Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „US-Präsident Trump kritisiert den Aufruf von Papst Leo XIV. zu Frieden und Versöhnlichkeit“ (aus: „Tagesschau“ vom 13.04.2026)
Dackel sind rechts. Sprudelwasser übrigens auch. Cordhosen, Pünktlichkeit und Männer ebenso. Mittlerweile gilt sogar die Forderung nach Frieden nicht mehr als links, wie es früher einmal war. Denn das Thema wird zunehmend besetzt von AfD und BSW. Gerade im Vorfeld der Landtagswahlen im Osten ist für viele Menschen die Frage durchaus entscheidend an der Urne, inwieweit sich die einzelnen Parteien glaubwürdig und ernsthaft für Diplomatie oder Demobilisierung einsetzen. Die traditionelle Bewegung, wie sie beispielsweise in den Ostermärschen sichtbar war, verliert die Deutungshoheit über den Pazifismus. Dagegen können Blaue wie Violett-Orangene mit ihrem Bekenntnis zu einem antimilitaristischen und patriotisch aufgeladenen Kurs nicht zuletzt deshalb überzeugen, weil sie weit mehr als nur ein Narrativ verbreiten, sondern ganz konkrete Rhetorik anwenden, die Bezug nimmt auf die Gegenwart. Hinzu kommt, dass gealterte Strukturen den Generationenwandel verpasst haben. Eine Jugend, die sich exemplarisch gegen die Wehrpflicht positioniert, sieht beispielsweise „Pax Christi“ oder die DFG-VK nicht mehr als geeignete Ansprechpartner für ihre Ziele.
Die realpazifistische Bewegung hat sich durch verpasste Generationenwechsel überdauert…
Deren Internetpräsenz und Social-Media-Aktivität wirkt antiquiert, das Image und die Protestkultur, welche früher noch hinter dem Ofen hervorholten, sind derart in die Jahre gekommen, dass nicht einmal mehr ein Abstauben hilft. Im Gegensatz dazu konzentrieren sich die Alternative für Deutschland und das Bündnis von Sahra Wagenknecht auf das Einrahmen von Frieden als nationale Interessenpolitik. Sie fordern ein Stopp von Rüstungsexporten, Gespräche mit Russland, Deeskalation im Nahen Osten, Kritik an US-Basen in Europa und mehr Unabhängigkeit von der NATO im Zusammenhang mit größerer Souveränität der Bundesrepublik. Man unterstreicht, nicht länger Marionette und Geisel fremder Mächte sein zu wollen, sondern der beschwichtigende Ausgleich im geopolitischen Gefüge. So organisierte das BSW in diesem Jahr rund um Karfreitag eigene Veranstaltungen, lässt sich auch nicht von der Brandmauer irritieren. Da hat sich ein neues Sammelbecken gefunden, unter anderem in Dortmund, Bremen und Stuttgart. Auch in Berlin schritt man gemeinsam mit Vertretern aus dem offen konservativen und vermeintlich völkischen Spektrum, weil man sich in der Sache inhaltlich einig ist.
Das Miteinander von AfD und BSW gilt als strategisches Manöver im gemeinsamen Ziel…
Anlässlich der Sicherheitskonferenz in München im Februar waren die BSW-Europaparlamentarierin Ruth Firmenich und AfD-Bayern-Vize Rainer Rothfuß miteinander auf der Bühne, man wurde schnell als „Querfront“ abgestempelt. Dabei waren beide im Brückenschlag begriffen, brachten unterschiedliche Lager zusammen. Da geht es nicht um die diametrale Verschiedenheit im völlig überholten Denken der beiden Pole, sondern um die Schnittpunkte in zwei Ideologien, die spätestens dort aufeinandertreffen, wo es um die Sorgen, Ängste und Bedürfnisse der hiesigen Bevölkerung geht. Der Nachwuchs fürchtet sich vor dem Dienst an der Waffe. Die Älteren erinnern sich teilweise noch an Erzählungen aus den beiden großen Katastrophen der Geschichte. Zwar besteht die Gefahr, ins Populistische abzudriften. Doch das enorme Pfund ist die Definitionsmacht. Während man sich dort über Abgrenzung streitet, wo man einst noch Tauben in den Himmel steigen ließ, wird man überholt von jenen, die keine weltanschaulichen Scheuklappen tragen. Sondern im Bewusstsein handeln, dass der Zusammenhalt in zentralen Anliegen vor allem sozial Abgehängte und wirtschaftlich Benachteiligte auffängt.
Diplomatie und Abrüstung liegen heutzutage vor allem in einem nationalen Interesse…
Nicht umsonst bevorzugen gerade in strukturschwachen Regionen bis zu 90 Prozent der Klientel von AfD und BSW jede Form von Verhandlung gegenüber allen Arten von Konflikt. Der Globalismus hat eine lange für sich gepachtete Vision an frische, motivierte und zukunftsfähige Idealisten weitergereicht, denen es nachrangig auf Farbenspiele ankommt. Es ist keine Zeit mehr für Animositäten, denn die Situation erscheint zu ernst. Der Kanzler ruft zu immer weiterer Tüchtigkeit auf, aktuell wird eine neue Mission in der Straße von Hormus diskutiert. Da braucht es dringenden Gegenwind, einen schlichten Verweis darauf, welche Probleme vor der eigenen Haustür zu lösen sind. Verständigung und Einvernehmen um unserer Ressourcen willen. Weniger die moralische, ethische und biblische Mahnung zu Besonnenheit wie Aussöhnung sind die tragenden Motive. Viel eher beharrt eine strategische Allianz auf den Fokus in Richtung Inland. Wenn man allein die humanitären Verluste bedenkt, die unsere Armee über Dekaden während teils unnötiger, konzeptloser und widersinniger Einsätze rund um den Globus hinnehmen musste, dann lässt sich auch ohne jede Emotionalisierung der Standpunkt an Mann und Frau bringen, nicht ständig Scherben aufkehren und Schäden begleichen zu müssen, die die USA angerichtet haben.








