Ein journalistischer Liebesbrief mit Folgen: Wie der „Südkurier“ in seiner Lobhudelei auf Ralf Schumachers Traumhochzeit Vorurteile schürt!

Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „Meinung von Nicole Rieß: Ralf Schumacher, diese Überraschung ist Ihnen wirklich gelungen!“ (aus: SÜDKURIER vom 18.04.2026)

Journalismus bedeutet, sich nicht nur über die Schrecklichkeit dieser Welt auszulassen, sondern auch dort über positive Entwicklungen zu erzählen, wo sie für die Gesellschaft von Relevanz sind. Eigentlich war das hier in Südbaden ansässige Blatt SÜDKURIER stets ein seriöses Medium, dem man durchaus Glauben schenken konnte, wurde es für seine lokale Berichterstattung sogar prämiert. Doch seit geraumer Zeit hat man eine deutliche Schlagseite. Politisch würde man vielleicht von linksliberal sprechen, doch mit diesem Etikett wäre dem eklatanten Drall ins nahezu grünaktivistische Lager kaum Genüge getan. Regelmäßig veröffentlicht man Meinungsbeiträge, die sich wie eine unerträgliche Anbiederung lesen, die von der nötigen Kritik und Skepsis gegenüber sozialen Trends, welche man eigentlich jedem publizistischen Produkt entnehmen sollte, weit entfernt sind. Man wirkt wie ein Sprachrohr, vor allem für den Regenbogen, „unsere Demokratie“, ein vielfältiges und tolerantes Miteinander, ohne Rücksicht auf die Kollateralschäden dieser Gesinnung. Immerhin verschreckt man einen Konsumentenkreis, der Nachricht statt Schlagzeile präferiert.

Ein Lobgesang auf das „Reality-TV“: Wie sich eine Journalistin in die Seifenoper verliebt…

In einem neuen Meisterstück wirft man sich Rennfahrer Ralf Schumacher an den Hals. Im „Brief zum Wochenende“ adressiert Autorin Nicole Rieß ihre Zeilen auch an den „lieben Étienne Bousquet-Cassagne“, den Partner des Bruders vom einst verunglückten Rekordmeister Michael. Und sie ergießt sich in einer Lobhudelei, weil sich die beiden nun endlich trauen. Und das nicht nur ganz privat, sondern gleich in einem neudeutschen „Unscripted Television“, welches ab dem 21. Mai 2026 auf „Sky“ läuft. Hier sollen Hochzeitsvorbereitungen begleitet und die spätere Trauung in St. Tropez übertragen werden. Schönheits-OP, Anzug- und Ringauswahl inklusive. Da begibt man sich mindestens auf das Niveau von „Bild“ und „Gala“ herab. Zum Steigbügelhalter für eine Inszenierung zu werden, die nur jene interessieren kann, die keine anderen Sorgen in ihrem Leben haben, ist wirklich billigste Abweichung von jeglicher seriösen Berufsethik. Natürlich kann man im Rahmen einer Kommentierung seine persönliche Haltung einfließen lassen. Doch es fehlte nicht viel für einen Minnedienst gegenüber dem deutsch-französischen Vorzeige-Duo.

Erst will Schumacher Respekt für die Privatsphäre, dann eine ganze Dokumentation…

Dabei steht im vollkommenen Widerspruch, dass sich die beiden noch im Februar ausdrücklich Respekt für die Privatsphäre erbeten hatten. Nunmehr geht man offensiv nach außen. Verstehen muss der zweifelnde Betrachter einen solchen Sinneswandel nicht. Doch die äußerst verständnisvolle Kollegin hat selbstredend eine Erklärung parat. Wahrscheinlich möchten sich die Anwärter auf den Hafen der Ehe mit der angeblich konfrontativen Anfeindung als homosexuelles Paar auseinandersetzen, den Ressentiments entgegentreten, die man im Alltag auf so grausame Weise erfährt. Nun denn, man könnte auch zu einer gänzlich anderen Interpretation kommen. Kommerzialisierung vor Intimität sei unterstellt, wenngleich sich laut Schumacher alles „richtig anfühlt“. Denn nicht nur der konservativ eingestellte Zuseher darf durchaus fragen, wie authentisch etwas ist, wenn Kameras von Anfang an mitlaufen, das Spektakel eher für Einschaltquoten und Streaming-Zahlen optimiert wird. Solch eine Form der sogenannten „Doku-Soap“ ist selten ungefiltert, sondern meist dramaturgisch aufbereitet. Echtheit ist Fehlanzeige, Rampenlicht umso heller.

Der Drang, die Schwulen-Ehe zum Ausdruck des „Ich kann es mir leisten“ zu machen…

Der fast schon wie ein Hilferuf wirkende Appell nach dem Motto „Schaut uns beim Ja-Sagen zu“ hat einen äußerst bitteren Beigeschmack. Böse Zungen vermuten finanzielle Aspekte, nicht aber den hehren Wunsch nach Offenheit und Transparenz. Auch Sohn David und Vater Rolf sollen auftreten. Eine ganze Familie wird hineingezogen, es gehe um das „Ausräumen von Vorurteilen“. Doch werden selbige nicht gerade dadurch geschürt, dass man sich derart provokativ Anderen auf die Nase bindet? Ist gleichgeschlechtliche Liebe nur dann akzeptabel, wenn sie glamourös und wohlhabend der herkommt? Repräsentativ steht ein solcher Aufwand längst nicht für die „Szene“. Inwieweit psychologische Mechanismen wie Narzissmus, Narrativkontrolle, Karrierebezogenheit und Selbstoffenbarung eine Rolle spielen, wer weiß das schon. Da werden die Grenzen zwischen kostenloser Werbung für ein Event und einer dem Abstandsgebot unterworfenen Recherche kurzerhand verwischt. Die clevere Vermarktung des Zeitgeistes hat einen Multiplikator gefunden. Der Verlierer ist die Realität. Denn die Welt läuft weiter, kann sich Schminke und Anzug nicht leisten.