Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „Podcaster ‚Ben Ungeskriptet‘: Die Millionenmarke knackt sein ‚gefährlichstes Gespräch‘ in 24 Stunden“ (aus: WELT vom 30.04.2026)
Beinahe über Nacht hat nicht nur Twitter seine Angst vor dem „gefährlichsten“ Mann Deutschlands verloren. Das mehrstündige Interview von Ben Berndt mit Björn Höcke ist in den sozialen Medien weiterhin Gesprächsthema Nummer Eins. Für die einen Beobachter hakte der Podcaster zu wenig nach, für den anderen Zuseher konnte der AfD-Politiker endlich einmal ausreden. Die wichtigste Botschaft aus der Veranstaltung: Die Welt steht noch. Und das ist kein Zufall. Denn was war passiert? Zwei Menschen haben sich auf ein Projekt eingelassen, von dem man erwarten konnte, dass es die linke Seele zur Weißglut bringt. Bei nüchternem Hinblicken geschah allein das, was in der liberalen Volksherrschaft normal sein sollte. Bevor man sich ein Urteil bildet, hört man sein Gegenüber an. Auch ich hätte kein Problem damit gehabt, mit dem Spitzenfunktionär aus Thüringen in den Austausch zu kommen. Denn die einzigen Scheuklappen, welche dem Journalisten gut zu Gesicht stehen, sind jene, die ihn von allen Formen gut gemeinter Moral und schlecht gemachter Ideologie abschotten. Nun liegt etwas auf dem Tisch, worüber man ergebnisoffen und unvoreingenommen diskutieren kann. Transparenz ist geschaffen, ungeschminkt und authentisch.
Höcke zeichnet den bescheidenen Weg von Familie über Lehrer bis zum Flügelkämpfer…
Dass die Empörung Wellen schlägt, hängt nicht zuletzt mit der schlichten Überforderung von „Omas gegen rechts“, von Antifaschisten und von „unseren“ Undemokraten zusammen. Denn je mehr Inhalt sie brüskiert und demaskiert, umso erbärmlicher wirkt ihr Gekreische von Nazis und Extremisten. Was soll man letztlich Anrüchiges finden an einem Werdegang vom Vertrauenslehrer an der Brennpunktschule über den Familienvater hin zum Einstieg in die Politik, als Ausdruck von Verantwortung, nicht um der Karriere willen? Eine Biografie mit Hintergrund in Ostpreußen, die zu einem verstärkten Bewusstsein für Historie, Flucht und Vertreibung führte, die kritische Auseinandersetzung mit den Folgen des Weltkrieges und den Ausprägungen der Erinnerungskultur befeuerte. Zunächst im politischen Chaos der etablierten Parteien gestrandet, suchte der heute 54-Jährige aus Leidenschaft und Überzeugung nach einer Alternative, stieß mit seinen polarisierenden Anschauungen rasch auf Widerstand von Bernd Lucke und Frauke Petry, baute sich seinen eigenen „Flügel“ auf, hielt die bekannte Dresdner Rede. Vor allem in der Skepsis über die Funktionalität des Systems der Bundesrepublik, prallte der aus Lünen stammende Pädagoge auf Merkels Sündenfall.
In den teils monologisierend anmutenden Äußerungen steckt viel Sorge um unsere Zukunft!
Dass die Heimat in schiefes Fahrwasser gerät, weil wir eine strukturelle Kinderfeindlichkeit entwickelt haben, die Keimzelle des Lebens nicht mehr schätzen, stattdessen in Willkür übergehen, was Geschlechter und Ehe angeht, ist als Ausdruck des sogenannten demografischen Wandels ein Aspekt vom sozialen und gesellschaftlichen Niedergang. Gleichzeitig sind wir in der irrigen Annahme gefangen, die Zuwanderung könnte all das kompensieren, was wir kaum noch bereit scheinen, an Identität für unsere Gemeinschaft beizutragen. Da braucht es nicht einmal einen Tag Aufenthalt in Berlin-Friedrichshain, Hamburg-Billbrook oder Köln-Meschenich, um zu der Erkenntnis zu gelangen, dass sich dieses Volk in Verdrängung befindet. Die Ghettoisierung schreitet voran, das Kruzifix wird durch den Halbmond verdrängt, das Osterfest durch den Ramadan, Weihnachten durch die Wintermärkte. Das Stadtbild ist nicht mehr, Katrin Göring-Eckardt freut sich darüber. Lieber den Regenbogen am Firmament denn Schwarz-Rot-Gold, Drogenkonsum im Bahnhofsviertel und Verwahrlosung mitten in der Fußgängerzone. In der U-Bahn oder auf dem Schulhof regieren Messer, im nächtlichen Park oder dem Schwimmbad eher die Gruppenvergewaltigung.
Warum soll ein Volksverständnis verfassungsfeindlich sein, das bis in die 90er normal war?
Ist man Rassist, weil man die Nachrichtenlage ehrlich zusammenfasst? Björn Höcke erkennt darüber hinaus eine instrumentalisierte Justiz, die er selbst zu spüren bekam. Der Verfassungsschutz ist längst zu einer entfesselten Überwachungsbehörde geworden, auf einem Auge blind, von Angemessenheit keine Spur mehr. Es braucht eine Erneuerung, nicht nur im Osten. Doch dort dürfte sie beginnen, ob in Magdeburg, Schwerin oder Erfurt. Willensstärke und Rückgrat dominierten den bisweilen an einen Monolog erinnernden Auftritt, welcher das Konträre zu dem darstellen sollte, was beispielsweise der öffentlich-rechtliche Rundfunk mit seinen beständig zerhackstückten Selbstinszenierungen von Dunja Hayali oder Carmen Miosga zu bieten hat. Ob wir wirklich nur in einer Simulation existieren, Remigration machbar ist, die dritte Gewalt vor allem die Regierung schützt, das Bild von Feinden konstruiert wird, die ihrerseits der Tyrannei von NGOs, Brandmaurern und Pressekartell ausgesetzt sind, auch darüber wird im Nachgang die Debatte nötig sein. Substanzielles Futter für uns alle, die im Hamsterrad Kreise drehen, während sich die Katze von Friedrich Merz zwischen Wehleidigkeit und Fettnäpfchen in den Schwanz beißt.








