Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „Politische Säuberung auf dem Stimmzettel: Staat und Kirche entziehen Bürgern das passive Wahlrecht“ (aus: „Tichys Einblick“ vom 26.08.2025)
Mittlerweile mutet Deutschland in Teilen wie ein hysterischer Kindergarten an, scheinen nicht nur „Omas gegen rechts“ nahezu an jeder Straßenecke einen Nazi zu halluzinieren. Und normalerweise könnte man sich lustig machen über eine Panik vor der AfD, hätte sie nicht längst auch die Gewalten und unsere gesamte Gesellschaft infiziert. Gerichte schließen – wie aktuell in Ludwigshafen geschehen – Kandidaten für Wahlen wegen der Parteimitgliedschaft eines Protagonisten aus, dem durch eine Behörde Verfassungswidrigkeit bescheinigt wird. Im Parlament separiert man die kritische Opposition, eine Brandmauer soll „unsere Demokratie“ schützen. Blau votierende Arbeitnehmer werden durch Dritte bei ihrem Chef angeschwärzt, durch Familien ziehen sich ideologische Gräben. Weisungsgebundene Inlandsgeheimdienste veröffentlichen Gutachten, in denen sich oftmals nicht mehr findet als eine zusammenhanglose Aneinanderreihung unbedeutender Zitate.
Die Konfessionen als ideologischer Steigbügelhalter gegen rechts!
Und wäre all das nicht schon genug, werden Nichtregierungsorganisationen und andere Lobbyverbände finanziell massiv für ihren Protest gefördert, um gegen jene auf die Straße zu gehen, die auch schon in der DDR unterdrückt und unter Beobachtung des Staates gestellt wurden. Auf den Zug aufgesprungen ist längst auch die Kirche, die nicht zum ersten Mal in der Historie zu einem Handlanger mutiert, distanziert sie sich immer deutlicher von einem selbst denkenden und eigens entscheidenden Souverän, der sich nicht etwa vor Bischöfen und Pfarrern für sein Kreuz auf dem Stimmzettel rechtfertigen muss. Sondern über den in der Bibel bereits geschrieben wurde: „Denn es ist kein Ansehen der Person vor Gott“ (Römer 2,11). Heruntergebrochen auf die weltliche Ordnung, könnte man wie das Grundgesetz auch formulieren: „Niemand darf wegen […] seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden“.
Und trotzdem agitieren die großen Konfessionen weiter, lassen sich vor den Karren der Demagogie spannen. In einem jüngsten Artikel auf der Plattform katholisch.de veröffentlicht Kolumnist Dominik Blum seinen Standpunkt unter der Überschrift „Die Kirche muss ich jetzt der AfD entgegenstellen“. Ohne Not und Scham stellt er Vergleiche zur dunklen Vergangenheit auf. Er schreibt: „Heute vor 92 Jahren erschien die erste Liste, mit der 1933 das Nazi-Regime Menschen die deutsche Staatsbürgerschaft entzog. Darauf standen 33 Künstler und Politiker, unter ihnen Heinrich Mann und Kurt Tucholsky und der SPD-Politiker Philipp Scheidemann. Nicht anders erging es später etwa Hanna Arendt und Willy Brandt oder Albert Einstein. Lange her?! Die Idee des völkischen Nationalismus ist, [was die AfD] unter ‚Remigration‘ versteht. Oder mit dem Aufkleber, den ich kürzlich an einem AfD-Stand auf dem Wochenmarkt fand: ‚Meine Heimat teile ich mit niemandem'“.
Von Naziwahn geplagt: Wie Katholiken ein Halleluja gegen die AfD anstimmen!
