„Das war jetzt ziemlich viel Text“: Die Hybris eines Fabio De Masi schwächt das Vertrauen in die Integrität des gesamten BSW…

Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „BSW-Chef De Masi im Interview: ‚Sahra Wagenknecht wurde zu viel aufgebürdet'“ (aus: „Tagesspiegel“ vom 23.12.2025)

Als Journalist begegnet man in seinem beruflichen Leben diversen Politikern, lernt ihre ganz eigene Art an Charakterlichkeit kennen. Oftmals getrieben von Selbstüberhöhung und Arroganz, sind sie schlicht unnahbar für die breite Bevölkerung. Doch oftmals geschieht diese Distanz nicht etwa aus Schutz vor möglicher Anfeindung, sondern in der tatsächlichen Annahme, man sei ab einem gewissen Moment in der Machthierarchie etwas Besseres. Eigentlich hatte ich als Privatmensch in Erwägung gezogen, im Vorfeld der Landtagswahl von Baden-Württemberg das BSW in meine Abwägung über das Kreuz auf dem Stimmzettel einzubeziehen. Denn ich habe nach einer ernüchternden Erfahrung mit der AfD, aus der ich zu hören bekam, bei kritischen Worten kurzerhand der „Lügenpresse“ zuzugehören, durchaus mit dem Gedanken gespielt, Wagenknechts Bündnis zu favorisieren.

Fabio De Masi tut dem BSW mit seiner wiederholt schnippischen Art keinen Gefallen…

Post von Fabio De Masi auf der Plattform X vom 02.01.2025

Doch eine Frage spielte stets mit: Wie sehr hat man sich von der Linken entfernt, ist zu einer eigenständigen Partei geworden, die ihre Daseinsberechtigung schon allein deshalb hat, weil sie sich anders gibt als beispielsweise die ideologisch durchdrungene Heidi Reichinnek? Mittlerweile scheine ich eine Antwort gefunden zu haben. Geholfen hat dabei der Co-Vorsitzende Fabio De Masi. In einem Post auf der Plattform X nahm er am 02.01.2026 zu einem Artikel von „WELT“, einem Porträt über den sachsen-anhaltinischen Spitzenkandidaten der Alternative für Deutschland, Ulrich Siegmund, Stellung. Er kommentierte: „Die AfD stellt ihr Sofortprogramm zur Volksverdummung vor. Die Schulpflicht wollen sie abschaffen! Damit aus dem Land der Dichter und Denker ein Land der Dealer und Dummköpfe wird?“, ohne Berücksichtigung von Kontext und Hintergrund.


Antwort von Fabio de Masi auf der Plattform X vom 02.01.2025

Mir war es deshalb ein Anliegen, auf diese Äußerung zu reagieren. Ich antwortete entsprechend, dass ich mir nur schwer vorstellen könne, wie ich jemandem mein Vertrauen schenken soll, der derart „verkürzende Polemik, eine vor Voreingenommenheit triefende Aversion, schlicht plumpes Vokabular“ an den Tag legt, um den Konkurrenten nicht etwa inhaltlich zu stellen, sondern ein paar Kampfbegriffe aus der Mottenkiste zu holen. Die Reaktion des 45-Jährigen ließ nicht lange auf sich warten. De Masi konterte in einer gewohnt hochmütigen Manier: „Das war jetzt ziemlich viel Text dafür, dass Sie nicht einmal erklären was denn tatsächlich gemeint war. Ich helfe aber gerne weiter: Der AfD-Kandidat sagt explizit der will Kinder aus Problemfamilien von der Schulpflicht befreien. Da sage ich nur viel Glück bei der nächsten Kriminalitätsstatistik!“.

