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Psychosoziale Beratung für Schmerzpatienten setzt an Stressreduktion und Selbstfürsorge an

Auch Ernährungstipps und Informationen zu Unterstützungsleistungen sind Teil der Begleitung

Die Zahl der Schmerzpatienten in Deutschland steigt weiter. Und die Behandlungsansätze werden vielfältiger. Neben einer medikamentösen Behandlung mit schmerzlindernden Arzneimitteln kommen auch Antidepressiva in Betracht, die bei der Schmerzbewältigung helfen. Daneben ist der Einsatz milder Opioide denkbar. Nicht zuletzt bedarf es auch eines psychischen Schmerzmanagements, welches vor allem in der Stressreduktion ansetzt. Diese Ansicht vertritt der Leiter der bundesweit aktiven Selbsthilfeinitiative zu Muskel-, Nerven-, Weichteilerkrankungen und Bewegungsstörungen, Dennis Riehle (Konstanz): „Millionen Menschen in Deutschland leiden täglich unter Schmerzen. Während bei vielen Betroffenen eine vorübergehende Schmerzphase, beispielsweise aufgrund von Verletzungen, vorliegt und auf absehbare Zeit vorübergeht, haben unzählige Patienten andauernde oder wiederkehrende Schmerzzustände – angefangen von Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Muskel- und Gelenkschmerzen, Nervenschmerzen, Schmerzen als Folge von malignen Erscheinungen und neurologischen, immunologischen oder orthopädischen Krankheiten wie das Parkinson-Syndrom, Polyneuropathie, Multiple Sklerose oder Fibromyalgie, diffuse und chronifizierte Schmerzen oder Körperschmerzen ohne eine erkennbare Ursache und Lokalisation. Gerade, wenn Schmerzen offenbar grundlos sind und in beständiger Intensität fortdauern, werden sie zu seelischer und körperlicher Beeinträchtigung, die zu Bewegungseinschränkungen und Deformitäten, aber gleichsam zu Schwerbehinderung, Pflegebedürftigkeit und Berentung führen können“, erläutert der Coach mit Blick auf vegetative Zusammenhänge und unterstreicht damit die Bedeutung der mentalen Stärkung von Betroffenen und ihrer Angehörigen.

„Dabei ist die Wahrnehmung und Beschreibung von Schmerzen subjektiv und damit individuell unterschiedlich: Ob stechend, drückend, brennend, zuschnürend, pochend, ziehend oder gar vernichtend – Schmerzempfindungen sind auch deshalb so verschieden, weil jeder von uns eine andere Toleranzschwelle aufweist, eigene Verarbeitungsstrategien mitbringt und bereits mehr oder weniger Schmerzerfahrung im Gedächtnis gespeichert hat“, so der 38-Jährige. Der Psychologische Berater vom Bodensee ist selbst an einer Myopathie, Polyneuropathie, Parkinson und Fibromyalgie erkrankt und hat schon viele hundert Patienten durch mentales Training und Stressbewältigung im Umgang mit Schmerzen begleitet: „Die Behandlung von Schmerzerkrankungen wird immer schwieriger, weil die ätiologischen Zusammenhänge an Komplexität zunehmen. Umwelteinflüsse, soziale Verändern in den Lebensumständen oder psychische Faktoren: Schmerzen müssen heute multimodal gedacht und behandelt werden. Neben den konservativen Methoden der medikamentösen Therapie – sei es als Tablette, Infusion oder Injektion, Pflaster oder Schmerzpumpe –, kommen auch immer öfter neurochirurgischen Maßnahmen in Betracht. Neben ausgebildeten Schmerzmedizinern gewinnen auch die Physikalische und Rehabilitative Medizin an Bedeutung, beispielsweise durch komplementäre Verfahren wie Stoßwellen, manuelle Behandlungen oder Wärmebestrahlung. Auch die Akupunktur hat sich für viele Betroffene entsprechend etabliert, gleichsam Ablenkung, Bewegung und manches Naturheilmittel“, sagt Dennis Riehle und betont dabei den Stellenwert, Schmerz als multifaktorielles Geschehen zu begreifen.

„Letztlich muss der Erkrankte begreifen, dass eine andauernde Belastung durch Schmerzen einen massiven Stressor darstellt, auf den wir anthropologisch nicht ausgerichtet sind. Natürlicherseits war es vorgesehen, dass Schmerzen allein aus Schutzcharakter existieren – und dafür auch ihren Sinn haben. Doch wenn es aus unterschiedlichen Gründen zu einer immerwährenden Schmerzempfindung kommt, kann dies mit einer Dauerbeschallung für die Ohren oder einem grellen Licht für die Augen gleichgesetzt werden, die hierfür nicht geschaffen sind. Insofern wird unser Körper unter permanente Anspannung gesetzt, nachdem immer öfter Schmerzen ohne belegbare Ursache existieren. Dem Organismus wird eine Verwundung verschiedenster Genese vorgegaukelt, worauf er die entsprechenden Abwehrmechanismen in Gang bringt. Aufgrund der grundlosen Schmerzreize werden wir unter eine immerwährende Verkrampfung gesetzt, was perspektivisch folgerichtig zu einem nahezu unerträglichen Zustand werden muss. Der Leidensdruck, der sich letztlich in obersten Bereich des Annehmbaren einpendelt, ist schließlich derart immens, dass ernsthafte körperliche und psychische Folgen – bis hin zur manifesten Depression – eintreten können. Nachdem es bei diesen nicht zuzuordnenden Schmerzen schwierig ist, gezielte Linderung zu schaffen oder gar kurierende Erfolge erzielen zu können, braucht es insofern ein Schmerzmanagement, das vornehmlich auf die Stressbewältigung ausgerichtet ist“, meint Sozial- und Ernährungsberater Dennis Riehle, der auch in Seelsorge fortgebildet ist.

