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Von der Erzählung über die Erderhitzung bis zum Märchen der ausbrennenden Aktivistenseele ist es nicht weit!

Kommentar von Dennis Riehle

Die Jugend von heute ist zu bedauern. In theatralischen Videobotschaften in den sozialen Medien brechen ihre Anhänger in Tränen darüber aus, dass sie sich in der Bewerkstelligung einer 15-Stunden-Woche versucht haben – und am zweiten Tag aus Ermattung abbrechen mussten. Sie fragen die Boomer: „Wie schafft ihr das bloß?“. Zugegeben, ich gehöre noch nicht zu denjenigen, die in den Dekaden nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges mit Motivation, Selbstbewusstsein und Tatendrang die Bundesrepublik wieder aufbauten. Dennoch erinnere auch ich mich selbst gut daran, wie ich bereits zu Schulzeiten mehr als 30 Unterrichtsstunden plus Nachbearbeitung schultern musste – und dies auch über 13 Jahre lang ohne allzu großes Murren durchhielt. Allerdings bin ich auch nicht in einer Familie aufgewachsen, in der man den Nachwuchs in einem antiautoritären Erziehungsstil des 68er-Geistes bis zum Abwinken pamperte – sondern von früh an klarmachte, dass das Leben eben nicht nur ein Zuckerschlecken ist. Und wenn ich im Nachgang auf meine Entwicklung blicke, so hat mich manche Mühe und Not nicht traumatisiert, sondern gestärkt. Dass dies gerade die Fürsprecher in- und außerhalb der „Generation Z“ nicht nachvollziehen können, überrascht indes wohl niemanden so wirklich. Denn sie werden in ihrer Trägheit von jenen umsorgt, die sich in der Politik als ihre gleichaltrigen Repräsentanten in den Reihen der Grünen und Linken für Nachsicht aussprechen – und nicht nur hinsichtlich der Geschlechterauswahl, sondern auch bezüglich der Philosophie über ein erfülltes, bereicherndes und bestätigendes Dasein mehr Selbstbestimmung und Beliebigkeit anmahnen.

Konkret bedeutet dies, sich seinem neuzeitlich als sogenannte „Work-Life-Balance“ bezeichneten Gleichgewicht zwischen Hängematte und Sofa bewusst werden zu dürfen – und bei Bedarf zum freien Entschluss kommen zu können, dass Anstrengung böse ist und im sozialistischen Kontinuum wohl besser von den Anderen erbracht werden sollte. Natürlich sind es nicht alle pubertierenden Heranwachsenden oder Twentys in diesem Land, die sich mit einer solchen Denke gemeinmachen. Ich weiß um viele verantwortungsvolle Bürger dies- und jenseits ihres 20. Lebensjahres, die in Arbeit noch das sehen, was auch ich als den Sinn in Beschäftigung erkenne: Es geht eben nicht nur um den monetären Broterwerb, sondern vor allem um das Erlangen von Eigenständigkeit, Tagesstruktur, Ablenkung, Selbstwirksamkeit, Leidenschaft und Wachstum. Denn ob man als Bürgergeldler, Influencer, Faktenchecker oder Stubenhocker am Ende der Tage wirklich glücklich auf die individuelle Leistungsbilanz sein kann, das mag nicht nur derjenige bezweifeln, dem bei täglich 16-stündigem RTL-Zwei-Genuss bei Chips und koffeeinhaltigen Getränken auf der heimischen Couch keine wirkliche Zufriedenheit entgegenschlägt. Selbstredend ist all das überzeichnet und zum Zwecke der Verdeutlichung auf die Spitze getrieben. Doch wie anders soll man eine gewisse Stupidität einer juvenilen Bevölkerungskohorte illustrieren als durch die Hyperbel und Reflexion einer Grundhaltung, die auf Bequemlichkeit, Inszenierung, Mitgefühl und Dramatik ausgerichtet ist? 

