Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „‚Methoden wie bei der Stasi‘: AfD-Bundespolitiker will Strafanzeige wegen Unterschlagung stellen“ (aus: „Volksstimme“ vom 22.01.2026)
Man dürfe es nicht überbewerten, lese ich in diesen Tagen immer wieder, wenn ich nach vielen Monaten wohlwollender und fairer Berichterstattung über die AfD mittlerweile hart angegangen werde, von Repräsentanten oder dem Vorfeld dieser Partei, welcher ich auch weiterhin zutraue, tatsächliche Veränderung in Deutschland herbeizuführen. Da wird im Zweifel bagatellisiert und relativiert, Versuche der Einschüchterung klein geredet. Obwohl ich hunderte Artikel und Porträts über ihre Politik und Mandatare verfasst habe, wurde ich fast ausschließlich mit Ignoranz bedacht, teilweise sogar unter dem Oberbegriff der „Lügenpresse“ subsumiert. Jüngst versuchte man, auf meine Berichterstattung Einfluss zu nehmen. Es ist nicht das erste Mal, dass mich bedrohlich wirkende Nachrichten erreichen. Schon in der Vergangenheit, als ich mich beispielsweise mit Kritikern in den eigenen Reihen solidarisierte, wollte man meine Kommentierung unterbinden. So habe ich mit der Zeit meinen überaus naiven Blick auf eine Kraft geändert, die manch einen Missstand nur durch den laufenden Wahlkampf unterhalb der öffentlichen Wahrnehmung halten kann.
Das Einfordern von Linientreue und Konformität nimmt teils sektiererische Züge an…
Da wird an Zusammenhalt appelliert, gerade in der Aussicht auf einen potenziellen Ministerpräsidentenposten in Sachsen-Anhalt dürfe es keinen Widerspruch geben, um die Einheit zu sichern. Doch ich fühle mich als Vertreter der Medien nicht daran gebunden, was intern als Richtschnur ausgegeben wird. Und so interessiere ich mich durchaus, was hinter den Schlagzeilen stecken könnte, dass beispielsweise Teile des Landesvorstands in Magdeburg durch den Bundestagsabgeordneten Jan Wenzel Schmidt einer „Pokerrunde“ zugeordnet werden, die sich falsche Abrechnungen, Vetternwirtschaft und Betrug geleistet haben soll. Zwar fehlt es bislang an den angekündigten Beweisen, die ab Januar 2026 hätten vorgelegt werden sollen. Und natürlich gilt die Unschuldsvermutung in alle Richtungen. Doch auch mich erreichten über die Zeit hinweg mehr als 100 Seiten an Interna von anonymen Absendern, aus denen durchaus hervorgeht, dass quer durch die Republik nicht alles Tansanit ist, was blau glänzt. Mit Regeln und Vorschriften scheint man es nicht ganz so ernst zu nehmen, sollen Funktionen nicht durch Wahl, sondern Ernennung besetzt worden sein.
Missstände gibt es in jeder Partei, doch die AfD steht als Alternative unter Erwartungsdruck…
Schiefstände gibt es überall, wo Menschen sich treffen, die auf die Macht hinarbeiten. Sie wären auch nicht weiter dramatisch, würde man sich ihnen selbstreflektierend stellen. Doch davon kann keine Rede sein. In den Echokammern wird jeder, der nicht linientreu und konformistisch Applaus klatscht, rasch zum Nestbeschmutzer degradiert. Man verbietet sich jede Form der Gegenrede, verweist auf die vermeintlich hehre Ambition, die im Vordergrund stehen soll. Doch ein solches Totschlagargument kann nicht ziehen, will man tatsächlich eine Option zum etablierten System sein, dem man allzu oft Repression und Unterdrückung vorwirft, aber mit Dissidenten in den eigenen Reihen kaum anders umgeht. Besonders hart trifft es die Aussteiger. Dirk Spaniel saß von 2021 bis 2023 im Berliner Plenum, warf sodann das Handtuch wegen zunehmender Radikalisierung, sprach von Machenschaften, einem einseitigen Ruck in Richtung fremdenfeindlicher Tendenzen. Ähnlich äußerte sich das ehemalige Landtagsmitglied Christopher Emden aus Niedersachsen, der Rassismus, Abgründe und Extreme beklagte. Auch Lars Patrick Berg formulierte gleichlautenden Vorhalt.
Die Geschichten gleichen sich, die Vorwürfe häufen sich: Alles nur Nestbeschmutzung?
Der Europaabgeordnete sah undemokratisches Verhalten, schon im April 2024 hatte Thomas Seitz als ein uralter „AfDler“ ein „Gefühl des puren Enkels“ ausgedrückt, seien die Rivalitäten unerträglich geworden. Von gemeinschaftlichem Geist war offenbar nichts mehr zu spüren, stattdessen ging es um den Anwurf von totalitären Verhältnissen. Uwe Witt, einst im Bundestag sitzend, monierte von Schleswig-Holstein aus, dass es zu Grenzüberschreitungen gekommen sei. Immer wieder wird die Partei der unterwanderten Strukturen bezichtigt. Und man könnte all das als bloße Racheakte, als Verrat und Retourkutsche auffassen, würden sich die Erzählungen nicht gleichen. Zirkel um die einflussreichen Positionen scheinen sich festgesetzt zu haben, ein Vakuum dürfte bislang größere Distanzierungen verhindern. Dennoch sind die Narrative kein Ruhmesblatt, sondern sollten Anlass zur Sorge geben. Ich beobachte die Entwicklung mit einem betrübten und gedrückten Sinn, habe ich doch erfahren, wie rigoros man jene fallen lässt, ihnen bedarfsweise in die Parade fährt, die sich nicht gänzlich in den Dienst einer mittlerweile fragwürdigen Sache stellen.