„Tatsächlich bleibt dann die Frage: Wie kann ich mich mit den gesetzten und offenbar kaum beeinflussbaren Einschränkungen und Grenzen in meinem Alltag zurechtfinden, dass trotz allem eine möglichst hohe Lebensqualität erhalten bleibt? Was Psychologen als ‚Anpassung‘ verstehen, ist letztlich der Versuch und die Notwendigkeit, unveränderliche Zustände anzunehmen, ohne sie schlussendlich zu akzeptieren. Denn während uns faktisch keine Alternative bleibt, den Schmerz als einen Teil von uns zu integrieren, sind wir dennoch aufgefordert, uns ihm nicht hilflos zu ergeben. Auch wenn viele Betroffene immer wieder dankend abwinken, wenn Ärzte zu Aktivität aufrufen, bleibt dieses Mittel ein wesentlicher Bestandteil einer niederschwelligen Ergänzung zu medizinischer und therapeutischer Behandlung. Wir müssen den Ist-Zustand zunächst als Wahrheit anerkennen, sollten allerdings stets das Ansinnen vor Augen haben, mit ihm umgehen zu können. Denn Ziel muss es sein, wieder zu größerer Selbstbestimmtheit zu gelangen. Nicht der Schmerz soll uns den Alltag diktieren. Bestenfalls muss es wieder umgekehrt sein. Und dies kann aus meiner beruflichen, aber auch aus der persönlichen Schmerzerfahrung nur dann gelingen, sofern wir Stress zu händeln lernen – und ihn eigenverantwortlich zu reglementieren vermögen. Es gibt diverse Tipps, wie der Betroffene ohne große Unterstützung wesentliche Beiträge hierzu leisten kann. Beginnend bei edukativen Ansätzen, Achtsamkeitsübungen und Entspannungsmethoden über mentales Training, kinesiologische Verfahren und Körperwahrnehmungstechniken bis hin zu assoziierender, reflektierender und kognitiver Arbeit. Denn oftmals wird Schmerz auch durch falsche Glaubenssätze getriggert. Wenn unsere Ansprüche zu hoch sind, verunmöglichen wir Schmerzreduktion“, erklärt Dennis Riehle.

Des Weiteren führt er noch aus: „Nicht selten liegt der Fall vor, dass Schmerzen vermeintlich ohne Grund auftreten, in Wahrheit aber einen psychodynamischen Nährboden haben. Der Schmerz überdeckt dann die eigentlichen Wurzeln des Übels, die letztlich auch erklären, weshalb er sich trotz intensiver Bemühungen nicht zurückdrängen lässt. Schmerz ist auch als ein echter Hilferuf der Seele zu verstehen, den unaufgeräumten Misthaufen in unseren Tiefen endlich anzugehen und aufzuarbeiten. Das mag eine durchaus anspruchsvolle Aufgabe sein – und biografische Arbeit ist nie wirklich angenehm. Denn es gehört nicht zu unseren Stärken, in der Vergangenheit zu wühlen. Allerdings sind maskierte Traumata, Verluste, Schicksalsschläge und Lebenskrisen wie Scheidung, Arbeitslosigkeit oder Krankheit allemal fähig dazu, eine Schmerzstörung zumindest ‚bei Laune‘ zu halten – weswegen es sich im Endeffekt lohnt, einen Kraftakt zu vollbringen, um langfristig und nachhaltig zu einem schmerzfreieren Dasein zurückzukehren. Psychotherapie, Beratung, Selbsthilfe – all diese Anregungen scheinen doch geeignet zu sein, medizinische Interventionen zu ergänzen. Denn sie können das Eingestehen möglicher verschütteter Seelenprobleme fördern und dazu ermutigen, sich der Aufgabe des Dekaschierens zu widmen und damit dem Stressmotor das Benzin für das Weiterlaufen abzudrehen. Natürlich braucht es auch hierfür den ersten Schritt. Allerdings macht uns häufig die Schwere des Kreuzes, das wir bei einer Schmerzerkrankung mit uns tragen, unumwunden deutlich: Der Teufelskreis kann nur durch uns selbst durchbrochen werden“, so Dennis Riehle in seinem Statement.

„Ein weiterer Baustein in der Beratung ist die Allgemeine Sozialgesetzaufklärung, welche Auskunft darüber gibt, welche Leistungen im Zweifel Verfügung stehen – vom Schwerbehindertenausweis, Arbeitslosengeld, Erwerbsminderungsrente, Sozialhilfe, Pflegeleistungen, medizinische oder berufliche Rehabilitation, sonstige Transferleistungen bei Krankheit und Behinderung, Heil- und Hilfsmittel, Verordnung und Beantragung von Ergo- und Psychotherapie, Eingliederungshilfe, Wohngeld, Nachteilsausgleiche oder Grundsicherung“, erläutert Riehle nur einen Teil der Themen, zu denen ihn immer wieder Fragen erreichen. Wir können zwar keine Einzelfallprüfung im juristischen Sinn vornehmen, aber eine prinzipielle Darlegung von Ansprüchen ist möglich. Zudem verweise ich im Zweifel an jeweils zuständige Stellen und versuche, im Paragrafendschungel eine Orientierung zu sein“, so der Sozialberater, der abschließend anfügt: „Unser Ziel ist es, die Betroffenen aus ihrer Krankheitsstarre zu lösen und sie zu proaktiven und mündigen Patienten zu machen!“.

Die Selbsthilfeinitiative bietet bundesweit kostenlose Psychosoziale Mailberatung unter www.selbsthilfe-riehle.de an.

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