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In der Debatte um den Nahost-Konflikt fehlt es an vielerlei Stellen an einer notwendigen Differenzierung!

Politik- und Kommunikationsberater bemängelt Ausblenden von Zusammenhängen, Maßstäben und Fairness

Angesichts einer immer weiter aufgeheizten Stimmung angesichts des Krieges zwischen Israel und der Hamas betont der Politik- und Kommunikationsberater Dennis Riehle (Konstanz) die Bedeutung eines medial und politisch weitsichtigeren Blickes auf die Gesamtzusammenhänge des Konflikts und einer Würdigung wechselseitiger Kausalitäten. Er erklärt in einem Statement wie folgt:

Die massive Polarisierung, die wir auch auf den Straßen bei uns wahrnehmen, ist ein Ausdruck von fehlender Ausgewogenheit und Fairness mit Blick auf alle Ursachen, Kausalitäten, Zusammenhänge, Wirkungen und beiderseitiger Verantwortung in diesem Konflikt. Daher kann man nur zur notwendigen Differenzierung aufrufen, die tatsächlich seit der Terrorattacke der Hamas und dem Angriff von Israel auf Gaza auch in der Bundesrepublik zu wünschen übrig lässt. Für die palästinensisches Zivilbevölkerung – welche man gleichsam nicht in Gänze davon ausnehmen kann, sich unter die diktatorischen Bedingungen der Dschihadisten unterworfen und bereits durch Anerziehung eine Offenheit zu Hass und Antizionismus gezeigt zu haben – offenbart sich insbesondere die durch die Geschichte in einer Verantwortung stehende Regierung hierzulande, aber auch die öffentliche Debatte und das Handeln der Exekutive, in einer durchaus beachtenswerten Tendenziösität. Man kann fast den Eindruck haben, als wolle man Menschenleben nach zweierlei Maß bewerten. Denn während wir immer wieder zu Recht um die Opfer der barbarischen Anschläge vom 7. Oktober 2023 trauern, bleibt das Mitgefühl mit den Getöteten der israelischen Offensive auffallend gedämpft. Zwischen einfachen Bürgern im palästinensischen Küstenstreifen und den jüdischen Staat bedrohenden Fanatikern wird kaum unterschieden. Gleichzeitig ist Kritik am Handeln von Netanjahu und seinem Kabinett nicht nur unter den etablierten Parteien bei uns verpönt – und wird in der medialen Diskussion sogar reaktionär als antisemitisch abgetan. Obwohl es sich nicht um Rassismus oder religiöser Feindseligkeit handelt, wenn man das verteidigungspolitische Agieren eines Staates verurteilt, wollen manche Absolutisten die Meinungsfreiheit untergraben, indem sie jede Widerrede gegen Jerusalems Tun brandmarken.

Dass aber gerade an diese fortschrittliche, freiheitliche und zivilisierte Nation in Nahost andere Erwartungen angelegt werden können als an eine islamistische Miliz, sollte gerade unter dem Aspekt unserer mitteleuropäischen Aufgeklärtheit selbstverständlich sein. Und doch scheint dies nicht diejenigen beeindrucken zu können, die nun jedwedes Vorgehen der israelischen Truppen als Teil des Vergeltungsrechts definieren und der Perspektive vollständig verschlossen zu sein scheinen, wonach mittlerweile die Verhältnismäßigkeit – insbesondere mit Blick auf den Exodus aus Nord-Gaza und die blindlingse Bombardierung von allem Zivilen, was durch die Hamas infiltriert sein könnte – verloren gegangen zu sein scheint. Diese Art der Rachsucht ist jenen eigentlich unwürdig, die sich ansonsten lautstark gegen ein „Auge um Auge“ aussprechen. Pro Israel und die bedingungslose Fürsprache zu seinem uneingeschränkten Daseinsrecht muss eben nicht gleichzeitig bedeuten, einem palästinensischen Volk, welches sich schon 1200 vor Christus durch die Philister im Heiligen Land niederließ – also weitgehend parallel zu den Israeliten -, die Existenz zu versagen. Dass der Stellvertreterkrieg bereits mit David und Goliath begonnen hat, sollte uns nicht in der Überzeugung bestärken, dass Unfriede im Krisengebiet eine in die DNA eingepflanzte Normalität ist. Wenngleich die Hamas immer wieder betont, dass sie nicht aufhören will, den Feind zu bekämpfen – und es deshalb auch Israels berechtigtes Anliegen sein darf, die hierfür verwendeten Strukturen zu zerstören, braucht es eine perspektivische Lösung für diejenigen, die vielleicht mit leiser Stimme, aber aus tiefem Herzen, gegen die ständig weiter eskalierende Vernichtungswut nach Verständigung und einem Nebeneinander in zumindest akzeptierender Annahme der Gegebenheiten suchen, in dem es lediglich darum geht, irgendwie miteinander klarzukommen.

Weitere Informationen unter www.dennis-riehle.de.

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