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Trump scheint wenigstens noch Herr seiner Sinne zu sein!

Wenn ich mit der Aussicht auf die Wahl in den USA blicke, dass möglicherweise ein Amtsinhaber erneut ins Weiße Haus einziehen könnte, der mit seinen verwirrten, stolpernden und desorientierten Auftritten auf mancher Bühne schon heute Anzeichen progredient seniler Ausfälle erahnen lässt, wäre für mich in dieser Konstellation eindeutig eine Neuauflage von Trump die bessere Alternative. Nein, ich bin vom Orange-Schopf nicht wirklich begeistert oder überzeugt – und auch ein wirkliches politisches Konzept kann ich nicht bei ihm erkennen. Doch eine weitere Legislatur würde in jedem Fall wieder manch komödiantischen Moment liefern – der bedeutend erheiternder wäre als der Anblick eines gebrechlichen alten Mannes, der um Worte ringt, ständig unterstützenden Augenkontakt sucht und in der Hilflosigkeit vermehrten Honigs im Kopf manchmal nur noch starr in die Umwelt schaut.

Man kann und darf Trump seine vielseitigen Verfehlungen, seine Dreistigkeit und seine Egozentrik zum Vorwurf machen. Doch blickt man auf die Geschichte, so ist er eine bedeutsame Ausnahme in der Reihe der Präsidenten, die stets am Kurs festgehalten haben, Amerika als den Weltenretter und Moralpolizisten zu profilieren – und in einen Konflikt nach dem nächsten einzugreifen, aufklärerische Werte in anderen Staaten aufoktroyieren zu wollen oder aus eigennützigen Interessen in aller Herren Länder für den Ausbruch von Krieg zu sorgen. Dass sich endlich einmal jemand findet, der nicht mit der Expansion einer Gesinnung beschäftigt ist, sondern mit der klaren Hinwendung auf die Probleme im eigenen Land, das würde auch unserem internationalen Sicherheitsgefüge gut tun. Denn auch wenn die Ansage einigermaßen selbstherrlich klingt, dass es unter Trump nie zur militärischen Auseinandersetzung zwischen der Ukraine und Russland sowie zur Gewaltspirale im Nahen Osten gekommen wäre, so kann man doch zumindest darauf vertrauen, dass es außenpolitisch deutlich ruhiger würde.

Ob es für die USA intern einen tatsächlich positiven Effekt hätte, wenn jemand an die Schalthebel der Macht zurückkäme, dem man zumindest Aufwiegelung und Polarisierung vorwerfen muss, bleibt für Beobachter einigermaßen schwer einzuschätzen. Einen vollkommen befriedenden Charakter hat er in Sachen Verständigung des eigenen Volkes sicher nicht. Aber er würde doch zumindest einen nicht unerheblichen Teil der Nation mit ihrem Wunsch nach „America first“ repräsentieren, welchem man mit ein wenig Hingabe für das eigene Land auch nicht widersprechen kann. All die düsteren Prognosen aus dem Rest der gutmenschlichen Hemisphäre, wonach nach Klimaapokalypse und Bauernaufstand mit einer Wiederwahl von Trump der nächste Weltuntergang bevorstünde, teile ich nicht. Denn diese Szenarien sind nur dann ein Schreck, wenn man sich vor Vernunft und Demokratie fürchtet.

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