Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „Wenn Tourismus allein nicht ausreicht: Wie lässt sich der Wirtschaftsstandort stärken?“ (aus: SÜDKURIER vom 23.02.2026)
Seit 41 Jahren, von meinem ersten Atemzug an, lebe ich in meiner Heimatstadt Konstanz. Und so hatte ich genügend Gelegenheit, ihre politische Entwicklung über einen relativ langen Zeitraum mitzuverfolgen. Ursprünglich ein klassisch konservatives Terrain, färbten sich die Verhältnisse nach und nach grün. Nicht zuletzt aufgrund des starken Zuzugs von Studenten und Professoren, von jungen Familien, die ökologisch und progressiv daherkommen, haben sich auch die Wahlergebnisse verschoben. Erstmals stellte die Sonnenblumenpartei am Bodensee einen Oberbürgermeister. Horst Frank schrieb damals Geschichte. Aktuell steht an der Stadtspitze wieder ein CDU-Mann, zumindest auf dem Papier. Denn Uli Burchardt ist das Paradebeispiel eines Chamäleons, eines Ökologen im Biedermeiermantel. Eng vernetzt mit NGOs, regiert er nahezu auf Zuruf, rang sich durch, die Kommune zum Vorreiter in Sachen „Klimanotstand“ zu machen. Seither fließen Unsummen in Maßnahmen und Vorhaben, die planwirtschaftlich und diktiert wirken, von Luisa Neubauer höchstpersönlich. Doch bei allem Futurismus zeigen sich immer öfter die Kollateralschäden des Weltuntergangsglaubens.
Ein Oberbürgermeister mit CDU-Parteibuch, der sich zur Marionette von NGOs macht…
Als Diplom-Forstingenieur hat der 55-Jährige nicht nur eine Affinität zum Wald, sondern offenbar auch zu NABU, BUND und den vielen anderen, bisweilen breitflächig subventionierten und ausgiebig gepamperten Akteuren auf der Bühne des Lobbyismus, die unter dem Deckmantel von Naturverträglichkeit die Interessen der Allgemeinheit dem Bedürfnis von Flora und Fauna unterordnen. Berühmt wurde er mit einem Werk, in dem er sich für „Menschenschutzgebiete“ aussprach. Als „Nachhaltigkeitsvisionär“ bezeichnete man ihn, kümmert er sich angeblich um die Bedürfnisse von Gesellschaft und dem Einzelnen, huldigt aber wohl eher dem CO2-Preis und manch einem Windrad. Er hat einen Gemeinderat hinter sich, den die „Freie Grüne Liste“ mit zehn Sitzen als stärkste Kraft anführt. Seine eigene Kraft liegt mit acht Mandaten auf Platz zwei dahinter. Immer wieder bilden sich Allianzen jenseits der Mitte aus, keine feste Koalition, aber eine stetige Zusammenarbeit mit SPD, Linken und Jungem Forum. Allesamt Verfechter des vermeintlichen Fortschritts, in Wahrheit aber Abrissbirne von Vernunft, Wohlstand und Prosperität. Denn ohne Übernachtungsgäste wäre Schicht im Schacht.
Eine 2022 beschlossene Strategie gibt das ambitionierte Ziel aus, bis 2035 eine Treibhausgas-Reduktion von 91 Prozent gegenüber 2018 zu erreichen. In den Fußgängerzonen wird auf Plakaten Mitleid erregt mit den Eisbären, denen wir ihre Heimat nehmen würden, weil wir zu wenig auf das Lastenrad setzen. Dabei ist der Haushalt bereits durchzogen mit fragwürdigen Maßnahmen, von Energienetzen über Photovoltaik-Förderung bis zu Sanierungsprogrammen für Gebäude, die nicht zwingend notwendig wären, die die Sinnesart des vermeintlich Umweltbewussten vorschreibt. Krachend gescheitert ist die Mobilitätswende. Die Innenstadt wollte man vom Individualverkehr befreien, hat den Bahnhofsplatz zur autofreien Zone erklärt. Nicht nur an den Adventssamstagen kollabierte das sogenannte „C-Konzept“, erwies sich als kurzsichtig, undurchdacht und widersinnig. Denn auch die nacheinander durch die gesamte Gemarkung gepflasterten Tempo-30-Areale bringen Staus, reduzieren nicht etwa den Lärm, sondern bringen Stillstand und Emission. Radfahrern will man Raum eigentlich gewähren, vergisst dabei aber, wie eingeklemmt man liegt zwischen Thurgau und Hegau. Die Transformation frisst ihre Kinder.
Der Wirklichkeitsschock: Wenn grüne Planwirtschaft auf urbane Realität trifft, gibt’s Stau…
E-Mobilität soll ausgebaut werden, man hat bei den Bussen begonnen, doch für PKWs sind die Ladesäulen noch immer rar. Nunmehr soll ein Wassertaxi die angespannte Lage entschärfen. Doch wer will ernsthaft über den Seerhein pendeln, wenn er dabei wichtige Zeit verliert, kein Tourist, sondern Arbeitnehmer ist? Prestige geht vor Plausibilität, Statussymbole gefährden die Funktionalität einer Kleinstmetropole. Wieder vergräbt man Unsummen, die bei Schulsanierungen, Infrastruktur und Wohnungsbau gebraucht würden. Man kann sich nur glücklich schätzen, dass nicht mehr über eine Seilbahn debattiert wird, die Burchardt zeitweise vorschwebte. Ideologieprojektzonen sind entstanden, nicht nur Robert Habeck hätte seine Freude, sich darauf auszutoben. Eine „Smart Green City“ will man sein, bindet Hochschule und Universität ein, der klimaneutrale Campus soll folgen, eine Großwärmepumpe, Dekarbonisierung ist die moderne Monstranz einer nahezu sektenartig anmutenden Bewegung, die lähmt und gängelt, auf dem Reißbrett werkelt. Dass man mit Sozialismus an seine Grenzen stößt, bewies die Umrüstung von Autofähren auf Elektro. Ökonomisch unrentabel, musste man beim Diesel bleiben.
Eine Sperre des Budgets macht momentan das Vorankommen schwer. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt, dass man sich möglicherweise verhoben hat mit diesem ganzen Idealismus. Verkehrskadetten sollen richten, was die Politik verschlafen hat. Sackgasseneffekte nerven nicht nur die Schweizer Einkaufstouristen. Ein installierter Blitzer am zentralen Knotenpunkt musste wieder abgebaut werden, ein bekannter Marktplatz mit Abstellmöglichkeiten für Anwohner sollte zum „Klimazimmer“ werden. Doch man hatte die Planungen ohne das Grundbuch gemacht. Selbst die Tradition leidet, das berühmte Feuerwerk zum Seenachtfest steht immer wieder in der Diskussion, würde der OB gerne auf Lichtinstallationen umsatteln. Eigentlich will man die Schiene bevorzugen, doch dem Bahnhof fehlt es nicht zuletzt aufgrund städtischer Extrawünsche an Zukunftsfähigkeit. Ob ein Fahrradparkhaus wirklich kommt, ist angesichts exorbitanter Betriebskosten ungewiss. Und ab Mai haben wir zwar einen neuen Panorama-Turm, doch der Denkmalschutz hatte den Solarpanels auf dem Dach zeitweise einen Strich durch die Rechnung gemacht. Und so beißt sich die Katze in den Schwanz, ein heuchlerisches Spiel.









