Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „Torsten Albig stellt die Strategie seiner Partei infrage: Die Brandmauer gegen die AfD ist politisch gescheitert“ (aus: „Handelsblatt“ vom 24.05.2026)
Journalisten sind gleichzeitig auch Menschen, ebenfalls Wähler dieses Landes. Als solche haben sie persönliche Favoriten, wenn es um die Frage nach der politischen Ausrichtung geht. Im Idealfall gelingt es ihnen, diese höchstens als Grundtenor in ihrer Berichterstattung und Kommentierung hervorscheinen zu lassen, sich darüber hinaus überparteilich und unabhängig zu zeigen. Sie sind berufsethisch dazu angehalten, Chancengerechtigkeit der Wettbewerber zu wahren, vollständig und nicht einseitig zu berichten. Doch jeder von ihnen hat eine Prägung. Die Biografie zeichnet, die Erfahrungen lassen reifen. Mittlerweile wohlbekannt, dass ich früher, insbesondere aus Gründen der sozialen Frage, dem linken Spektrum angehörte. Neben meiner heutigen Jobbeschreibung unter anderem auch als Integrationsberater tätig war. Konfrontiert mit den unmittelbaren Auswirkungen des Sündenfalls von Angela Merkel 2015, spuckte mir irgendwann ein Flüchtling mitten ins Gesicht, als ich ihm den Weg ins „Jobcenter“ erklären wollte. Ich hatte zu lange der Naivität den Vorzug gelassen, nicht zuletzt verfangen in einer Stimmung von Weltoffenheit, Respekt und Toleranz. Ausbrechen, das Pflichtgefühl der Anpassung hinter sich lassen.
Eigentlich dürfen Journalisten im buntesten Deutschland aller Zeiten nur politisch links sein!
Unter den Kollegen galt die AfD als Frevel, mit der man nicht in Berührung kommen dürfe, ihren Unterstützern Handschlag und Blickkontakt verweigern müsse. Wer in der Presselandschaft etwas werden und Karriere machen wollte, sollte sich im etablierten System möglichst breit zwischen SPD und Grünen positionieren. Als ich in einer gewissen Sinnkrise auf die Plattform X stieß, war einer der ersten Beiträge, die dort begegneten, vom bayerischen Landtagsabgeordneten Jörg Baumann geschrieben. Der Mandatar der Alternative für Deutschland machte eine klare Ansage zu Rückführungen und Grenzkontrollen. Inbrünstig sprach es aus mir heraus: „Er hat doch recht damit!“. Ich antwortete auf seinen Text, bekam überraschend schnell Rückmeldung. Da schrieb mir ein Volksvertreter auf Augenhöhe, empathisch und nahbar, ohne Allüren und Abgehobenheit, sondern geradlinig und vertrauensvoll. Rasch führte er mich an seine Programmatik heran, denn binnen Minuten war in meinem Kopf die Brandmauer gefallen, wegen der Vernunft, die der frühere Polizeibeamte ausstrahlte. Es ist die Erfahrung, sich verstanden und ernst genommen zu fühlen, die zu einem eigenen Reflektieren und Umdenken beitragen kann.
Die Brandmauer fällt meistens durch reale Beziehung und Begegnung auf Augenhöhe…
Ich bezeichne ihn bis heute als meinen ideologischen Ziehvater, der mir eindrücklich jene Inhalte und Forderungen ohne Umschweife darbot, mit denen die „Blauen“ beabsichtigen, Recht und Ordnung wiederherstellen zu wollen. Der 45-Jährige macht keinen Hehl aus einer tief verwurzelten Gesinnung, welche das einzige Ziel hat, die Heimat zu bewahren, die Zukunft zu gestalten, unsere Städte wieder lebenswert zu machen, die illegale Einwanderung zu beenden, den kulturellen Verfall zu stoppen. Mir imponiert diese Radikalität insbesondere auch deshalb, weil sie zwar dezidiert, konkret und ausdrücklich daherkommt, allerdings nicht die Spur von extremistischer Haltung erahnen lässt, welche beispielsweise der Verfassungsschutz der gescholtenen Opposition anheften will. Ich bin stolz auf einen entschlossenen wie mutigen Mentor, der mich sanft und behutsam wachrüttelte, mich zu nichts überredete, sondern mich überzeugte. Politik funktioniert in weiten Teilen über Beziehung. Denn Authentizität und Echtheit sind die notwendigen Vehikel, mit denen man verlorengegangenen Pragmatismus und verkümmerte Normalität zurückholen kann, Erkenntnisgewinn fördert, jemandem ein Licht aufsteckt.
Vom Unbekannten zum Freund: Jörg Baumann geht in meinen Werdegang ein!
Der Bundespräsident würde Passionierte wie Baumann wohl als Rattenfänger bezeichnen, ich sehe ihn hingegen als Aufklärer und Missionar, als ein Zugpferd und Markengesicht, das genau weiß, was es will. Mich schreckt die Ambition millionenfacher Abschiebungen nicht ab, weil ich weiß, wie hoch das Potenzial ist, Personen ohne dauerhaften Aufenthaltsstatus in der Bundesrepublik in ihre Herkunftsregionen zurückzuschicken. Seine rigorose Gangart, die Kriminalität zu bekämpfen, Strafen auf dem Fuße folgen zu lassen, Stadtbilder und Schwimmbäder aus der Gefahrenzone zu nehmen, die Sicherungssysteme zu schützen vor Ausbeutung. Warum sollte in mir Schamesröte aufkommen, weil er Sympathien für Björn Höcke oder Martin Sellner zeigt? Kontaktschuld ist ein Fremdkörper in der Demokratie, das Geheimnis für Lösungen von morgen liegt in der Bereitschaft begründet, mit all jenen guten Willens Kooperation zu suchen, sich nicht voneinander zu distanzieren, die in der Sache in gleicher Marschrichtung unterwegs sind. Ekel und Aversion, weil die Moralkeule der „Guten“ schwingt, weil Bunt vor Braun warnt, nachdem der Geschichtsunterricht wegen Lehrermangel ausfallen musste: Fehlanzeige.
Wenn der Eindruck verhaftet, es geht um die Sache statt um Eigennutz, dann passt’s…
Von einem Leitbild kann man nicht nur lernen, Feindseligkeit an sich abperlen zu lassen, die als Gewand des Neides die Bühne betritt. Viele Bürger, die sich noch immer nicht losreißen können von ihrem Stimmkreuz bei den Altgedienten, müssen insgeheim zugeben, dass sie mitverantwortlich sind an der Sackgasse, in die uns jüngst Friedrich Merz noch viel schneller manövriert. Mein Lehrmeister ist die Galionsfigur, welche in beispielloser Aufrichtigkeit ihr Rückgrat steht. Sie liefert regelmäßig Futter, warum es Umbruch und Wende braucht. Jörg ist weit mehr als nur verbindlich im Auftreten, sondern konfrontativ im Meinungsaustausch. Er setzt rhetorische Spitzen, artikuliert sich eloquent, direkt, unmittelbar, emotional und viral. Man mag ihn als kumpelhaft und jovial wahrnehmen. Und genau dieses Wesen, seine Aura und das Charisma machen ihn zu einem Ulrich Siegmund aus Unterfranken. Hart im Kern, solidarisch im Erscheinen. Ich möchte ihn nicht mehr missen, weil er mir stets frische Impulse gibt, was auf den Nägeln brennt, welche Feuer zu löschen sind, warum wir eine alternative Alleinregierung brauchen. Es ist nicht untertrieben, ihn als Bruder im Geiste zu titulieren. Er hat Raum genommen unter meinen Freunden.








