Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „‚Feier‘ Ramadan, aber diskret‘: Warum sind offen gläubige Muslime immer gleich verdächtig?“ (aus: „Tagesspiegel vom 27.08.2025)
Es war ein bemerkenswertes Interview mit dem früheren Justitiar des türkischen Verbandes DITIB, Murat Kayman, der im Online-Portal von „taz“ offenbar versöhnliche Töne des Brückenbaus zwischen Muslimen und Andersdenkenden anstimmen wollte. Über weite Strecken des Gesprächs zeigte er sich insofern reflektiert und geläutert von manch einer extremen Position. Doch ein Zitat macht nunmehr die Runde, das für Aufsehen sorgt. So formulierte das einstige CDU-Mitglied: „Die größte Herausforderung für uns Muslime ist es gegenwärtig, eine Antwort auf die Frage zu finden, wie wir mit jenen umgehen wollen, die nicht so glauben wollen wie wir“.
Wie steht es also nun mit dem Respekt in jenem Islam, den der einstige Bundespräsident Wulff als Teil von Deutschland betrachtete? Kann eine Religion mit unserem demokratischen Verständnis kompatibel sein, dessen Heilige Schrift in Sure 9, Vers 5 zum Ausdruck bringt: „Erschlagt die Frevler, wo ihr sie findet“? Und in welchen Kontext soll man derartige Aufforderungen stellen, wenn doch schon die Übersetzung einer Weltanschauung am ehesten auf „Hingabe“, „Unterwerfung“ und „Sich ergeben“ lautet? Man sollte nicht naiv sein, ließ bereits der frühere Erzbischof von Köln, Joachim Meisner, in einer viel beachteten Botschaft wissen: „Toleranz predigt der Islam immer nur dort, wo er in der Minderheit ist“.
Christentum und Islam unterscheiden sich vor allem entlang ihres Wahrheitsanspruchs!
Natürlich finden sich auch in der Bibel zahlreiche Kapitel, in denen missgünstige, hasserfüllte und verachtende Absätze voller Gewaltbereitschaft gegenüber monotheistischen Konkurrenten ohne eine entsprechende Exegese genauso dazu geeignet erscheinen, ebenfalls dem Christentum potenzielle Feindseligkeit gegenüber Menschen ohne Bekenntnis zu Jesus und dem dreieinigen Schöpfer zu unterstellen. Doch es hat im Laufe der Jahrhunderte Säkularisierung und Sozialisation durchlaufen, die für die allermeisten Vertreter eine Interpretation des Geschriebenen unumgänglich machen. So kann man Termini aus dem Alten Testament nicht für bare Münze nehmen, erkennt man weder den metaphorischen noch allegorischen Charakter eines Buches, welches an vielen Stellen mit Bildern statt Wortwörtlichkeit arbeitet.
Aber genau diese Distanz zur Buchstabentreue fehlt im Falle einer Fanatisierung, wird eine Konfession für politische Zwecke und ideologische Instrumentalisierung missbraucht. Denn es war ihr Stifter, Mohammed höchstpersönlich, der sagte: „Mir wurde befohlen, dass ich die Menschen solange bekämpfe, bis sie bezeugen, dass kein Gott da ist außer Allah“. Und ergänzend dazu spiegelt gleichsam Sure 8,55 einen Duktus der Herabwürdigung und Schmähung wider: „Gewiß, die schlimmsten Tiere bei Allah sind die, die ungläubig sind und (auch) weiterhin nicht glauben“. Wenn solche Maßgaben nicht gefährlich, anrüchig und pervertiert klingen, muss man gegenüber einer Perspektive auf unsere Zivilisation schon arg naiv sein, die doch so unzweideutig ihre Ambitionen und Vorhaben in der DNA vorhält.
Eine Eingliederung des muslimischen Glaubens in westliche Zivilisationen scheint überholt…
Der bekannte Historiker Bernard Lewis bezeichnete den Versuch, „islamische Gesellschaften zu einer der europäischen Moderne entsprechenden Trennung zwischen religiösen und politischen Sphären zu bewegen“, als möglicherweise „widernatürlichen Irrweg“, gibt es im Islam doch nicht nur nach Auffassung von Fritz Steppat einen politischen Rollenanspruch, seit der Prophet bei seiner Übersiedlung von Mekka nach Medina in die Funktion eines weltlichen Führers geschlüpft sei. Unterstrichen wird diese Haltung durch Sure 5, Vers 17: „Allah gehört die Herrschaft der Himmel und der Erde und dessen, was dazwischen ist. Er erschafft, was Er will. Und Allah hat zu allem die Macht“.
Es bleibt insofern offensichtlich, dass ein pluralistisches Miteinander gerade nicht angestrebt wird, sieht man sich doch in der Komplettierung dessen, was Juden und Christen als Fundament gelegt haben. Diesen Gedanken des Vorläufers unterstreicht auch Sure 5,46f.: „Und Wir ließen nach ihnen Jesus, den Sohn Marias, folgen, damit er bestätige, was von der Tora vor ihm vorhanden war. Und Wir ließen ihm das Evangelium zukommen, das Rechtleitung und Licht enthält und das bestätigt, was von der Tora vor ihm vorhanden war, und als Rechtleitung und Ermahnung für die Gottesfürchtigen. Die Leute des Evangeliums sollen nach dem urteilen, was Gott darin herabgesandt hat“.
Die kritischen und zweifelnden Lager werden ungehört und in der Minderheit bleiben!
Doch es gibt auch intern Gegenströmungen, betonte der Begründer der Ahmadiyya Gemeinschaft, Mirza Ghulam Ahmad: „Diejenigen, die sich selbst Muslime nennen, aber versuchen, den Islam mit Gewalt zu verbreiten, sind sich seiner ihm innewohnende Schönheiten gar nicht bewusst“. Dass sich diese kritische und moderate Haltung allerdings nicht durchsetzen wird, darauf machte schon der Journalist und Schriftsteller Hendryk M. Broder aufmerksam: „Es hat keine Neuinterpretation gegeben, keine Verweltlichung, keine Aufklärung. Es gab dort keinen Mendelssohn, keinen Luther und auch keine bibelkritische Auslegung, die die Schrift nicht wörtlich nimmt. Da, wo die Schrift wörtlich genommen wird, kommt es ja auch bei Juden und Christen zu Katastrophen“.
Und Regisseur Ralph Giordano ging in seinem Befund noch weiter: „Nicht die Moschee, der Islam ist das Problem!“. Wie sollen wir also mit einer Geisteshaltung umgehen, die der syrisch-deutsche Wissenschaftler Bassam Tibi umriss: „Man muss offen sagen, die Religion des Islam erlaubt die Integration nicht. Ein Muslim darf sich einem Nichtmuslimen nicht fügen. Wenn er in der Diaspora lebt, dann ist das eine Notsituation, und er kann sich absondern. Das besagt die normale Religion und nicht die fundamentalistische Variante“? Wollen wir das Joch des Sklaven und Unterdrückten tatsächlich auf uns nehmen?