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Mit Verlaub, ich muss korrigieren: Denn ich war nie „durch und durch AfDler“, sondern „ganz und gar skeptisch“ in alle politische Richtungen…

Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „Landeszentrale für Politische Bildung: Wählen. Wen? Warum? Was bewegt Baden-Württemberg?“ (aus: „lifePR“ vom 13.01.2026)


Antwort des BSW-Politikers Jannik Schleemann auf der Plattform X vom 10.01.2026

Es war ein niedersächsischer BSW-Jungpolitiker, der kürzlich auf der Plattform X indirekt in den Raum gestellt hat, ich sei möglicherweise ein „durch und durch AfDler“. Nun steckt hinter jedem Journalisten auch ein Mensch, ein Bürger, eine Privatperson und ein Wähler. Und als solcher hat man Präferenzen. Ich komme ursprünglich aus dem linken Lager, denn mein Engagement galt der sozialen Gerechtigkeit, ökologischer Vernunft, Frieden, Meinungspluralismus und den Benachteiligten. Diese Themen verkörperten ursprünglich jene, die mittlerweile gänzlich in Ideologie abgedriftet sind. Mit dem Ursprung von Grünen und SPD hat das nichts mehr zu tun, was heute Klingbeil, Bas, Brantner oder Banaszak präsentieren. Deshalb bin ich frühzeitig vom Zug abgesprungen, nicht zuletzt auch deshalb, weil ich als Integrationsberater schnell nach 2015 mit den Realitäten in diesem Land konfrontiert war. Da musste man sich eingestehen, dass Idealismus durch Pragmatismus ersetzt wird.

Darüber hinaus bin ich bereit dazu gewesen, Vorurteile gegenüber der Alternative für Deutschland abzubauen, als ich ihren Repräsentanten begegnet bin, die mir Programmatik und Inhalt nahegebracht haben, mich von der Absurdität der Brandmauer überzeugten, Brücken bauten und Ressentiments entkräfteten. Heimatliebe war mir stets ein Anliegen, der Patriotismus vermag lange Zeit aus Gründen der Anpassung zugedeckt gewesen sein. Doch Vorrang gegenüber der eigenen Bevölkerung war meinem Wesen zu jedem Zeitpunkt immanent. Das heißt nicht, dass ich das Fremde pauschal abgelehnt habe. Viel eher leistete ich während 20.000 Stunden Ehrenamt sehr viel Arbeit für Flüchtlinge und Asylbewerber. Trotzdem konnte es irgendwann nicht so weitergehen. Ich zeichne mich durch ständige Reflexion meiner eigenen Positionen aus, um sie notfalls zu korrigieren. Und so war ich über eine ganze Weile tatsächlich überzeugt, dass Veränderung der Republik nur „blau“ aussehen könne.

Lange Zeit galt meine gesicherte Stimme der Alternative für Deutschland, doch dann…

In hunderten Artikeln habe ich mich publizistisch mit Alice Weidel und Tino Chrupalla auseinandergesetzt, dutzende Portraits über Abgeordnete und Funktionäre verfasst, bin dabei nach meinem Dafürhalten konstruktiv, fair und wohlwollend geblieben, aber nie in eine bloße Huldigung verfallen, kein „Fanboy“ geworden. Viel eher habe ich dort kritisiert, wo es Schieflagen und Missstände gab, beispielsweise in der Pauschalisierung meiner Zunft. Denn es wurde immer seltener möglich, Nuancen zu erkennen, wenn Maulhelden ganz allgemein von der „Lügenpresse“ sprachen. Auch ich wurde von Vertretern aus der zweiten und dritten Reihe bezichtigt, dieser anzugehören. Denn ich habe selten in meiner Biografie nach dem Munde geredet, bin ein Schreiberling, kein Parteiaktivist. Nicht zuletzt aufgrund dieser Einstellung dürfte ich aus dem Fokus gerückt sein. Denn entweder, man ist heutzutage Freund – oder eben Feind. Schattierungen gibt es dazwischen kaum noch.

Und gerade dieser Umstand hat mich enttäuscht. Da gelte ich, wie mir zugesteckt wurde, intern als „nützlicher Idiot“, den man allenfalls liked, wenn er folgsam ist, ignoriert und leugnet, sollte er es wagen, die Glorifizierung von manch einem Spitzenkandidaten in Magdeburg anzuzweifeln, Echokammern zu monieren, einen sektiererischen Geist mit Befremden wahrzunehmen, Inhalt und Substanz zu vermissen. Denn es fällt bisweilen schwer, klar in Worte zu fassen, wofür die AfD abseits von Remigration, Abschaffung des ÖRR oder weniger Klimaideologie steht. Reichen Memes und Parolen für Regierungsverantwortung? Beim nahenden Votum in Baden-Württemberg hat man mich auch deshalb als Sympathisant verloren, weil aus dem Osten der Republik durchgestochen wurde, dass auf meine Stimme „gut und gerne verzichtet“ werden könne. Ich will mich nicht jenen anbiedern, die mir offensichtlich negativ gesinnt sind. Und so bleibe ich neugierig in sämtliche Richtungen.

Meine neugierigen Fühler sind zu AfD, BSW und Team Freiheit gleichermaßen ausgestreckt…

So sieht mich die Künstliche Intelligenz politisch (Quelle: Grok / xAI vom 15.01.2026)

Dazu gehört es auch, Interesse am Bündnis von Sarah Wagenknecht zu zeigen, ihm auf die Zähne zu fühlen, mir ein Bild von seinen Charakteren zu machen, prinzipiell zu würdigen, wie sehr man sich nach dem Koalitionsbruch in Brandenburg dadurch profiliert hat, nicht länger dem Reiz der Macht zu erliegen, Druck und Erpressung der Genossen zu widerstehen. Dieser Schachzug hat mich beeindruckt, das Rückgrat imponiert, die Geradlinigkeit wirkt angenehm. Doch auch sie ist kein Freifahrtschein dafür, dass ich mich auf irgendeine Seite schlage. In der gegenwärtigen Zeit unabhängig zu sein, nicht reflexartig einer bestimmten Denkweise anzuhängen, das scheint anstrengend. Viel zu sehr versuchen die unterschiedlichen Lager, zu vereinnahmen. Ich werde mich auch nicht dem „Team Freiheit“ anschmiegen, für dessen libertäre Ausrichtung ich generell Sympathie hege. Schließlich gebe ich unverhohlen zu, antielitär und dem etablierten System gegenüber ablehnend zu sein.

Doch damit öffnen sich gleich mehrere Türen. Und wahrscheinlich ist dieser Weg in meiner Rolle der richtige. Sich nicht fest zu binden, bei den Urnengängen von Fall zu Fall zu entscheiden. Für mich ist ein wesentliches Element in der Abwägung das Vertrauen. Und es hat jüngst erheblich gelitten, ist die Stimmung mit Blick auf „die Medien“ teilweise verständlich. Trotzdem gibt es mich nicht zum Nulltarif, schon gar nicht unter der Erwartung, als Multiplikator Rückenwind zu geben, während man mir gleichzeitig Knüppel zwischen die Füße wirft. Despektieren und geringschätzen, sich im selben Atemzug Gehorsam erhoffen, das ist ein Widerspruch, den ich auch nicht deshalb auflöse, weil ich an „die gute Sache“ denken soll. Man kann über seinen Schatten springen, gewisse Vorbehalte zurückstellen. Doch masochistisch bin ich nicht veranlagt. Deshalb werde ich weder Mitläufer der AfD sein, noch Ja-Sager des BSW, kein Situationist von Mileis Kettensäge.