Blaue Grabenkämpfe zwischen Wertach und Lech: Wie die AfD Schwaben eine durchschaubare Retourkutsche gegen Gabrielle Mailbeck fährt…

Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „Augsburg – Einst ‚Postergirl‘, jetzt unerwünscht: AfD will Gabrielle Mailbeck loswerden“ (aus: „Augsburger Allgemeine“ vom 24.05.2026)

In Parteien, die besonders polarisiert daherkommen, in denen verschiedene Lager und Flügel programmatisch weit auseinanderliegen, sind Neid, Argwohn und Missgunst fast schon an der Tagesordnung. Da wachsen Rivalität und Nebenbuhlerschaft, spielt die Butter auf dem Brot eine Rolle. Manchmal wird die Gegnerschaft aber auch ins Absurde getrieben, wie beispielsweise aktuell mit Blick auf die AfD-Politikerin Gabrielle Mailbeck. Der Bezirksvorstand in Schwaben hatte schon im März 2026 die Einleitung eines Ausschlussverfahrens einstimmig beschlossen. Begründet wurde dies mit finanziellen Unregelmäßigkeiten, doch die Argumentation wirkt fadenscheinig. Wurde möglicherweise ein Anlass gesucht, um ein Aushängeschild mundtot zu machen? Immerhin gilt die charakterstarke Sprach- und Theaterwissenschaftlerin mit ihrer Liebeserklärung an Deutschland als ein gewisses Idol unter Patrioten. Man kann also mutmaßen, dass die 1.400 Euro an Barspenden, die sie verspätet an den Kreisschatzmeister weitergeleitet haben soll, nur ein Vorwand sind, um jemanden loszuwerden, der sich resilient zeigt bei Angriffen der Antifa, beim Anwurf von Agitation und Provokation, bei aller Distanzeritis.

Sobald die Namen Sellner und Helferich fallen, scheint mancher AfD-Grande rotzusehen…

Immerhin hat man sie nicht zuletzt deshalb auf dem Kieker, weil sie sich zu keinem Zeitpunkt entfernte von ihrer Solidarität mit Figuren wie Matthias Helferich oder Martin Sellner. Erstgenannter wird nach einer früheren Selbstbeschreibung, die erkennbar sarkastisch, ironisch und als Replik auf Linksradikale gefallen war, seit längerem als das „freundliche Gesicht des Nationalsozialismus“ tituliert. Auch er sieht sich mit beständigem Eifer der Gemäßigten konfrontiert, die ihn von den Schaltstellen der internen Macht fernhalten, öffentlich denunzieren wollen. Mit der Augsburgerin hat er gemeinsam, gerade auch beim Nachwuchs auf einen breiten Unterstützerkreis bauen zu können, treten beide charismatisch, eloquent und meinungsstark auf. Zweitgenannter ist als österreichischer Kopf der Identitären Bewegungen wohlbekannt, wird wiederkehrend mit Einreiseverboten, Kontosperrungen und Zensur belegt, vom Verfassungsschutz als Extremist betrachtet. Ihnen allen wohnt der Wunsch nach umfassender Remigration inne, sie haben Rückgrat und lassen sich nicht verbiegen. Bei so viel Geradlinigkeit zieht man schnell Wichtigtuer an, die sich selbst ins Rampenlicht rücken wollen.

Da hat eine medial präsente Politikerin so viel Rückhalt, dass Neider selbstverständlich sind!

Vielleicht ist das auch im Falle der Gemeinderätin aus Nordendorf der wahre Anlass für die massiven Geschütze, welche man gegen sie auffährt. Es soll eine persönliche Fehde mit Andreas Jurca geben. Der Landtagsabgeordnete, welcher als Spätaussiedler mit vier Jahren in die Bundesrepublik kam, sieht sich seit Januar 2026 Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wegen Untreue und Betrugs ausgesetzt. Nicht zuletzt, weil Mailbeck die Affäre ins Rollen gebracht haben soll, als treibende Kraft der Strafanzeige betrachtet wird, könnte er Motive haben für eine Retourkutsche, ist ein Strippenzieher in der Region. Da liegt also der Gedanke des möglichen Rachefeldzugs auf der Hand, gegen eine visionäre und populäre Frau, die man oftmals wie ein Pendant zu Ulrich Siegmund aus Sachsen-Anhalt behandelt. Denn mit ihr zeigt man sich gerne, nimmt sie als bürgernah und auf Augenhöhe wahr, schätzt ihre Direktheit. Immerhin gelingt es ihr vorbildlich, auf die Schiefstände durch wachsende Kriminalität, auf die kulturelle Entfremdung, auf die Unterschiede zwischen ihrer gelungenen Integration und der gegenwärtig oftmals scheiternden Eingliederung von sogenannten Fachkräften hinzuweisen.

Das klassische Ablenkungsmanöver: Welche Rolle spielen Jurca und Striedl in der Affäre?

Im April wurde bekannt, dass der Mandatar darüber hinaus einen Mitarbeiter beschäftigen soll, der wegen Vergewaltigung verurteilt ist, relativierte die Tat des Mannes teilweise öffentlich als „Beziehungsdrama“, schon 2018 stand er wegen Körperverletzung vor Gericht. Aber auch Markus Striedl könnte ein Konfliktpartner der in São Paulo geborenen 38-Jährigen sein, die er als Störfaktor sieht, welche Ärgernisse verursache, weil sie mit ihren teils radikalen Forderungen aneckt. Unter dem Strich erweist sich der komplette Vorgang als eine Mischung aus einem allerhöchstens marginal und fahrlässig begangenen Formalfehler, der ablenken soll von augenscheinlicher Abrechnung mit der engagierten Mutter, die als unabhängige, medienaffine und erfolgreiche Kämpferin für den Erhalt von Identität, Heimat oder Nationalstolz eine Menge Merker auf den Plan rufen dürfte. Mit ihrer emotionalen, leidenschaftlichen und unverhohlenen Art liefert sie kaum einen Anknüpfungspunkt, der über Geringfügigkeit hinausgeht. Sollten sich ihre Widersache durchsetzen, bedeutet das in erster Linie keinen persönlichen, sondern einen Ansehensverlust der Alternative für Deutschland zwischen Lech, Wertach und Singold.