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Wenn Trump Präsident ist, wird Deutschland endlich zu mehr Souveränität verdonnert!

Die völlig falsche Reaktion auf die Ankündigung von Donald Trump wäre es nun, wenn die deutsche Bundesregierung in einer Unterwürfigkeit unter Amerika damit beginnen würde, ihre Zahlungen an die NATO weiter zu erhöhen – um damit dem Wunsch eines potenziellen Präsidentschaftskandidaten der USA gerecht zu werden, der mittlerweile etwas laut ausspricht, was die naiven und gutgläubigen Bündnistreuen in der Bundesrepublik nicht wahrhaben möchten. Wir haben uns in völliger Verblendung zur transatlantischen Einheit bekennender Amtsinhaber wie Joe Biden und vieler seiner Vorgänger darauf verlassen, dass wir im Zweifel unter der schützenden Hand der Vereinigten Staaten stehen. In dieser Bequemlichkeit haben wir Unsummen in die Ukraine fließen lassen – statt in unsere eigene Verteidigungsfähigkeit zu investieren.

Bereits vor zwei Jahrzehnten haben wir den politischen Floskeln vertraut, wonach unsere Sicherheit am Hindukusch verteidigt würde. Was für die Kriege im Irak oder Afghanistan nicht galt, ist nun auch mit Blick auf den Konflikt mit Russland einigermaßen obsolet: Die deutsche Freiheit hat im Donbass nichts zu suchen. Und es stünde uns gut zu Gesicht, wenn wir in diesen Tagen davon ablassen, den Dritten Weltkrieg heraufzubeschwören – und uns in rauschartigen Gewaltfantasien zu verstricken. Wir sind nicht der Rächer Kiews, der die Eskalation nach Moskau trägt. Wir sind kein Handlanger und Steigbügelhalter von Selenskyj. Sondern wir sind mittlerweile ein ziemlich blank dastehendes Land inmitten von Europa, das seine Bundeswehr kaputt gespart und seine Munitionslager ausverkauft hat.

Wir müssen endlich aufwachen aus dem Traum der Kategorisierung. Das Aufteilen der Welt in Gut und Böse, in Osten und Westen. Diese Schablonisierungen sind im 21. Jahrhundert auch deshalb hinfällig, weil zahlreiche Global Player vor uns aufgewacht sind – und sich nicht länger von unserer moralisierenden, arroganten und elitären Hochmütigkeit belehren und bevormunden lassen wollen. Stattdessen haben sie erkannt, dass es Zeit wird für eine Neuordnung des Sicherheitsgefüges. Und hierauf müssen wir entsprechend eingehen, indem wir zurückkehren zu dem Gedanken von Neutralität und Unabhängigkeit, von eigener Stärke und Abwehrbereitschaft. Auch wenn ich überhaupt keinen Anhaltspunkt dafür sehe, dass Putin ein Interesse oder gar eine konkrete Ambition in sich hegt, auf hiesiges Territorium vorzudringen, so ist abseits davon der Augenblick gekommen, sich auf den Aufbau neuer bundesdeutscher und europäischer Souveränität zu besinnen. Wir haben uns klein machen lassen, weil wir es in der Erbsünde des Nationalsozialismus noch immer nicht für nötig gehalten haben, in einer patriotischen Heimatliebe zu eigener Kraft zurückzufinden – und uns aus einem Schema zu lösen, das uns lediglich zu einer Dependance und einem Abklatsch vom überväterlichen Wacher Amerika gemacht hat. Es ist nun der Moment, an dem wir uns mit Blick auf die Positionierung in der internationalen Sicherheitsarchitektur auf Unbefangenheit, Wertfreiheit und Indifferenz zurückbesinnen sollten. Die einzige Fürsprache, die von uns ausgehen sollte, richtet sich an uns selbst. Wir können und dürfen Allianzen eine Absage erteilen, die auf Fragilität beruhen – und in denen wir auf die Gutwilligkeit der Partner angewiesen sind. Individuelle Vorbeugung und Abwehrstellung für den Ernstfall sind nötiger denn je. Wir sollten uns als Diplomaten und Brückenbauer einen Namen machen – und darüber hinaus europäische Synergien nutzen, um nach und nach einen autonomen militärischen Puffer auf der Landkarte darzustellen, der sich nach Frieden sehnt, aber mit individuellen Optionen zur Vermeidung von Krieg und Konflikt bereit ist. Ob dazu gegebenenfalls auch der Aufbau bestimmter Waffenarsenale mit nuklearem Unterbau gehört, ist sicherlich eine gemeinschaftliche Überlegung und Debatte wert. Unsere einfältige und simple Überzeugung, wonach es Washington im Bedarfsfall schon richten wird, hätte eigentlich bereits vor der ersten Amtszeit von Trump auf den Komposthaufen der Geschichte gehört. Doch schon damals befand sich Deutschland im ideologischen Dornröschenschlaf.

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