Ein missglückter Einebnungsversuch: Wie Parteienhopper Robert Crumbach vergeblich rang, das BSW vor der AfD zu warnen!

Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „Robert Crumbach: ‚Ich habe gesagt, ich habe es mit Verrückten zu tun'“ (aus: „ZEIT Online“ vom 18.03.2026)

Sind es Szenen einer gescheiterten Ehe – oder ist es doch eher der klassische Seitensprung, von Anfang an auf Einmaligkeit und Kürze ausgelegt? Über vier Dekaden lang war Robert Crumbach Mitglied der SPD. Der Arbeitsrichter gehörte den Genossen bis Anfang 2024 an, wechselte dann zum Bündnis von Sahra Wagenknecht. Er half beim Aufbau des Landesverbandes in Brandenburg, wurde dortiger Vorsitzender und Spitzenkandidat. Nach dem Urnengang führte er die Fraktion im Parlament von Potsdam an, war im Kabinett Woidke IV Vize-Ministerpräsident und Ressortchef für Finanzen und Europa. Eine steile Karriere, aber wahrlich nicht ohne Brüche. Nach internen Konflikten trat der Gewerkschafter im Januar 2026 wiederum aus dem BSW aus, war kurzzeitig parteilos, kehrte dann in den Schoß der Sozialdemokratie zurück. Kaum war also die Koalition zwischen Rot und Violett-Orange zerbrochen, machte sich der 63-Jährige auf zu alten Ufern, gehört nun also der nächsten Landesregierung an. Dieses Mal zuständig für Planung und Infrastruktur, soll es in einer Allianz mit der CDU klappen. Jedes Fähnchen im Wind scheint gegenüber dieser Wankelmütigkeit stabil zu sein.

Gekränkt, weil das Bemühen der Infiltration augenscheinlich nach hinten losgegangen ist…

Da hat ein Karrierist offenbar versucht, sich als eine Art Brandstifter zu betätigen. Denn mittlerweile kommt ans Tageslicht, welche genauen Ambitionen er im BSW hegte. Er kritisiert die Partei dafür, dass sie mit der AfD paktiere. Ohne wirkliche Belege und Beispiele zu nennen, rückt Crumbach sie in die Nähe von Verschwörungstheoretikern. Da hegt sich ein prinzipieller Argwohn gegen die Alternative für Deutschland, welche die eigentliche Motivation dargestellt haben dürfte, nach einem kurzen Intermezzo die Segel zu streichen. Der Versuch ist misslungen, das Bündnis auf Anpassung zu trimmen. Es ist klar, dass es der vornehmlich um seinen eigenen Vorteil bedachten Politiker offenbar nur darauf abgesehen hatte, aus einem Original eine Kopie zu machen. Er hat größtmögliche Unruhe gebracht, wollte sogar dazu nötigen, allein um Macht und Einfluss willen Vereinbarungen mit der SPD zuzustimmen, die sich eklatant gegen das Programm Wagenknechts gerichtet hätten. Von Ehrlichkeit, Redlichkeit und Aufrichtigkeit ist nichts zu spüren. Stattdessen hat sich ein Opportunist entlarvt, der auf Linie bringen wollte, aber einen Korb bekam.

Geradlinigkeit zu beweisen, das wird dem BSW in Brandenburg langfristig von Vorteil sein…

Es ist ein Ausdruck von Rückgrat, dass sich das brandenburgische BSW nicht hinter die Brandmauer zurückziehen ließ, sondern in anderen Kategorien denkt. Dass er nun mit Wortgewalt um sich schlägt, nicht nur von einem „Irrtum“ spricht, dem er unterlegen sei, sich nahezu bittstellerisch dafür entschuldigt, mit seinem Ausflug einen „großen Fehler“ begangen zu haben, erweist sich als Bankrotterklärung eines klassischen Mitläufers, dem es nie daran gelegen war, sich von Establishment und Elitarismus loszusagen, sondern lediglich eine Option der vielen zu sein, die sich im Gemischtwarenladen „unserer Demokratie“ tummeln. Er ist auf den „Holzweg geraten“, bedauert Crumbach, ruft nahezu verzweifelt nach Läuterung. Als ob er mit Infizierten in Kontakt kam, mit Aussätzigen, die es doch tatsächlich wagten, gegen den Zeitgeist zu schwimmen. Der Vorwurf lautet, die vorübergehende Heimat sei nicht gestaltungswillig gewesen. Was für eine Erwartungshaltung, denn selbst in einer Demokratie ist man nicht um jeden Preis kompromisspflichtig. Wer Sehnsucht danach verspürt, sich lediglich zum Anhängsel zu machen, der ist andernorts besser aufgehoben.

Offenbar wusste Crumbach von Beginn an, dass es allein auf ein Störmanöver hinausläuft…

Wie bizarr, dass seine eigenen Kinder von Anfang an wussten, „das mit dem BSW“ sei „ohnehin nur Quatsch“ gewesen. Da hat sich jemand brave und konforme Sprösslinge erzogen, Es gibt ähnliche Kaliber, die infiltrieren, um den Virus der Mäßigung zu verbreiten. Man denke beispielsweise an Parteienhopper Jörg Meuthen. Schon 1968 beschrieb US-Psychiater Stephen Karpman in seinem „Drama-Dreieck“ ein dysfunktionales Beziehungsmuster, an dem ein Opfer, ein Verfolger und ein Reiter beteiligt sind. Auf den vorliegenden Fall bezogen, würde man also das künftig im Namen von sozialer Gerechtigkeit und wirtschaftlicher Vernunft fungierende Bündnis, deren „Abtrünnige“ in Brandenburg und Crumbach den jeweiligen Rollen zuordnen können. Wer die Funktion des Messias übernimmt, hat ein unbewusstes Bedürfnis nach Kontrolle, Bedeutung und Überlegenheit. Er projiziert eigene Werte von subtiler Unterordnung und vermeintlichem Menschenverstand, will zurück auf den „richtigen“ Kurs bringen. Tatsächlich hinterlässt er einen Falschen-Konsens-Effekt. Man wird gut daran tun, dass solche Störenfriede das Schiff verlassen. Denn sie tragen einen anrüchigen Paternalismus in sich.

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