sich einer argumentativen Auseinandersetzung über die Ursachen für den Fachkräftemangel zu nähern, wurden strukturelle Missstände außer Acht gelassen. Unbezahlte Sorgearbeit blieb genauso unerwähnt wie mangelnde Betreuungsinfrastruktur. Zwar sind in der Bundesrepublik überdurchschnittlich viele Menschen ausschließlich halbtags beschäftigt. Doch nur selten geschieht dies aus bloßer Befindlichkeit. Die völlig entglittene Diskussion führt zu massiver Diskriminierung jener, die diese Gesellschaft zusammenhalten. Völlig unbeachtet bleibt nämlich, welcher Beitrag an Leistung im heimischen Haushalt erbracht wird, ausgerechnet aus Reihen der Christdemokraten.

Ein altbekanntes Phänomen: Wenn Forderungen am eigentlichen Thema vorbeigehen…

Sie sind es doch eigentlich, die konservative Rollenbilder befürworten, die Geburtenrate steigern wollen, indem die Rahmenbedingungen für Kinderfreundlichkeit verbessert werden. Nunmehr fährt man jenen in die Parade, die für Solidarität sorgen. Die Alltagsrealität von Alleinerziehenden, Pendlern und Personen mit Behinderung bleibt komplett ausgespart. Gitta Connemann, Vorsitzende der Lobbygruppe im Konrad-Adenauer-Haus, hat ihr Ansinnen miserabel präsentiert. Denn die Einschränkung, wonach man sich ausschließlich auf freiwillig gewählte „Parttime“ fokussieren will, ging in der Wortgewalt der Stammtischparole gänzlich unter. Insofern bleiben auch die Fragen ungestellt, inwieweit Männer stärker in die Pflicht genommen werden sollten, Inklusion vorangetrieben werden kann, Stressprävention etabliert werden muss. Es gibt deutlich bessere Ansatzpunkte, die ökonomische Produktivität zu steigern, ohne Rechte des Einzelnen zu beschneiden.

Es gibt deutlich weniger einschneidende Maßnahmen, um die Produktivität zu steigern!

Wo bleiben die mahnenden Worte zur Integration und Qualifizierung von Migranten, zu verbindlicher Gemeinnützigkeit bei ausbleibender Erwerbstätigkeit? Wenig bis gar nichts hört man von der Notwendigkeit, das „Matching“ in den Jobcentern effizienter zu gestalten, also die gezielte Berufsvermittlung. Wo ist der Hinweis zu Flexibilität in Zeiten, die beispielsweise ein Kombinieren aus Homeoffice-Modellen und Brückenteilzeit möglich machen? Wieso vernimmt man kaum etwas von einem stringenten Umschalten von Asyl- auf Arbeitszuwanderung? Die CDU entkernt sich inhaltlich, erweist sich konzeptionell als blank, wenn sie auf all diese Aspekte keine Antworten liefert. Da hatte eine finanziell wohlig ausgestattete Staatssekretärin ein ziemlich loses Mundwerk, plapperte wilde Demagogie aus, offenbar, ohne zuvor die Tragweite ihrer Einlassungen zu bedenken. Denn eine Kampfansage an die Werteträger dieser Nation ist keine gute Idee.