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Und jetzt alle im Chor: „Die AfD hat einen schweren Dämpfer erlitten!“

Kommentar von Dennis Riehle

In Thüringen geht die blanke Angst um – zumindest unter den etablierten Kräften und ihren Mettbrötchen-Fetischisten. Denn während sich Ministerpräsident Ramelow gar nicht oft genug der CDU anbiedern kann, um im Zweifel sicherzustellen, dass eine Koalition zwischen Schwarz und Dunkelrot zustandekommt, sind es wiederum meine Kollegen Haltungsjournalisten, die sich einer jeglichen moralischen und sittlichen Grundsätzen der Öffentlichkeitsarbeit widerstrebenden Manier der Tendenziösität, Voreingenommenheit und Subjektivität hingeben – um sich mit Vehemenz am gutmenschlichen Kartell gegen die AfD zu beteiligen. Da ist es nun Reporter Marcel Görmann, der in einem Regionalportal seine Sicht auf die vergangene Kommunalwahl zum Besten gibt, welches sich nicht erst in den vergangenen Wochen als ein Sprachrohr des Linksradikalismus entpuppt hat. In einer bis zur Unkenntlichkeit jedes Berufsethos weichgespülten Dreistigkeit versucht er mit einem hilflosen Umsichschlagen, einigermaßen unmissverständliche Ergebnisse in seiner höchst eindimensionalen Perspektive so lange zu missdeuten, bis der Sieger des Abends letztlich als der Verlierer dasteht. Man könne es aus seinem Blickwinkel heraus nicht „schönreden“, dass Björn Höcke einen deutlichen Dämpfer erlitten habe. Und um dieses Postulat in irgendeiner Weise untermauern oder rechtfertigen zu können, bedient sich auch dieser Kolumnist wiederum einer Lesart, die bereits andere Organe der Presse als Instrument gebrauchten, um eine Schlagzeile zu kreieren, welche die Alternative für Deutschland als den Letztplatzierten dastehen lässt. Dies kann nämlich nur unter der Annahme gelingen, im Vorfeld mit einem Durchmarsch zur absoluten Mehrheit gerechnet zu haben. Ja, wenn man diese Erwartung als Maßstab anlegt, dann haben die Blauen ihr Ziel tatsächlich verfehlt – und müssten sich deprimiert und frustriert die Frage stellen, weshalb sie nicht etwa 20 oder mehr Prozent an Zuwachs geholt haben. 

Dass man gerade mit dieser Argumentation allerdings offenbart, welches Potenzial man der Partei im Augenblick wirklich zutraut, scheint dem Kommentatoren in seiner engstirnigen Abhandlung nicht wirklich bewusst gewesen zu sein. Sollte also der Anknüpfungspunkt die Sorge gewesen sein, dass sich die kritische Opposition nicht erst bei den Abstimmungen zum Landesparlament weit von den anderen Mitbewerbern absetzt, kann man von einem Rückschlag für sie sprechen. Blickt man als verstandsmäßiger Realist allerdings auf die nüchternen Zahlen, so liefert sich die Alternative mit den Christdemokraten ein Kopf-an-Kopf-Rennen – und steht in nicht wenigen Städten und Landkreisen als der unverhohlene Gewinner da. Das teils zweistellige Plus ist in seiner plakativen Unmissverständlichkeit nur von demjenigen zu übersehen, der auf Teufel komm raus die Tatsächlichkeit an seine persönliche Wirklichkeit anpassen möchte. In dieser darf es selbstverständlich keine Konstellation geben, die einen politischen Konkurrenten in Führung sieht, welcher der untertänige und naive Muckraker im Vertrauen auf den Verfassungsschutz als mehr oder wenig gesichert rechtsextremistisch betrachtet. Und da singt Andrea Nahles wieder das Pippi-Langstrumpf-Lied, wenn sich ein weiterer Schreiberling die Welt macht widde widde wie sie ihm gefällt – und trotz mühseliger Tatsachenverdrehung und Täuschungsmanöver nicht über den Punkt hinauskommt, den unverhohlen geäußerten Willen des Souveräns mit allen zur Verfügung stehenden Knüppeln niederzuschlagen. Es reicht schon ein Stück weit an Skepsis, Distanz und Kritik gegenüber den Redaktionsstuben im Lande, um dieses Schauspiel als eine weitere Manipulation, Beeinflussung und Intervention in den Wahlkampf zu entlarven – und zu dem Befund zu gelangen, dass es mittlerweile offenbar nicht einmal mehr der gezielten Unterredung durch die Regierung bedarf, um die Sympathisanten, Handlanger und Steigbügelhalter der herrschenden Klasse auf Linie zu bringen. War man in unserer Zunft einst noch der Wahrhaftigkeit, Sorgfalt und Echtheit – zumindest im ideellen Sinne – verpflichtet und zugewandt, hat sich die Branche zu einem Sammelbecken für Märchenerzähler entwickelt, welches weder vor Volksverdummung noch vor handfesten Lügen zurückschreckt.

Und genau dieser Werkzeuge bedient man sich mittlerweile ohne Unterlass und ungeniert. Denn nur mit ihnen konnte man in den letzten Monaten Skandale inszenieren, die sich beim näheren Abklopfen als eine Luftblase herausstellten – und denen nur noch jener auf den Leim ging, der nicht auch bei der Flugblatt-Affäre um Hubert Aiwanger, der Denunziation der Kabarettistin Monika Gruber oder der Verleumdung von Alice Weidel im Zusammenhang mit ihrer Doktorarbeit rasch auf den Trichter kam, dass die vierte Gewalt ihre informationsmonopolistische Stellung dafür missbrauchte, nicht nur parteiliche Institutionen, sondern auch bekannte Persönlichkeiten durch den Dreck zu ziehen – und sogar ihre wirtschaftliche Existenz zu bedrohen. Aus meiner Warte heraus ist die immer wieder aufgebrachte Forderung, an unseren Schulen auch Medienkompetenz zu vermitteln, ein allzu notwendiger und zeitgemäßer Schritt. Allerdings dürfte dies unter der Prämisse schwierig werden, dass nicht wenige Pädagogen bei uns ebenfalls einer progressiven Gesinnung unterliegen – und damit wohl nicht imstande dazu wären, ihren Schützlingen die Botschaft zu vermitteln, dass man heutzutage sowohl dem ÖRR, aber auch sämtlichen Zeitungen mit einstiger Garantenstellung, Argwohn und Unglaube entgegenbringen sollte. Gleichsam scheint unsere Nachkommenschaft aber deutlich mehr auf Zack zu sein als die ihnen oftmals in ihrer Gewieftheit hinterherhinkenden Publizisten. Denn sie lassen sich nicht mehr beeindrucken von all der Theatralik um den bösen Patriotismus. In einigen Umfragen unter den U18-Jährigen erreicht die AfD in diesen Tagen bis zu 50 Prozent Zustimmung – und sollte sich daher um ihre Zukunft nicht allzu sehr fürchten. Gleichzeitig sei ihr aber anheimgestellt, nicht aus eigener Zerrissenheit und internen Querelen heraus weitere Angriffsflächen zu schaffen, mit deren Hilfe sich neue Affären arrangieren lassen.

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