Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „Streit mit deutschen Bischöfen: Der Vatikan bekräftigt sein Nein zu Homo-Segnungen“ (aus: „Junge Freiheit“ vom 06.05.2026)
Manchmal wird der liebe Gott im Himmelreich den Kopf schütteln über das, was aus seiner Schöpfung geworden ist. Und er wünscht sich wohl, dass er den Menschen nicht ganz so viel Freiheit gegeben hätte. Zumindest, was die sündhafte und moralische Auslegung der gesetzmäßigen Ordnung angeht. An vielen Stellen scheint es sinnvoll, die Verantwortung wiederum in unabhängige Hände zu legen. Denn unsere Spezies dürfte sich nie einig sein bei Fragen, die Politik, Gesellschaft und die Kirche betreffen. So verhält es sich auch in der Abwägung, ob die Segnung von homosexuellen Paaren mit der biblischen Lehre konformgeht. Kardinal Marx plädiert ausdrücklich dafür, zwei Männer oder zwei Frauen dieses ausdrückliche Zeichen der „Gnade“ mit auf ihren Lebensweg zu geben. Im Vatikan hält man dagegen wenig von einer solchen Praxis potenzieller Willkür, geht nicht zum ersten Mal auf Konfrontationskurs mit den deutschen Katholiken. Um sich einer authentischen Lösung zu nähern, dürfte vor allem ein Aspekt wesentlich im Mittelpunkt stehen: Gutheißen können wir als Zivilisation, kann der Vater auf der Wolke wohl nur das, was in Würde und Anstand gelebt wird.
Die Trennlinie sollte nicht entlang der Geschlechter, sondern der Integrität gezogen werden!
Da unterscheiden sich Gemeinschaften verschiedentlicher Geschlechter nicht von jenen, die unipolar ausgerichtet sind. Insbesondere der Auftrag aus 4. Mose 6,24ff., den aaronitischen Segen zu verbreiten, kennt keine wirklichen Grenzen. Er steht uns allen zu, was Jesus unter anderem in Psalm 103, Matthäus 11,25 oder Lukas 24,50 deutlich macht. Der Herr legt die Hand auf, ohne Vorbedingungen. Sein Sinn liegt vor allem in der Bitte um Hilfe, Begleitung und Unterstützung. Ihm fehlt es, für gewöhnlich, an einer moralischen Dimension. Daher lässt sich dieses Signal auch nicht als Absolution verstehen, als eine Bejahung von oben. Die Gegenseite dürfte mit 3. Mose 18,22 und 20,13 argumentieren. Dort bezeichnet, zumindest die deutsche Übersetzung, den Beischlaf von zwei Männern als „Gräuel“. Blickt man allerdings in die ursprünglichen Fassungen auf Hebräisch und Griechisch, bezieht unter anderem den Kontext ein, so ließe sich ohne Abstriche die Transkription des „Knaben“ rechtfertigen. Und ein solches Verbot würde in den Zusammenhang passen. Denn Pädophilie und Prostitution waren schon zu Urzeiten ein Tabu, vollkommen zu Recht und notwendigerweise.
Die Ehe als besonders schützenswerte Institution hat, nicht nur biblisch gesehen, Vorrang!
Als Schwuler lehne ich ein Ehekonstrukt für meinesgleichen ab. Denn diese Institution bleibt aus guten Gründen denjenigen vorbehalten, die für Nachwuchs sorgen können, rein evolutionär die Regelhaftigkeit und die Vollendung abbilden. Nein, ich halte homoerotisches Empfinden nicht für pervers. Stattdessen stellt es nach meinem Dafürhalten eine entwicklungsspezifische Normvariante dar. Sie ist eindeutig in der Minderheit, doch wir sind glücklicherweise so weit, in einer großen Überzahl zu tolerieren, dass eine Beziehung unter dem gleichen Geschlecht in Sachen Würde äquivalent behandelt werden sollte. Das bedeutet gleichermaßen nicht, ein beispielsweise in Genesis und Matthäus singuläres Fundament der klassischen Familie in irgendeiner Weise dadurch zu schmälern, Beliebigkeit Tür und Tor zu öffnen. Wer im wechselseitigen Respekt füreinander da ist, darf mit dem Segen rechnen. Doch er sollte nicht den Anspruch erheben, auf der Ebene des Sakralen denselben Rang einzunehmen wie die Keimzelle einer jeden Spezies. Heutzutage würde man sagen, Mann und Frau sind das ideale „Match“. Die Konsequenz daraus lautet aber keinesfalls, Anderes zu verdammen.
Was der tatsächliche Wille Gottes ist, werden wir ohnehin erst im Jenseits erfahren…
Letztlich können wir in vielerlei Hinsicht nur deuten, was dem Geiste und Willen des Allmächtigen entspricht. Hätte er homosexuelle Veranlagungen für abscheulich erklärt, so wären sie möglicherweise in seinem Plan gar nicht vorgekommen. Andererseits enthält das Liebesgebot des Evangeliums weder Freibrief noch Blankoscheck. Stattdessen fokussiert es sich auf ein Pflichtgefühl, vor allem mit Blick auf Norm und Ritus. Wo die Regenbogen-Ideologie den Anspruch erhebt, für Willkür zu sorgen, sich nicht mehr gebunden zu fühlen an das, was allein biologisch objektiviert werden kann, braucht es ein konventionales Stoppschild. Sie ist nicht über die Maße schützenswert, wie man uns oft suggerieren will. Keine Besonderheit, wegen vermeintlicher Vielfalt. Der Ordnungsrahmen hat seine natürlichen Grenzen. Den Ausschlag gibt kein Gefühl, keine Tagesform, kein Zufall. Sondern Gepflogenheit, Überlieferung und Lauterkeit. Pastorale Barmherzigkeit darf nicht verwechselt werden mit tugendsamer Wahllosigkeit. Die Fuchtel von Queerness und Wokismus neigt zur Erpressung. Ihr muss nicht nur der Klerus widerstehen. Denn Willkür ist der tatsächliche Schrecken.