Wir sind also nicht weit davon entfernt, in einer tatsächlich paranoid wirkenden Geisteshaltung zu der Überzeugung zu gelangen, am Horizont etabliere sich ein Revival der NSDAP, hatte doch bereits die einstige SPD-Vorsitzende Saskia Esken im österreichischen Fernsehen hanebüchene Äußerungen im Duktus der Parallelisierung von Weidel und Goebbels getätigt, Klingbeil sprang ihr bei. Aber wie ist das nun eigentlich mit dem Thema Migration in der Heiligen Schrift? Insbesondere das Gleichnis des Barmherzigen Samariters gibt uns eine Auskunft darüber, wie wir Nächstenliebe tatsächlich verstehen sollen. Zwar ist die Agape des Herrn gegenüber jedem Erdenbürger gleich. Doch in irdischen Verhältnissen lässt sich nicht erwarten, dass sich die Menschen untereinander ohne jeglichen Vorbehalt in die Arme schließen. Sondern zunächst einmal demjenigen Hilfe und Unterstützung gewähren, der in der eigenen Gruppe unter Armut, Not und Bedrängnis leidet.
Dieses Vorrangigkeitsgebot besagt in der Konsequenz, dass dem „Auswärtigen“ erst dann mit übrig gebliebenen Ressourcen und Mitteln Obdach wie Unterschlupf zuteilwerden sollen, ist das hiesige Volk hinreichend versorgt. Multikulturalismus im Sinne von Vielfalt und Toleranz, wie sich das eine bunte Schar der Wokeness so gern wünscht, entspricht nicht der Ordnung, die die Schöpfung für uns vorgesehen hat. Blickt man auf das 5. Buch Mose, so lässt sich dort die unmissverständlich Aussage entnehmen: „Der höchste Gott gab jedem Volk ein Land und teilte die Erde unter ihnen auf. Er zog die Grenzen dabei so, dass Israel genügend Land bekam“ (Kapitel 32, Vers 8). Immer wieder wird auch die Weihnachtsgeschichte als Beispiel für Völkerwanderungen herangezogen, suchten Maria und Josef aber nicht etwa eine dauerhafte Behausung, sondern kehrten in ihre Heimat zurück, um sich zählen zu lassen. Wenngleich es reizvoll sein mag, sind derartige Assoziationen leichtfertig.
Auch die Weihnachtsgeschichte ist völlig ungeeignet, illegale Migration zu rechtfertigen!
Die Schwangere und ihr Mann waren nicht etwa aus vermeintlich politischer Verfolgung oder gar der Ambition zum Einsickern in fremde Sozialsysteme aufgebrochen. Wer die Gründe für ein temporäres Reisen mit dem bewussten Entschluss zum Aufsuchen eines neuen Lebensraums in Erwartung wohlständiger Verhältnisse mischt, um gleichzeitig zu suggerieren, dass viele Migranten lediglich vorübergehend bei uns Sicherheit und Aufenthalt erbitten, verdrängt die Zahlen. 55 Prozent der Ausreisepflichtigen mit einer Duldung sind mittlerweile seit mehr als fünf Jahren bei uns. Und oftmals sind die Absichten nicht hehr, scheint die Integrationswilligkeit nachzulassen. War 2016 rund ein Drittel der erwerbstätigen Flüchtlinge in einem Sprachkurs, fiel dieser Anteil schon 2019 auf unter 10 Prozent. Sich gar zu assimilieren, kommt für viele Ansässige wohl ebenso nicht in Frage, obwohl gerade dies nach 1. Könige 11,2 erwartbar wäre, nehmen wir jemanden bei uns auf.
„Geht nicht zu [fremden, feindlichen Völkern, Anm. d.A.] und lasst sie nicht zu euch kommen; sie werden gewiss eure Herzen ihren Göttern zuneigen“, heißt es dort. Wir sollen uns also fernhalten von jenen, die beispielsweise beabsichtigen, aus dem Okzident einen Orient zu machen. Auf Hamburgs Straßen wird für ein Kalifat protestiert, laut Christian Wulff gehört der Islam zu Deutschland. In einem Interview mit der „taz“ erklärte der frühere Justitiar für den türkischen Verband Ditib, Murat Kayman: „Die größte Herausforderung für uns Muslime ist es gegenwärtig, eine Antwort auf die Frage zu finden, wie wir mit jenen umgehen wollen, die nicht so glauben wollen wie wir“. Sind wir also schon auf direktem Wege in Richtung Unterwerfung? Und kann dies im Sinne des Christentums sein, wenn doch das Johannesevangelium die mahnende Botschaft „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater als nur durch mich!“ (Kapitel 14, Vers 6) spricht?