Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „Martin Hikel: ‚Der Begriff antimuslimischer Rassismus ergibt aus meiner Sicht keinen Sinn'“ (aus: Berliner Zeitung vom 09.04.2026)
Es gibt Kategorien in der politischen und gesellschaftlichen Auseinandersetzung, die wirken wie ein Oxymoron. Also sich wechselseitig widersprechende und einander ausschließende Begriffe, die eng miteinander verbunden werden. Der „antimuslimische Rassismus“ gehört dazu. Immer wieder wird in Medien und von NGOs weisgemacht, in der Bundesrepublik komme es zu einer strukturellen Diskriminierung von Menschen islamischen Glaubens. Nunmehr hat sich mutig SPD-Politiker Martin Hikel geäußert, der als langjähriger Bezirksbürgermeister in Berlin unmittelbare Praxiserfahrung besitzt. Für ihn ergebe die genannte Begrifflichkeit keinen Sinn. Und nicht nur er macht in ihr eine aufgeladene Ideologie aus. Denn da ist ein Totschlagargument geboren worden, welches jegliche Kritik an einer Religion unterbindet, die in ihren radikalen Wesenszügen durchaus erhebliches Konfliktpotenzial mit westlichen Werten besitzt. Wer um den heißen Brei herumredet, eine Debatte mit Kampfbegriffen im Keim erstickt, kennt das eigentliche Problem, ohne es aussprechen zu wollen. Denn es geht gerade nicht um eine ethnische Herkunft, wie sie per Definition für Fremdenfeindlichkeit notwendig wäre, die gemeinhin Ressentiments aus völkischen Gründen vorsieht.
Rassismus ist an die ethnische Herkunft gebunden, nicht an politreligiöse Überzeugungen…
Sondern explizit darum, die legitime Frage aufzuwerfen, inwieweit eine Weltanschauung mit Demokratie und Freiheit kompatibel ist, die in großen Teilen der globalen Bevölkerung bis heute weder Säkularisierung noch Sozialisation durchlaufen hat. Das Christentum kennt das Evangelium und die Bergpredigt, Luther hat sogar eine Reformation angestoßen. Sie heben das auf, was im Alten Testament an manch einer Grausamkeit erzählt wird. Doch den Suren mangelt es genau an dieser expliziten Relativierung, schon allein aufgrund der profanen Tatsache, dass der Islam laut Übersetzung zur „Unterwerfung“ aufruft. Einerseits die eigenen Anhänger gegenüber Allah, insbesondere aber auch die Andersdenkenden mit Blick auf die absolute Wahrheit des Korans. Man versteht sich als Vollendung, nicht als einer von mehreren parallel existierenden Monotheismen. Der Anspruch ist Herrschaft, Gottesstaatlichkeit anstelle von Rechtsstaatlichkeit. Auf diesen Umstand muss hingewiesen werden, ohne Angst vor der Fuchtel, als Rassist und Nazi abgestempelt zu werden. Gibt es tatsächlich ein nennenswertes Phänomen prosperierender Feindseligkeit hinsichtlich von Muslimen in Deutschland? Und wie verhält sich die Entwicklung im Vergleich zu Hass gegenüber sonstigen Konfessionen?
Straftaten mit antimuslimischem Hintergrund sind selten – und nur schwer zu vergleichen!
Die Kriminalstatistik besagt für das Jahr 2024 insgesamt 1.848 registrierte Fälle. Im Vergleich dazu wurden 6.236 Vorkommnisse gegen Juden gezählt. Mehr als das Dreifache, obwohl ein Bevölkerungsanteil von 0,25 Prozent rund 6,8 Prozent entgegensteht. Zudem geht es auch um die Qualität dessen, was an Missgunst und Argwohn praktiziert wird. Während es mit Blick auf Halbmond und Ramadan vor allem Meinungsdelikte sind, ist bei Kippa und Davidsstern häufig handfeste Gewalt im Spiel. Und völlig unerwähnt bleibt dabei, wie oft „Weiße“ Opfer von Messerklingen werden. In einer zunehmenden Ghettoisierung von Neukölln, Wedding oder Marxloh ist alltägliche Ausgrenzung von Deutschen mittlerweile die Regel. Hierüber spricht kaum jemand. Muslime stellen keine homogene Betroffenengruppe gezielter und systematischer Benachteiligung dar. Was sie möglicherweise als Hetze wahrnehmen, entpuppt sich häufig als nachvollziehbare Reaktion auf terroristische und extremistische Akte, die im Namen von Mohammed begangen werden. Ehrliche, bisweilen verallgemeinernde Antworten eines aufgewühlten Miteinanders, das die explodierende Clan-Kriminalität im Ruhrgebiet genauso wahrnimmt wie krakeelende Propalästinenser auf den Straßen der bundesdeutschen Hauptstadt, sind plausibel.
Argwohn hegt die Öffentlichkeit auch deshalb, weil der gemäßigte Islam schweigt…
Denn wo bleibt die Distanzierung der Gemäßigten von den Vernarrten, wo ist das Abstandnehmen, bekennen sich Attentäter ohne Umschweife gen Mekka? Man hört so wenig aus den angeblich liberalen Kreisen, wenn wieder einmal zugestochen wurde. Genau deshalb steigt die Verärgerung, macht sich Ernüchterung breit, inwieweit Integration in allen Schichten hindurch gelingen kann. Da ist in der Mehrheit keine pauschale Ablehnung aufgrund des kulturellen Ursprungs zu spüren, sondern wegen maßgeblicher Zweifel an der Kompatibilität zwischen einer sarazenischen Gesinnung und den abendländischen Traditionen. Die Sorge macht sich breit ob einer etwaigen Vormachtstellung jener, die aus ihrer Fürsprache zu Kalifat und Scharia keinen Hehl machen. Wenn die Killerphrase von Vielfalt und Toleranz die Diskussion darüber unterbindet, welche Prägung uns zukünftig ausmachen soll, inwieweit das hehre Ziel des Zusammenlebens unterschiedlichster Zivilisationen auf einem geografisch begrenzten Raum wirklich funktionieren kann, dann wird der ideale Nährboden für soziale Verwerfungen, für prinzipiellen Argwohn und für ein relevantes Pulverfass geschaffen. Das authentische Benennen von Dissens, Skepsis und Unverständnis kann helfen, es noch vor dem Überlaufen anzuzapfen.








