Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „Wal soll per Luftkissen angehoben werden: Minister erlaubt privaten Rettungsversuch für ‚Timmy'“ (aus: „Tagesspiegel“ vom 15.04.2026)
Seit gut zwei Wochen bewegt die Republik das Schicksal von Buckelwal „Timmy“. Das 12 Meter lange Tier war in der flachen Wismarbucht bei der Insel Poel in Mecklenburg-Vorpommern gestrandet. Es lebt noch, atmet weiterhin, aber zunehmend schwächer, stößt Wasserfontänen aus und zeigt minimale Bewegungen. Experten sehen den Gesundheitszustand als unverändert schlecht an, sie gehen von schweren Erkrankungen oder Verletzungen aus, erachten die Chancen für einen erfolgreichen Ausgang als sehr gering. Doch mittlerweile ist die traurige Geschichte zu einem Politikum geworden. Jüngst hat Umweltminister Till Backhaus grünes Licht für einen neuen privaten Rettungsversuch gegeben. Mit Tauchern will man den Säuger beruhigen, per Luftkissen anheben, auf einer Plane zwischen zwei Pontons lagern und zurück ins Weite transportieren. Selbst der Bundespräsident hat sich eingeschaltet, es gab Demonstrationen von Bürgern und emotional bewegten Menschen, die versuchten, Absperrungen zu durchbrechen, zu wenig Hilfe beklagten. Aus ihrer Sicht soll alles getan werden für das Wohl dieses Orcas, der ein Stück weit symptomatisch für die gesellschaftliche Situation im Land steht.
Dass sich der Bundespräsident um einen Buckelwal kümmert, spricht Bände über den Staat…
Denn bei aller Liebe für den Artenschutz, wie sehr haben sich die Verhältnisse verschoben, wenn solch ein Fall mehr Aufmerksamkeit bekommt, als beispielsweise die prekäre Situation von Millionen Haushalten, die in der aktuellen Energiekrise weder Sprit noch Heizöl bezahlen können. Familien, die durch Teuerung und Arbeitslosigkeit von Vater oder Mutter in ihrer Existenz bedroht sind. Fast stündlich neue Meldungen über Kapitalverbrechen in den Innenstädten. Das krachende Scheitern einer Transformation, die uns in neue Abhängigkeiten geführt hat, Unternehmen vor kaum stemmbare Investitionen stellt. Eine weiterhin ungezügelte Migration, die zum kulturellen Umbruch, aber auch zum Ausbluten der Sozialsysteme führt. Das wankende Gesundheitswesen, welches mit Milliarden Zusatzbelastungen für den Beitragszahler vor dem Niedergang bewahrt werden soll. Unsere Welt tobt vor Kriegen, vielleicht ist es ein willkommenes Ablenkungsmanöver, was sich dort in der Ostsee abspielt. Doch die Vorgänge offenbaren den Missstand bei Priorität und Wertigkeit. Schließlich scheint der Maßstab abhandengekommen zu sein für die wirklich drängenden Probleme der Gegenwart.
Für „Timmy“ wird demonstriert, für Meinungsfreiheit, Sicherheit und Entlastung nicht…
Auch unsere Ökonomie pfeift aus dem letzten Loch, ein überbordender Bürokratenapparat steht kurz vor der Nulllinie. Wir hängen am Tropf, haben vielleicht noch Puls, aber längst das Bewusstsein verloren. Immerhin tingelt der Kanzler von Amerika in die Ukraine, merkt dabei gar nicht, dass die Reanimation jenes Volkes eingesetzt hat, für das er sich laut Eid doch eigentlich stark machen wollte. Da wird für die Zukunft eines Meeresgiganten protestiert, doch kaum jemand traut sich auf die Straße, um für die Meinungsfreiheit zu kämpfen, der Wut und Empörung Luft zu machen, die sich angesichts von Untätigkeit, Ignoranz und Verhöhnung des hart arbeitenden Mannes angestaut haben. Es mutet an wie die geifernde Menge, welche im Namen „unserer Demokratie“ krakeelt, während eine Mehrheit schweigt. Nicht unbedingt aus Bequemlichkeit, sondern vor allem aus Gründen der Resignation. Denn mit all den etablierten Kräften lässt sich kein Blumentopf mehr gewinnen, stattdessen bräuchte es den Mut, in großem Stil auf dem Wahlzettel für jene zu plädieren, die im lauten Gekreische als Nazis und Faschisten niedergebrüllt werden. Rückgrat, Courage und Solidarität wären vonnöten.
Die Überlebenschancen sind gering, beim Tier und unserer soziokulturellen Zukunft…
Wer die Zustände von außen betrachtet, muss den Kopf schütteln. Wir lassen uns von einer Moralkeule beeindrucken, manche Nachbarn haben schlichtweg Angst, als Rassist gebrandmarkt zu werden, wenn sie ihre Sorge vor dem Islamismus kundtun. Längst gilt der Satz nicht mehr, „das wird man ja wohl noch sagen dürfen“. Denn Repression hat Einzug gehalten, solange es nicht um leichtgewichtige Themen geht, die den Fokus weglenken von einer der vielen Miseren, in die auch wir uns selbst manövriert haben. Ob es zumindest einem vom Elfenbeinturm schikanierten Souverän gelingen wird, sich aus eigener Kraft wieder loszusagen aus den Fängen von Schuldenlast, Überbau und Sesselhockern, das sollte sich in Bälde zeigen. Der Osten stimmt in diesem Herbst über die Neubesetzung seiner Parlamente ab. Die AfD scheint erstmals in der Lage, eine Alleinregierung zu stellen. Vielleicht muss die Wende wiederum von dort ausgehen, wo sie schon einmal gelang. Bis zu diesem Termin wird sich der weitere Weg von Timmy gewiesen haben. Hier wie da geht es um das nackte Überleben. Dessen sollten wir uns im Klaren sein, gerade dann, wenn Nebelkerzen gezündet werden.