Da hat ein Parteichef offenbar Probleme mit Kritikfähigkeit und Umgangsformen…

Ich bedauere sehr, dass ihm offenbar die Bereitschaft fehlt, mehrere zusammenhängende Sätze zu lesen, sie anschließend auch zu verinnerlichen. Wer mit zu vielen Buchstaben überfordert ist, sollte sich überlegen, ob er als Führungsfigur eines orange-violetten Wettbewerbers auf dem Berliner Tableau taugt. Man fühlt sich bei einer solch schnippischen, herablassenden und überheblichen Stilistik tatsächlich an die Demagogie von Abgeordneten wie Luigi Pantisano oder Ferat Koçak erinnert, die für die SED-Nachfolge-Genossen im Bundestag sitzen. Und es ist nicht das erste Mal, dass der studierte Volkswirtschaftler mit Gegenwind derart ruppig umgeht. Im Juni 2024 war er in einer Debatte auf X zu den Ukraine-Waffenlieferungen mehrere Experten persönlich angegangen, musste sich anschließend dem Vorwurf eines „infantilen Tons“ ausgesetzt sehen.

Ganz allgemein blockiert er Nutzer rasch, die ihm bei seiner Argumentation zu Gaza oder der Cum-Ex-Affäre in die Quere kommen. Häufig rechtfertigt er seine Haltung mit der Unterstellung von „Desinformation“, bezeichnet das Weltbild der Diskussionspartner als „niveaulos“, „radikal“ oder „krank“. Ihm wiederum wird deshalb das Prädikat zuteil, immer wieder die Kontrolle zu verlieren und aggressiv um sich zu schlagen. In einer Talkshow im Mai 2024 eskaliert er ein Gespräch zum Schrei-Duell, Journalistenkollege Alexander Wallasch bescheinigte ihm ein „Ego-Shooter“-Verhalten, er entpuppt sich oftmals als schlechter Verlierer. Solche Merkmale können zur Bürde für das BSW werden, denn wohl nicht nur mein Eindruck ist ziemlich abschließend, mein Kreuz andernorts zu setzen, will ich die Republik nicht in die Hände eines Respektlosen legen.

De Masi wird das Bündnis von Sahra Wagenknecht mit seinem AfD-Kurs weiter isolieren…

Dass er sich mit seinem prinzipiellen Argwohn gegenüber der AfD keinesfalls auf Kurs der Parteigründerin befindet, welche erst kürzlich für ihn Platz gemacht hatte, aber wiederholt dazu aufrief, die Brandmauer einzureißen, weil die Verweigerung des Gesprächs mit einem demokratischen Verständnis der Realität nicht vereinbar wäre, vermag ihn nicht zu interessieren. Jetzt sitzt er fest im Sattel, aber reitet in eine ungewisse Zukunft. Denn trotz eines neuen Namens und der Regierungsbeteiligung, beispielsweise in Brandenburg, wird sich das Schicksal des künftig als „Bündnis für soziale Gerechtigkeit und wirtschaftliche Vernunft“ fungierenden Projekts unter anderem auch daran entscheiden, ob man sich reflexartig auf die Seite jener schlägt, die ihre Widersacher verbieten und mundtot machen wollen, statt ihnen sachlich zu begegnen.

Zum Abschluss noch ein Gedanke dazu, was Ulrich Siegmund mit seinem Vorstoß der Bildungspflicht gemeint haben dürfte: Wir sind in einer Epoche angelangt, in der Skepsis gegenüber staatlichen Institutionen regelhaft werden sollte. Dass sich in Klassenzimmern und auf Pausenhöfen mittlerweile nicht nur Mobbing abspielt, sondern pure Gewalt, ist nur ein Aspekt von vielen, warum Eltern durchaus berechtigt darüber nachdenken, ob Unterricht zu Hause oder in privaten Einrichtungen nicht effektiver ist. In einem geschützten Rahmen, weder dominiert von fehlenden Deutschkenntnissen einer Mehrheit, noch vom unterschiedlichen Lerntempo einer höchst diversifizierten Gruppe. Natürlich kann man einwenden, dass damit Standards und Vergleichbarkeit wegfielen. Doch wer Multikulti ermöglicht, muss auch mit dieser Konsequenz leben.