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Der Ruf des Journalisten leidet unter der politischen Anbiederung von Medienschaffenden!

Sorgfalt, Objektivität und Sachlichkeit gehören nicht mehr zu den Tugenden der Presse

Der Journalist Dennis Riehle (Konstanz) sorgt sich um das Ansehen seines Berufsstandes. Aus Gründen der politischen Anbiederung, der Karriere und eines Gruppenzwangs heraus seien viele Kollegen bereit dazu, berufsethische Grundsätze über Bord zu werfen und sich einer qualitativ minderwertigen Verdachtsberichterstattung auf Grundlage von unseriösen Quellen oder mit unlauteren Mitteln erlangten Informationen hinzugeben. In einem Statement erklärt er wie folgt:

Ich gebe als Journalist unverhohlen zu: Mein Berufsstand hat im Augenblick – völlig begründet – erhebliches Misstrauen verdient. Denn es gibt nicht wenige Kolleginnen und Kollegen, die insbesondere im öffentlich-rechtlichen Rundfunk die einst als Ethos angesehenen Publizistischen Grundsätze derart beugen und brechen, dass sich jedes Rückgrat biegt. Schlussendlich steckt dahinter nicht selten eine persönliche politische Überzeugung, aber oftmals auch die bloße Intention, es dem eigenen Chef – nicht selten ebenfalls von Wokeness indoktriniert – in der Hoffnung auf Ruhm, Ehre und Beförderung möglichst recht zu machen. Und im Dunstkreis einer immer häufiger ideologisch polarisierten und klientelhaft gruppierten Konsumentenschaft der Homogenität Beifall und Rampenlicht zu generieren.

Ich habe es in der Ausbildung noch gelernt, dass mein Auftrag die Berichterstattung und die Kommentierung ist. Beides ist bestmöglich voneinander abzugrenzen. Bei erstgenanntem geht es vornehmlich um die Information, aber gerade nicht um missionarische Aufklärung, besserwisserische Bevormundung oder den erhobenen Zeigefinger. Und bei der Bewertung von Geschehnissen, Entwicklungen und Prozessen, auch da gelten eigentlich Regeln, die bisher stets verbindlich waren: Selbst Meinung kann man sachlich vortragen, vor allem argumentativ untermauert, ohne erkennbare, lobhudelnde Parteipräferenz. Vollständigkeit gilt sowohl in der objektiven wie in der subjektiven Medienarbeit, ebenso Transparenz und Authentizität.

Dazu passt kein zweierlei Maß oder eine Doppelmoral aus dem Ansinnen heraus, für die eigenen Standpunkte zu kämpfen. Denn der oftmals als vierte Gewalt bezeichnete Journalismus ist eben gerade Austragungsort von politischen Wettkämpfen. Er ist Beobachter und Beurteiler. Nicht weniger, aber eben auch nicht mehr. Presseschaffende sind zwar der größtmöglichen Sorgfalt mit Blick auf Wissen und Gewissen verpflichtet. Absolute Wahrheiten sollten aber auch sie nicht kennen. Und schon gar nicht den Leser oder Zuschauer belehren oder beeinflussen. Bewusstseinsbildung bedeutet, Sichtweisen und Perspektiven anzubieten, alle notwendigen Hintergründe zu liefern und schlussendlich zu ermutigen, in demokratischem Verständnis der Fairness und einer gerechten Debattenkultur jedem Bürger die Eigenverantwortlichkeit zuzugestehen, aus all diesen Grundlagen eine souveräne, eigene Auffassung und Position zu formen.

Und das bedeutet eben gerade nicht, sich der Zeitgeistigkeit wie ein Fähnchen im Wind anzubiedern. Deshalb bin ich froh, dass ich nicht mehr im aktiven Dienst bin und daher auch nicht auf einen Arbeitgeber schielen muss, dem ich genehme Resultate abzuliefern habe. In solch einem Abhängigkeitsverhältnis könnte ich heute meine Aufgaben nicht mehr erfüllen – wenn ich denn am nächsten Morgen noch problemlos in den Spiegel schauen wollte. Deshalb freue ich mich über meine Freiheit, unter anderem hier auf Twitter schreiben zu dürfen, wie ich es auch damals schon mit dem Ziel getan habe, Dienstleister zu sein – und nicht Erzieher.

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