Pfingsten, die Geburtsstunde kirchlicher Bigotterie? Auch 2026 wird vom gemeinsamen Geist gesprochen, in dem die AfD auszugrenzen ist…

Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „Panorama – Kirchliches Hochfest: Pfingsten ist mehr als nur ein langes Wochenende“ (aus: „Stuttgarter Zeitung“ vom 22.05.2026)

50 Tage nach Ostern feiert die Christenheit Pfingsten. Abgeleitet vom griechischen „Pentekoste“, steht die Apostelgeschichte zentral im Mittelpunkt. Anlässlich des jüdischen Ernte- und Wallfahrtsfestes Schawuot sitzen die Jünger Jesu zusammen in einem Haus und beten. Plötzlich kommt ein Brausen vom Himmel, gewaltig, wie ein Sturm. Es erfüllt den ganzen Raum, ehe Feuerzungen erscheinen. Sie verteilen sich auf die Runde, nehmen auf jedem Einzelnen Platz. Der Heilige Geist ist gekommen, lässt sie alle in fremden Sprachen miteinander reden. Pilger aus aller Welt hören das Ereignis, strömen hinzu. Von den großen Gaben Gottes wird erzählt, doch manch ein Zeuge spottet nur, sie seien betrunken. Petrus hingegen hält eine mutige Predigt, in der er das Geschehen als Erfüllung der alttestamentarischen Prophetie verkündet, Jesus als den auferstandenen Messias preist, zu Umkehr und Taufe aufruft. In der Folge bekennen sich 3.000 Menschen zu dessen Glauben, die Geburtsstunde der Kirche ist geschaffen, der Beginn internationaler Mission.

Die Feuerzungen stehen heute für den interkulturellen Dialog ohne Grenzen und Ordnung…

Auch in diesem Jahr stellen Protestantismus und Katholizismus die Verständigung in den Mittelpunkt. Wie sehr sie dabei heucheln, lässt sich an vielen Beispielen bewundern. Da wird von den Kanzeln an Gemeinschaft und Zusammenhalt appelliert, zum Dialog über Grenzen aufgerufen, Vielfalt und Regenbogen unterstrichen. Doch dieser Aufruf geht an der Wirklichkeit vorbei. Schließlich betrifft er vor allem die Nächstenliebe zu allen Unbekannten in der Welt, im Zweifel aber nicht zum Arbeitskollegen, Freund, Vater oder Bruder, der auf dem Stimmzettel die AfD angekreuzt hat. Einmal ganz abgesehen davon, dass die Bibel ihr eigenes Problem mit der Massenmigration hat, betont doch Paulus in Athen: „Und er hat aus einem Menschen jedes Volk der Menschen gemacht, dass sie auf dem ganzen Erdboden wohnen sollen, und hat im Voraus bestimmte Zeiten und die Grenzen ihrer Wohnung festgesetzt“. Wanderungen rund um den Globus sind damit nicht die Normalität, sondern widersprechen dem Schöpfungsgedanken. Nächstenliebe ist das Kümmern um den Bedürftigen vor Ort.

Uns werden Nächstenliebe und Vielfalt verkündet, im Geiste moderner Beliebigkeit…

Auch 5. Mose betont deutlich: „Als der Höchste den Völkern ihr Erbe austeilte, als er die Menschenkinder voneinander schied, da setzte er die Grenzen der Völker fest nach der Zahl der Söhne Israels“. In Levitikus wird von der Liebe zu den „Kindern deines Volkes“ gesprochen. Die konzentrische Ordnung ist der Heiligen Schrift nicht fern. 1. Timotheus baut eine natürliche Rangfolge auf, an deren erster Stelle steht die Familie, dann die Gemeinschaft, dann der Fremde. 2. Mose verweist auf die individuelle, aber gleichzeitig begrenzte Gastfreundschaft, die nicht zur kollektiven Selbstaufgabe führen dürfe. Außerdem könne von denen verlangt werden, die von weit her zu uns kommen, mit Fleiß und Sorge für ihr eigenes Wohl einzutreten. Pfingsten ist kein Freifahrtschein für eine ausufernde Toleranz, wohl aber eine Mahnung, wie grassierend die Verlogenheit im Land ist. Der Staat lässt Rentner Flaschen sammeln, gewährt gleichzeitig Flüchtlingen Hotels. Bischöflich untermauert, wird an die Alternative für Deutschland gerichtet: „Ihr seid nicht Teil des ‚Wir‘“.

Aus dem Geburtstag der Kirche ist die Missa solemnis heuchlerischer Spaltung geworden!

Doppelmoral, Pharisäertum und Bigotterie sind nur einige Prädikate, die den Schein entlarven. Konservative werden sukzessive ausgeschlossen, wenn sie der Gender- und Klimaideologie die Huldigung verweigern, die Monstranz von Abtreibung und Pluralismus nicht emporheben. Statt ihre Sorge um Identität, Sicherheit und Leitkultur ernst zu nehmen, prangert man sie als menschenverachtend an. Wer nicht für uns ist, ist gegen uns. Schwarze Schafe werden aussortiert, obwohl uns doch bereits in 1. Mose klargemacht wird, wie sündhaft solch ein Verhalten bleibt. Es ist nicht zuletzt die Angst, dass ein Ministerpräsident Ulrich Siegmund die Staatsleistungen für Diözesen und Bistümer streicht, welche den vehementen Kampf gegen demokratische Gepflogenheiten einer souveränen Wahl anheizt. Schon oftmals in der dunklen Geschichte hat sich Gottes Bodenpersonal auf die vermeintlich richtige Seite gestellt, um im Nachgang bußfertig eingestehen zu müssen, auf dem falschen Dampfer unterwegs gewesen zu sein. Bisher aber ist von Reue keine Spur, ganz im Gegenteil.