Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „Querelen mit Parteikollegen: AfD-Verteidigungspolitiker Rüdiger Lucassen tritt zurück“ (aus: SZ vom 13.04.2026)
Ist die AfD eine echte Friedenspartei – oder fehlt es ihr mit Blick auf dieses Prädikat an überzeugenden Forderungen, an einer widerspruchslosen Programmatik und an einem klaren Profil? Der aktuell deutlich zu Tage getretene Konflikt innerhalb der Bundestagsfraktion, der zum Rücktritt von Rüdiger Lucassen als dem Vorsitzenden des Arbeitskreises Verteidigung und Obmann im zuständigen Ausschuss führte, steht ein Stück weit symptomatisch für die Zerrissenheit, die sich nicht zuletzt auch entlang der Grenze zwischen den ost- und westdeutschen Landesverbänden auftut. Geht es nach den festgeschriebenen Statuten, so gibt es keinen Zweifel an einer klaren Bejahung der Wehrpflicht. Mehrere Abgeordnete haben zuletzt noch einmal betont, dass diese ein vorrangiges Ziel sei, sogar im Umfang von zwei Jahren. Einige Vertreter bewerben den Standpunkt offensiv bis aggressiv, es gehe dabei allein um das Schützen hiesiger Interessen. Eine umfassende Aufrüstung der Armee soll damit einhergehen, auch das Heranziehen von Frauen ist nicht ausgeschlossen. Es brauche eine „ideelle Revitalisierung“ von Korpsgeist und Tradition, so lässt man verlautbaren.
Das Bekenntnis zur Wehrpflicht ist Programm, nur um den Tonfall wird noch gestritten…
Zwar setzt man sich realpolitisch für eine multipolare Ordnung ein, in der es zu weniger Abhängigkeit von den USA und der EU kommt. Bisher wurde das Thema Diplomatie und Verhandlung von einigen Repräsentanten jedoch stiefmütterlich behandelt. Und auch mit Blick auf die Rolle als Weltpolizei gibt man sich lediglich zurückhaltend, nicht aber in Gänze ablehnend. Man wolle die Truppe nicht für ideologische oder fremde Belange instrumentalisieren lassen. Ob damit eine Teilnahme an Auslandseinsätzen wirklich konsequent ausgeschlossen ist, darüber lässt sich in einigen Wortlauten durchaus spekulieren. Lucassen ist ein glühender Verfechter von NATO und transatlantischem Bündnis, in Linie und Tenor von Alice Weidel. Ihm gegenüber stehen Höcke und Chrupalla mit einem dezidiert pazifistischen Anliegen. Wie wird es also nach seiner Entscheidung weitergehen, ist er einem Misstrauensantrag in den eigenen Reihen zuvorgekommen? Interimsnachfolger Jan Nolte dürfte weniger konfrontativ kommunizieren, insbesondere mit Blick auf die Wahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern die Provokation vermeiden.
Tonalität und Akzentuierung könnten für die ostdeutschen Wahlen entscheidend sein…
Die Alternative für Deutschland wird nicht umhinkommen, noch einmal eine Grundsatzdiskussion darüber zu führen, wohin die Reise gehen soll. Insbesondere hinsichtlich des Verhältnisses zu Washington gibt es deutlichen Klärungsbedarf. Der außenpolitische Sprecher Markus Frohnmaier tingelte sogar als Spitzenkandidat für Baden-Württemberg im Vorfeld der dortigen Abstimmung durch Amerika, die MAGA-Bewegung genießt nicht nur bei ihm großes Ansehen. Will man sich wirklich aus internationalen Konflikten heraushalten, sollte man stärker auf die Betonung unserer Souveränität setzen, statt sich anzubiedern? Die entscheidende Frage bleibt bestehen: Kann man einer Jugend abverlangen, im Zweifel zu den Waffen zu greifen, wenn ihr jede Form der Identifizierung mit Schwarz-Rot-Gold fehlt? Muss nicht der Staat zuerst in Vorleistung gehen, die Bundesrepublik wieder attraktiv machen, für innere Sicherheit und wirtschaftliche Stabilität sorgen, für den kulturellen Erhalt und den Stopp der Massenmigration, ehe man abverlangen kann, dass bei einem Angriff auch gekämpft wird? Es braucht eine Vision von Sinn und Zukunft, von einer Heimat, die sich nicht durch den Regenbogen und Windräder auszeichnet, sondern durch Stolz und Pragmatismus.
Möglicher Profiteur der AfD-Zerstrittenheit ist das friedenspolitisch eindeutige BSW!
Man könnte durchaus den Vorwurf erheben, hier gehen einige Charakter der „Blauen“ Schritt B vor A. Mit einer dezidiert zurückhaltenden Position, mit dem Credo von Verhandlung und Gespräch anstelle von Bomben und Raketen hat die nahezu begeistert wirkende Agenda kaum etwas zu tun, mit der man uns ertüchtigen möchte. Im Zweifel könnten Kräfte wie das BSW profitieren. Das Bündnis von Sahra Wagenknecht ist in diesen Belangen nämlich vollends geschlossen. Da wird auch eine „Gemeinschaftspflicht“ zurückgewiesen, man setzt uneingeschränkt auf Deeskalation, auf Brückenbau und Versöhnung, auf weniger Ausgaben für Helm und Rucksack. Und dieser Kurs findet Anklang, wo alsbald die Parlamente neu zusammengesetzt werden. Die Umfragen stehen zwar gut, doch ein schwelender Brandherd verhindert im Zweifel ausschlaggebende Prozente. Es kommt also darauf an, inwieweit die Debatte hochkocht. Ob es gelingen wird, sie zu bändigen. Die weitere Entwicklung in der Ukraine und im Iran könnte ihren Anteil haben, wenn man sich beispielsweise eindeutig bekennen muss. Flügel und Lager sind ganz normal, solange sie sich nicht komplett gegenseitig aufheben.