Gleichsam sorge ich mich um unsere Sprösslinge nicht nur aufgrund dieser Einstellung, die von vielen weichgespülten Eltern, Pädagogen, Medien oder Parteien vor allem mit der Traumatisierung der Kleinsten durch die Corona-Pandemie begründet wird. Und es ist auch die Tatsache, dass einige von ihnen wohl tatsächlich eine Alternative zum „Hotel Mama“ darin sehen, sich dem Berufswunsch des Aktivisten zu verschreiben. So sind es Vorbilder wie Luisa Neubauer, Greta Thunberg, Carla Reemtsma oder Carola Rackete, welche Persönlichkeiten wie Goethe, Einstein, Mozart oder Schmidt ersetzen – und die den ehrwürdigen Job als Pilot, Arzt, Lokomotivführer oder Busfahrer als einst erstrebenswerte Rollen verdrängt haben. Und während man damals noch Picasso, Van Gogh oder Klee respektierte und wertschätzte, bewirft man ihre Werke heute mit Kartoffelbrei oder Tomatensauce – und verdient dabei im Zweifel ebenso gut wie beim Festkleben auf der Fahrbahn, beim Besprühen des Brandenburger Tors oder dem Beschmutzen des Demokratie-Denkmals. Dass man bei all diesem Engagement für die Durchschnittstemperatur irgendwann selbst erhitzt und vielleicht körperlich wie geistig nachhaltiger ausbrennt als von Natur aus bereits gegeben, das kann man glauben – man muss es aber nicht. Die Begrifflichkeit des Burnout ist ohnehin durch ihren inflationären Gebrauch und eine schwammige wie dehnbare Umschreibung entzaubert und zu einer Ausrede degradiert worden. Galt es anfangs als ein Zeichen von besonders viel Ehrgeiz und Verbissenheit im Erreichen von ideellen und kommerziellen Zielen, ist es heutzutage nicht ohne Grund vor allem mit fehlender Resilienz und Leidensfähigkeit konnotiert. Denn man muss bei einer kritischen Betrachtung der Hemmschwelle, welche die Widerstandskraft des Menschen definiert, durchaus zu dem Befund gelangen, dass sie im Zeitalter eines die Zivilisation immer stärker entlastenden Fortschritts in der Technologisierung und Digitalisierung gerade nicht weiter steigt, sondern immer weiter abrutscht. Schließlich gilt: Je weniger wir mit Anforderung, Erwartungshaltung und Pflichtbewusstsein konfrontiert sind, umso mehr verrutscht auch der Maßstab für das Zumutbare in einer Gesellschaft. Es mag sein, dass viele Aufgaben heutzutage komplexer und anspruchsvoller werden. Ob dies im Alltag eines professionellen Umweltschützers allerdings auch der Fall ist, will ich dann doch eher bezweifeln. Sie mögen unter ihresgleichen Applaus, Anerkennung, Huldigung und Heroisierung erfahren – weil sie sich märtyrerhaft vor die Feuersbrünste werfen, die unsere Spezies angesichts der Erderhitzung bedrohen. Schlussendlich bringen sie für unser gemeinschaftliches Vorankommen keinen Mehrwert ein. Denn ihnen geht es nicht um das hehre Bewahren unserer Ressourcen oder das angesehene Pflegen unserer Schöpfung. Immerhin ist es die Doppelmoral, die ihr Tun entlarvt: Sie predigen die Gefahr des CO2 für die Atmosphäre – und steigen nur Tage später in den Flieger in Richtung Karibik. Einmal abgesehen davon, dass ihre Naivität bezüglich der Bedeutung des Kohlenstoffdioxids für die Luftschichten das schlechte Abschneiden unserer Schüler in den Naturwissenschaften bestätigt, macht die Scheinheiligkeit auch klar: Wenn wir uns auf die Märchen des erschöpften Weltenretters einlassen, zementieren wir nicht nur die unbelegte These, dass unser Wetter verteidigt werden müsse. Sondern auch die widersinnige Behauptung, dass ökologischer Tätigkeitsdrang eine edle Tugend sei.

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