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Beifall auf Kommando, Plattitüden en masse: Wie Manuel Hagel den CDU-Wahlkampf mit einem Bekenntnis gegen rechts eröffnete…

Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „Landtagswahl wirft ihre Schatten voraus: Das wird wichtig im Januar 2026 in Baden-Württemberg“ (aus: SWR vom 02.01.2026)

Am 8. März 2026 wählt Baden-Württemberg einen neuen Landtag. Und es braucht keine hellseherischen Fähigkeiten, um momentan davon auszugehen, dass die Ära der Grünen an der Spitze der Vergangenheit angehört. Ministerpräsident Kretschmann tritt in den Ruhestand, Cem Özdemir wollte ihm nachfolgen. Doch der ehemalige Bundesminister dringt nicht durch. Stattdessen liegt die Hoffnung der CDU auf ihrem Spitzenkandidaten Manuel Hagel. Er eröffnete die heiße Phase des Duells mit einem Auftritt in Konstanz. Am 3. Januar strömten die Anhänger in das Konzil, rund 250 Gäste lauschten den Ausführungen des 37-Jährigen. Wie hätte es auch anders sein können, berichtete die Lokalzeitung SÜDKURIER vor allem deshalb mit Euphorie, weil der Christdemokrat erneut auf die AfD eingeschlagen hatte. Der Applaus galt seiner „klaren Kante“ gegenüber rechts.

Das Wahlprogramm der CDU Baden-Württemberg: AfD, AfD und ein bisschen Wirtschaft…

Lokalchef Jörg-Peter Rau kommentierte wie ein treues Sprachrohr, ließ keinen Zweifel daran, wem seine Sympathien sicher waren. Die Veranstaltung hatte den Charakter eines kleinen Parteitages. Wie auf Kommando ertönte Beifall, der Frontmann wurde über den grünen Klee gelobt. Kein Wunder, sind viele seiner Forderungen durchzogen von konsequentem Klimaschutz und ökologischer Nachhaltigkeit. Zwar will er sie verbinden mit wirtschaftlichem Wachstum, doch die Handschrift ist unverkennbar. Die Transformation soll fortgesetzt werden, sei sie noch so sozialistisch auf dem Reißbrett entworfen. Der Standort im Südwesten wird sich kaum erholen können, zählen auch künftig die Durchschnittstemperaturen mehr als ein atmendes Unternehmertum, das frei ist von Regulierung und Bürokratie, Vorgaben, Steuerlast oder überteuerten Strompreisen.

Es mag sich innovativ anhören, eine neue Universität für Forschung zu fordern. Auch das kostenlose und verpflichtende Kindergartenjahr dürfte bei Unterstützern viel Zuspruch ernten. Eine kantige Programmatik sieht allerdings anders aus. Trotzdem dürfte der Fraktionsvorsitzende gute Chancen haben, ist der Herausforderer der Alternative für Deutschland insgesamt blass unterwegs. Markus Frohnmaier profiliert sich im Augenblick vor allem als Außenpolitiker, schafft den Spagat zwischen Venezuela und dem Ländle nur schwerlich. Er gilt als abgehoben und unnahbar, präsentiert sich fern Volksseele. Diesbezüglich hat ihm gegenüber der gelernte Bankkaufmann der Union manch einen Vorteil. Er konzentriert sich vollends auf die Heimat, zeigt Präsenz vor Ort, wenn auch eher mit jugendlichem Charisma als programmatischer Tiefe.

Markus Frohnmaier scheitert am Spagat zwischen Außenpolitiker und Landesvater in spe…

Dem kompletten Meinungskampf fehlt es an Substanz, die Versprechen über Reformen erweisen sich generell als hypothetisch. Während der Eine über Galas in den USA tingelt, pöbelt der Andere mit Blick auf die Opposition von „Vaterlandsverrätern“. Ohne ein klares Bekenntnis, dass die innere Sicherheit nur durch Remigration wiederhergestellt werden kann, nimmt der Galionsfigur der CDU kaum jemand ab, authentisch und glaubwürdig für einen Kurswechsel einzustehen. Und auch die angekündigte Bauoffensive, die mehr Zuschüsse für Familien ermöglichen soll, mit einem Heimvorteil günstigen Wohnraum in der Breite schafft, dürfte so lange verpuffen, wie die Kollegen in Berlin das Leben der Menschen teuer halten. Gleichsam bleibt fraglich, wie sich der Konkurrent der AfD Gehör verschaffen soll, spürt man seine Leidenschaft nur bei geostrategische Themen.

Selten glänzte der Schlussspurt hin zum Urnengang vor so viel Defizit und Inhaltsleere. Eigentlich hätten die Bürger zwischen Bodensee und Hohenlohe etwas Besseres verdient als die beiden Erstplatzierten in den Umfragen. Der bewahrende „Weiter so“-Anstrich, der sich über die Grünfärbung der Villa Reitzenstein legen dürfte, wird am Alltag des Einzelnen kaum etwas ändern. Diese betrübliche und ernüchternde Feststellung beschreibt das Dilemma, wenn die Parteien zwischen Abgeschliffenheit und Abwesenheit schwanken. Es nützt nichts, den Ulrich Siegmund der baden-württembergischen Christdemokratie, den „Posterboy“ des Konservativismus, in den Rang der Monstranz zu heben, wenn er zwar mit Aura die Bühne betritt, aber schmallippig bleibt, sobald er den Mund aufmacht. Herr, schmeiß Geist vom Himmel, denn es mangelt sehr.