Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „Umfrage zum Leiden und Sterben Jesu: So viele Deutsche wissen um die Bedeutung von Karfreitag“ (aus: „katholisch.de“ vom 02.04.2026)
Eigentlich liegen die Ereignisse rund 2.000 Jahre zurück, doch sie könnten kaum aktueller sein. Am Karfreitag wurde Jesus ans Kreuz genagelt, auf Geheiß der Meute hin. Zuvor fand eine Inszenierung statt, ein zunächst heterogen wirkender Mob entwickelte kurzerhand ein verbindendes Ziel, das ungerechter kaum sein könnte, aber von der individuellen Sünde ablenken dürfte. Man hatte ein zufälliges Opfer auserkoren, stimmte plötzlich in den Chor ein, der den Tod desjenigen forderte, welchem noch Tage zuvor zugejubelt wurde. Am Ende hatte man Christus der Menge ausgeliefert, ihn an den Pranger gestellt. Der Aufruhr tobte, lautstark forderte man, ihn hinzurichten. Heutzutage geschieht dies in vielen Fällen symbolisch. Da finden sich haufenweise Opportunisten vom Charakter des Pontius Pilatus. In der aufgescheuchten Atmosphäre der Gegenwart wird nicht nur mit dem Finger auf Andersdenkende gezeigt. Was der damalige Statthalter war, sind heute Meldestellen. Der Pöbel gibt jene dort preis, die er verurteilt sehen will. Man denunziert Unbekannte und Freunde beim Arbeitgeber, etikettiert sie als Nazis, weil sie die angeblich eine „faschistoide“ Partei unterstützen.
Die empörte Meute von damals sind die krakeelenden NGO-Aktivisten von heute…
Hier macht sich die geifernde Masse Luft, nicht nur „Omas gegen rechts“ gehören zu all den Aktivisten, die mit Blick auf die AfD ohne Not und enthemmt krakeelen, kurzen Prozess zu machen, zu verbieten. Aus den Augen, aus dem Sinn, im Bewusstsein subjektiven Versagens. Völlig irrational, suggestibel wie impulsiv, fernab von jeglicher Moral, die man selbst an sein Umfeld definiert, verwirklicht sich kurzerhand das archetypische Muster menschlichen Verhaltens, welches in jeder Epoche auf eine neue Art und Weise losbricht. Zwischenzeitlich waren es Hexenjagden, heutzutage ist es der Shitstorm. Es handelt sich also nicht nur um ein biblisches Relikt, sondern um ein Phänomen, das unsere Zivilisation aus evolutionären Gründen warmhält. Denn in der Gruppe fühlt man sich stärker, wiegelt einander auf, bestätigt sich in der Richtigkeit des Handelns. Die emotionale Ansteckung, Konformitätsdruck und Machtkalkül stecken dahinter. „Trusted Flagger“ waschen ihre Hände in Unschuld, wie der damalige Präfekt auch. Sie sehen sich als ausübendes Organ dessen, was die Herrscher ermöglichen – und die Krawallmacher gebieten. Eine Dynamik, die sich nur schwer einfangen lässt.
Die Brandmaurer der Gegenwart waschen ihre Hände in der Unschuld „unserer“ Demokratie…
Im Evangelium waren es Hohepriester, die die Wut explosionsartig in die Breite trieben. Aktuell geschieht dieser Drall über sozialen Medien, über den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, über vermeintliche Recherchezentren, über sämtliche Verteidiger von Brandmauer und „unserer“ Demokratie. Nach dem Motto von „Wenn es mein Nachbar so macht, wird es schon richtig sein!“, lässt man sich mitreißen zum Gleichschritt, ohne Rücksicht auf den Verlust von Zweifel und Bedenken. Man schlägt völlig willkürlich auf Dritte und den Nächsten ein. Nicht, weil man konkrete Argumente oder Vorwürfe gegen ihn aufbringen könnte, sondern weil man persönliche Verantwortung für Hetze und Spaltung in gemeinschaftliche Ignoranz umwandeln kann. Autoritätsgehorsam gegenüber den Anstachlern, ohne jegliche Selbstkontrolle und Gewissen, in der späteren Rechtfertigung, man wusste nicht, was man tat. Denn die Geschichte dürfte zeigen, wie sehr man sich an Würde und Respekt, an Integrität und Anstand vergangen hat. Da wird ein Unbescholtener gegeißelt, ein Straftäter hingegen freigelassen. Wie bekannt kommt dieses Muster vor, wenn Meinungsdelikte verfolgt, Messerattentäter rehabilitiert werden.
Richter und Henker gibt es aktuell bei Meldestellen, Staatsanwaltschaften und der Presse…
Normalerweise müsste man sich schämen, im blinden Vertrauen auf das Kollektiv nicht nur Ressentiments zu bedienen, persönliche Dissonanz zu projizieren, sondern potenziell kaum davor zurückzuschrecken, Leumund, Karriere und Biografie von Fremden zu zerstören. Weil man sich in einer angeblichen Mehrheit sieht, geht jegliche Distanz verloren. Ähnlich, wie in der Anonymität des Netzes. Da martert man, was das Zeug hält, schließlich wähnt man sich unter den Vielen in einer fragwürdigen Gesellschaft. Schlichte Skrupellosigkeit bricht sich Bahn, hier gibt es keine Hemmungen mehr. Die Leidenstrecke führt nicht über Stationen, sondern die Timeline, Staatsanwaltschaften und den Strafbefehl wegen angeblicher Politikerbeleidigung. Was einst Golgatha war, das ist heute die Titelseite diverser Zeitungen, die sich genüsslich rühmen, wenn Skandal und Niedertracht über die ideologisch „Falschen“ hereinbrechen. Das Kreuz jochen nicht mehr Soldaten auf, sondern „HateAid“ oder „REspect!“. Und wer am Ende nahezu entblößt und ausgepeitscht hinter der Empörungswelle zurückbleibt, der stellt tatsächlich die Frage: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“.








