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Die Entwicklung des Journalismus in unserem Land ist bedrückend!

Als Journalist bedrückt mich der Umstand, dass Presseschaffende in diesen Tagen völlig zu Recht einen nicht besonders guten Ruf genießen. Denn eine sehr dominante Anzahl von Kollegen vermag es nicht, dem Berufsethos oder den Publizistischen Grundsätzen als Selbstverpflichtung eines jeden, der die Öffentlichkeit informiert, auch nur in Ansätzen gerecht zu werden. Ob es nun der Anspruch an Sorgfalt, Vollständigkeit und Unvoreingenommenheit ist – oder die prinzipielle Distanz, Kritik und Skepsis gegenüber den Regierenden und dem Zeitgeist: Wer sich wiederkehrend einem Auftrag zum Transport einer wohlwollenden, unterstützenden oder rechtfertigenden Botschaft für das derzeit tölpelhafte Agieren von politisch Verantwortlichen verschreibt – und dabei selbst nicht vor penetranter parteilicher Anbiederung und Fürsprache zurückschreckt, hat den Job offenkundig verlernt oder gar gänzlich verfehlt.

Die Öffentlich-Rechtlichen sind mittlerweile zu einem Staatsmedium verkommen, welches sich vornehmlich zur Aufgabe gemacht hat, ein autokratisches Informationsmonopol des Establishments zu verbreiten und zu schützen. Man hat sich eingelassen auf eine Kanalisierung und Fokussierung der Berichterstattung und Kommentierung, welche nur noch selten darüber hinwegkommt, den Berliner Elfenbeinturm für seine – dem Willen der majoritären Bevölkerungsteile widersprechende – Agenda zu verteidigen. So hat man sich beispielsweise zu einem Steigbügelhalter im Rahmen der sogenannten „Demonstrationen für die Demokratie“ gemacht, als man ohne jedes ordentliche Misstrauen die Behauptung eines Recherchezentrums aufgegriffen und in die Welt getragen hat, von dem man seit langem wusste, dass es nicht nur der Ampel nahesteht, sondern vor allem auch durch Fördergelder des Bundes maßgeblich am Leben gehalten wird – und daher nicht neutral sein kann.

Auch zahlreiche andere Beispiele zeigen deutlich: Die Akribie, die in der Sammlung und Weitergabe von Meldungen und Schlagzeilen erforderlich ist, scheint heutzutage nicht nur den Fernsehsendern abhandengekommen zu sein, sondern auch vielen Zeitungen und Magazinen, die über die Jahre hinweg durch einen Linksdrall auf die Bahn des Mainstreams gelangten – ohne sich dabei aber des Ansehensverlusts und der Subjektivität ihres Gebarens bewusst zu werden, mit dem sie eben auch diejenigen beschmutzen und in ihrer Ehre kollektiv herabzuwürdigen bereit sind, die sich auch weiterhin mit Rückgrat und Weitsicht der Tugend der Unabhängigkeit verschrieben haben. Verblendung und Einseitigkeit steht gerade denen nicht zu, die sich oftmals als „vierte Gewalt“ im Staat bezeichnen – und damit auch auf den Umstand hinweisen, wonach es noch immer die großen Medienanstalten sind, die massiven Einfluss auf die Meinung derjenigen Allgemeinheit haben, die sich in der Homogenität der Selbstbeweihräucherung gut aufgehoben fühlen.

Und jetzt soll der Verbraucher erneut mehr dafür zahlen, dass „zufällig vorbeikommende“ Passanten mit einer ellenlange Liste an Parteifunktionen oder gar einer Volontärs-Vergangenheit im eigenen Haus zu suggestiv gestellten Fragen die gewünschten Statements abgeben? Dass man ihn Dauerschleife mit der Schuld am Klimawandel und den in der Schublade liegenden Nachrichten über den erneut heißesten Monaten seit 125.000 Jahren, aber mindestens seit Beginn der Aufzeichnungen, berieselt wird? Mit der Warnung vor dem Untergang des Abendlandes und der Notwendigkeit zur Zensur und Strafbarkeit des nicht Strafbaren? Mit dem Appell zum Protest „gegen rechts“? Mit dem Mehrwert einer Bundesrepublik, in der Selbstbestimmung, Toleranz und Antidiskriminierung mittlerweile eine Unterordnung der Mehrheit unter die Minderheit einfordern? Mit der endlosen Solidarität für alle Verfechter unserer Freiheit – ob nun in der Ukraine, im Nahen Osten oder im Roten Meer? Mit dem Igitt zu Heimat, Kultur und Werten? Mit dem Slogan „Wir schaffen das!“? Mit dem Credo der Bereicherung unserer Zivilisation durch regellose Immigration? Mit dem Narrativ der Erneuerbaren?

