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Wenn eine Gender-Akademikerin Palästina likt, ist Judenfeindlichkeit nicht weit!

Kommentar von Dennis Riehle

Es gibt kaum einen Konflikt, bei dessen Beurteilung man sich derart in die Nesseln setzen kann, wie beim Krieg zwischen Israel und der palästinensischen Hamas. Es liegt nicht zuletzt an dem fehlenden Wissen über die konkrete Bedeutung des Antisemitismus, der nicht selten zu großen Missverständnissen und Vorurteilen führt. Immerhin ist es gerade auch unter freundschaftlich verbundenen Nationen eine Tugend, ehrlich und offen miteinander umzugehen. Nach dem barbarischen Überfall der Islamisten am 7. Oktober 2023 war das Entsetzen und der loyale Schulterschluss mit Jerusalem größer als zuvor. Und das war auch vollkommen richtig so. Konsens schien in diesem Augenblick, dass jedwede Form von Terrorismus auf das Schärfste zu verurteilen ist – und sich durch nichts rechtfertigen lässt. Insbesondere die Perfidität, die die Angreifer in sich trugen, um Menschen zu schänden – und ihre dabei begangene Bestialität vor der Weltöffentlichkeit zur Schau stellten, haben zu einem internationalen Entsetzen geführt. Doch nach der Vergeltungsaktion im Gaza-Streifen, die auch weiterhin täglich Opfer fordert, schienen sich die ersten Verbündeten auf die andere Seite zu stellen. Gerade, weil ich viele Freunde im Heiligen Land kenne, die hebräische Sprache erlernt habe und darüber hinaus größte Ehrfurcht vor dem habe, was dieses geschundene Volk gerade nach dem durchlittenen Holocaust an gesellschaftlicher, kultureller und wirtschaftlicher Entwicklung an den Tag legte – und sogar die Größe aufbrachte, im Angesicht der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft nicht nur zu verzeihen und zu vergeben, sondern sich sogar zu einer Versöhnung bereit zu erklären, fällt es mir nicht leicht, mich genügend adäquat zu positionieren.

Schlussendlich brauche ich keine deutsche Räson, um zu dem unmissverständlichen Bekenntnis der Souveränität, Freiheit und Unverletzlichkeit des jüdischen Staates zu kommen. Dies gilt für jedes eigenständige Land auf diesem Globus. Und doch komme ich nicht umhin, aufgrund der Eindrücke aus den Medien und den Erzählungen von Betroffenen im umkämpften Küstenstreifen an der Verhältnismäßigkeit, Angemessenheit und Punktgenauigkeit dessen zu zweifeln, was die israelische Armee derzeit vollführt. Unbestritten ist für mich, dass man sich gegen gewalttätige Extremisten wehren kann, soll und darf. Diesbezüglich gibt es auch rechtlich gar keinen Einwand. Insofern geht es mir allein um die Frage, ob Netanjahu angesichts der Tatsache, dass es sich um eines der am dichtesten besiedelten Gebiete auf diesem Erdball handelt, mit genügend Präzision vorgeht, um so gut wie möglich zivile Unbeteiligte zu vermeiden. Denn nach den Nachrichten darüber, dass man in der Schießwütigkeit bisweilen auch eigene Soldaten trifft – und den sich häufenden Meldungen über den wiederkehrenden Beschuss von eindeutig als nicht-militärisch genutzten Märkten, Flüchtlingslagern und Kliniken, kann man mittlerweile nur noch wenig glaubhaft argumentieren, dass es sich dabei um bloße „Kollateralschäden“ handelt. So ist es immer öfter die Bevölkerung, die vor allem in Tel Aviv auf die Straßen geht – und an der Strategie und dem Konzept des Vorgehens ihres Regierungschefs mit wachsendem Nachdruck scharfe Kritik übt. Genau das ist auch legitim und notwendig. Es hat nichts mit einem Hass auf eine Glaubensrichtung, Ethnie oder Spezies zu tun, wenn man das politische Agieren ihrer Anführer bemängelt.

Ein solcher Rassismus liegt explizit nicht vor, sollte man die notwendige Differenzierung zwischen weltanschaulichem Handeln einer Regierung einerseits – und der unantastbaren Würde, Gleichheit und Integrität eines Verbundes allein aufgrund seiner Stammeszugehörigkeit vornehmen. Doch gerade diese Unterscheidung gelingt immer weniger Menschen, die in einer reflexartigen Vertauschung der Rollen den Täter plötzlich ausschließlich auf der Seite des gelobten Landes ausmachen. Man braucht nicht viel an Deutungskraft, wenn man zu dem Ergebnis gelangt, dass es die Dschihadisten genau auf diese Wendung angelegt haben – und mit ihrem Plan eine Falle stellten, in die ihr Feind bedauerlicherweise hineingetappt ist. Und so verfällt auch eine deutsche Uni-Rektorin der offenbaren Versuchung, kurzerhand in den Modus des Antizionismus überzugehen – weil man sich verständlicherweise mit dem Schicksal der Leidenden solidarisiert, die uns aktuell über die TV-Bildschirme in die Wohnzimmer getragen werden. Und weil es die Präsenz dieser Eindrücke ist, die gleichzeitig die Geschehnisse aus dem vergangenen Herbst in den Hintergrund treten lassen, scheint der reflexartige Klick auf ein Herz in den Sozialen Medien leichter zu fallen denn je. Daher sind die Anwürfe gegen die Präsidentin der TU in Berlin allzu gerechtfertigt, die in einer gewissen Einfachheit etwas gelikt hat, was die nötige Nuancierung vermissen ließ – und ihr am Ende die Unterstellung einbrachte, sich mit etwas gemein zu machen, was für den außenstehenden Betrachter unzweifelhaft aus xenophober, religiophober und anthrophober Herkunft stammend erkannt werden konnte. 

Es muss schon einigermaßen befremdlich daherkommen, wenn man in der aktuellen Phase der Geschichte die zweifelsohne seit viel zu langer Zeit im Raum stehende Auseinandersetzung über die Gründung und Anerkennung eines palästinensischen Hoheitsgebietes in allzu laxer Schnelligkeit zur Entscheidung bringen möchte. Zwar distanzierte sich die Akademikerin nach einem lauten Aufschrei von der Fürsprache für einen Post auf X, der in seinem Inhalt und der Forderung nach Autonomie der bereits vor Jahrtausenden angesiedelten Philister zwar diskutabel ist – aber gleichzeitig einer Quelle entsprang, deren immanenter und hetzerischer Judenhass unübersehbar war. Natürlich weiß man in diesen Tagen um die Dynamik und die Reizüberflutung des Internets, in dem man deshalb manch eine Veröffentlichung nurmehr querliest – ohne vielleicht die ganze Tiefe, den Umfang und die Konsequenz vollständig erfasst zu haben. Doch weil es sich bei Geraldine Rauch unverkennbar um eine Persönlichkeit handelt, die einer linkswoken Ideologie anhängt, fällt es mir einigermaßen schwer, ihre Erklärung und Entschuldigung anzunehmen. Denn nicht nur durch Greta Thunberg wissen wir um eine immanente Verknüpfung zwischen der Verachtung des Semitischen und einer trotzkischen Gesinnung. Deshalb ist ihr Zurückrudern nur allzu halbherzig, weil sie sich schwer damit tut, sich gänzlich von ihrer Bestätigung für das zu distanzieren, was im Kontext und im Wissen um den Urheber höchst verdächtig bleibt, das Existenzrecht Israels in Frage zu stellen – und deshalb für mich ein inakzeptables Postulat bleibt.

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