Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „Politikverdrossenheit: Wie Besserwisser die Demokratie kaputtmachen“ (aus: „Die Rheinpfalz“ vom 22.03.2026)
Schon Aphoristiker Ron Kritzfeld hielt fest: „Parteibuch: politischer Katechismus, begründet in den Glauben an die Wirksamkeit von Beziehungen, festigt die Hoffnung auf ein sicheres Fortkommen und stärkt die Liebe zu wohldotierten Ämtern“. Ist es unter diesen Umständen nicht nachvollziehbar, sich außerhalb dieser festgefahrenen Konstrukte zu engagieren, als Losgelöster vom Berliner Wolkenkuckucksheim aufzutreten, der nicht gebunden ist an ein zementiertes Programm, sondern sich vornehmlich dem gesunden Menschenverstand verpflichtet fühlt? Laut Umfragen trauen derzeit zwischen 50 und 62 Prozent der Deutschen keinem der Wettbewerber von CDU bis Linken, von Grünen bis AfD zu, die wirklichen Probleme der Republik nachhaltig anzugehen. Die Verdrossenheit spitzt sich zu, die Bürger haben den langen Atem aufgegeben. Bringt es uns stattdessen weiter, den Kopf in den Sand zu stecken? Lediglich 17 Prozent vertrauen der institutionalisierten Ideologie, in ihrem Sinne zu agieren. Stattdessen ist die Sehnsucht nach jenen groß, die sich freimachen von der Fessel aus Pöstchen, Diäten und Koalitionen.
Hat sich das Modell der Parteien überdauert? Zumindest bekommt es Gegenwind…
Insofern ist es keine besonders verwunderliche Entwicklung, dass mehr und mehr auf Einzelpersonen gesetzt wird, schon bei Wahlen hängt viel vom jeweiligen Charakter jener ab, die aus eigenem Antrieb heraus für eine bessere Zukunft sorgen wollen. Nicht gefärbt von einer bestimmten Richtung, in der Weltanschauung dahingehend flexibel, allein auf Pragmatismus und Praxisfähigkeit von Konzepten zu setzen. Ein legitimer Einwand kann sein, ob es aus einem Sammelsurium der Individuen gelingen mag, gemeinsame Lösungen zu erarbeiten. Doch der Anspruch auf Einigung ist umso größer, steht am Ende nicht der monetäre oder karrieristische Nutzen. Sondern die Verwirklichung einer immanenten Überzeugung, die man von der Pike aus aufgebaut hat. Ein Exempel für diese Art von Vordenker und Idealist stellt Daniel Böttcher dar. In den sozialen Medien präsentiert er sich als einfacher Familienvater, ohne irgendeine Bindung, sondern gänzlich autonom, eigenverantwortlich für seine Sicht. Noch befindet sich sein Account im Aufbau, er hat sich frisch dazu entschieden, Gesicht zu zeigen und Position zu beziehen.
Die Graswurzelbewegung der Einzelkämpfer: Ehrlich, authentisch, dem Verstand verpflichtet!
Seine Agenda bringt er dabei kurz auf den Punkt, er hat Prinzipien, vor allem Ansprüche. Ihm geht es um Rechtsstaat, Meinungsfreiheit und Vernunft. Als gelernter Straßenbauer und Handwerker kommt er aus der Mitte der Gesellschaft. Er weiß somit, wo dem Durchschnittsbürger der Schuh drückt. Da gibt es keine Allüren, die ihn abgehoben oder hochnäsig erscheinen lassen. Viel eher erweist er sich als ein bodenständiger, zugewandter und mit beiden Beinen im Leben befindlicher HSV-Fan, der „zwischen Schaufel, Stadion und dem ganz normalen Wahnsinn“ tingelt. Man merkt ihm an, dass er etwas verändern will. Dabei macht er aus einer gewissen Verortung im konservativen Lager keinen Hehl. Mit der linken Presse rechnet er ab, hadert ein Stück weit mit der Selbstzuschreibung als „rechts“, sondern sieht sich eher als seriös, als Widersacher des Zeitgeistes. Er konfrontiert mit der Wahrheit, unter anderem erst kürzlich, als es um die Frage ging, was eigentlich im Koran steht. Mit Kritik am Islam spart er nicht, stattdessen steht er ein für christliche Werte, für abendländische Kultur, für aufgeklärte Sitten und Normen.
Das Beispiel von Daniel Böttcher zeigt, dass politische Unabhängigkeit Hochkonjunktur hat…
Die Achtung der klassischen Ehe, das Geschenk von Kindern, all das ist ihm in die Wiege gelegt. Er macht sich stark für den Schutz dieses grundgesetzlich garantierten Miteinanders als Keimzelle des Volkes, die für Zukunft, Kontinuität und Erhalt sorgt. Entsprechend lehnte er jüngst er Maßnahmen ab, die Vorzüge für diesen Personenkreis in der Krankenversicherung abschaffen sollen. Man müsse zur Normalität zurückkehren, was das Klima anbelangt. Ein kollektiver Nervenzusammenbruch helfe nicht weiter, wenn es um die zweifelnde Diskussion darüber geht, ob das Verbrenner-Aus und eine Verpackungssteuer wirklich sinnvoll sind. Hart ins Gericht geht er unter anderem mit der SPD, aber auch mit der Verkehrspolitik im Land. Die Infrastruktur sei heruntergewirtschaftet, als regelmäßiger Nutzer der „Deutschen Bahn“ könne er ein Lied davon singen. Da spricht jemand aus Alltagserfahrung, völlig abseits vom Elfenbeinturm, aus der Realität, im Wissen um die tatsächlichen Verhältnisse in Fußgängerzonen, in Schwimmbädern und im Stadtbild. Unverblümt, ehrlich, sachlich. Ein Paradebeispiel für einen Unabhängigen.