Weshalb es so weit kommen konnte, ist unter anderem auch mit einer immer größeren Unterjochung der Intendanzen und Chefredakteure verbunden, die sich darüber bewusst sind, in Form der Rundfunkgebühren oder der Presseförderung am finanziellen Tropf der Mächtigen zu hängen. Und die natürlich nicht auf manchen Komfort in ihren heiligen Hallen der Funkhäuser verzichten wollen. Gleichsam ist es der Schreiberling an der Basis, der seine Familie ernähren muss – und daher sein Gewissen und seine Seele opfert, um im Zweifel auch Texte zu schreiben, die gegen seine grundlegenden Überzeugungen gerichtet sind. Oder der darauf hofft, dass er mit einer genehmen Formulierung seiner Artikel auf der im Journalismus ohnehin schwierigen Karriereleiter aufsteigen kann. Aber es sind auch immer mehr Kollegen, die sich selbst einer woken Weltanschauung verpflichtet fühlen – und im Einklang mit ihrer auf einheitlichen Kurs eingestimmten Leserschaft Vernunft und Verstand zurückzustellen bereit sind, welchen es schlichtweg egal ist, was sie einst in ihrer Qualifizierung an Standards mit auf den Weg bekommen haben. Denn was will der Kolumnist von Welt schon mit Aufrichtigkeit anfangen, wenn man doch mit Haltung sehr viel mehr an Applaus in Wackel-Dackel-Manier nickender und zustimmender Konsumenten erwarten kann. Auf die Idee, dass in Zeiten knapper Kassen auch der ÖRR sparen muss, kommt niemand. Stattdessen will uns die Tagesschau in ihrer sich zugesprochenen Deutungshoheit über die Empfehlung der Kommission zur Erhöhung des zwangsweise erhobenen Rundfunkbeitrags weismachen, dass die Anhebung im Vergleich zur Inflation derart gering ist, dass wir letztendlich mehr Brutto vom Netto im Portemonnaie haben. Und wieder bedient man sich damit des Argumentationsmusters der Oberen: „Wir wollen ja nicht mehr vom Geld des Bürgers, sondern einfach nur weniger als gedacht!“. Man fragt sich in diesen Tagen, wofür wir einen Saarländischen Rundfunk und ein Radio Bremen mit eigenen Strukturen benötigen, wenn man sie doch in den SWR beziehungsweise in den NDR eingliedern könnte. Warum eine Talkshow-Moderatorin, ein Programmdirekter oder ein Satiriker fünf- oder sechsstellige Gehälter für das Gespräch mit den immer selben, ein Dauerabonnement besitzenden Politikern, für Leierkastenwerbung à la „So schlecht macht es der Bundeskanzler doch gar nicht!“ oder einen „überspitzten“ Aufruf zum Keulen von Nazis bekommen? Warum man in sämtlichen Genres präsent sein muss, wenn man sich doch eigentlich auf Kernkompetenzen besinnen könnte? Weshalb jeder einzelne Sender eine Vielzahl von Außensitzen, Studios und Korrespondentenbüros braucht? Wofür ein Bundesland fünf verschiedene Radiokanäle aufrechterhält? Wieso man Nischensparten nicht einstellen und im gleichen Zug auch ARD und ZDF verschmelzen sollte? Wieso man Sendungen am Leben lässt, die totgeritten sind? Warum man jungspundige Wuschelköpfe ihre Beziehung zu Klimaaktivisten auf offener Bühne durchblicken lässt? Nein, für all das darf es keinen Cent zusätzlich geben. Die Ministerpräsidenten haben es nun in der Hand – und sollten sich bewusst sein, dass in diesem Jahr noch mehrere Wahlen anstehen.

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