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Die gegenwärtige Relativierung des Nationalsozialismus ist der Offenbarungseid des linken Antifaschismus!

Kommentar von Dennis Riehle

Manches Opfer des Hilter-Regimes würde sich wohl im Grabe umdrehen, könnte es noch mitbekommen, in welch inflationärem Gebrauch mittlerweile das Prädikat des Nazi an Menschen vergeben wird, die nicht auf Linie der Zeitgeistigkeit sind. Dass man es hierzulande mittlerweile als Kampfbegriff der Wokeness gegen den Konservativismus missbraucht, ist keine Neuigkeit. Und so kann sich jeder geadelt fühlen, der mit einer bewahrenden, bürgerlichen oder heimatverbundenen Gesinnung durch das linke Spektrum mit dieser Begrifflichkeit assoziiert wird. Ein Rechtsextremist ist man heute nicht nur dann, wenn man eine Remigration von ausreisepflichtigen, illegal eingereisten und hier allenfalls geduldeten Migranten fordert. Wenn man eine Transfrau als Mann anspricht. Eine Frühsexualisierung unserer Kinder als übergriffig oder abnormal einschätzt. Sich einer Lockerung des Abtreibungsparagrafen verwehrt. Keine Cannabis-Pflanze auf dem Balkon hat. Wenn man einen „Müller“-Milchreis verzehrt. Den Regenbogen als unsere Nationalflagge ablehnt. Die wirtschaftliche Entwicklung des eigenen Landes über die im Rest der Welt stellt. Wenn man davor warnt, dass der Multikulturalismus lediglich eine Zwischenetappe auf dem Weg von einer identitären Wesenseinheit in die nächste ist. Wenn man zur Überzeugung gelangt, dass der Islam nicht zu Deutschland gehört. Man sich weigert, Sternchen, Binnen-I und Doppelpunkten innerhalb eines Wortes zu verwenden – und das generische Maskulinum als verbindlich für unsere Sprache herausstellt. Man ein Kruzifix in Amtsstuben aufhängt. Mehrmals die Woche Fleisch verzehrt. Verbrenner-Motoren und Ölheizungen benutzt. Lastenfahrrädern und E-Autos eine Absage erteilt. Wärmepumpen, Windpropeller und Photovoltaik-Anlagen als umweltschädlich einstuft. Atomkraft als sichere Energiequelle bezeichnet. Den ÖRR als qualitätslos bewertet. Oder sich nicht als regierungstreue Marionette vom Geheimtreffen am Wannsee beeindrucken lässt.

Es sind die Friedensschwurbler überall auf dem Globus – bis hinein in den Vatikan, die mittlerweile als rechts und Nazi abgetan werden, weil sie dem globalistischen Denken widersprechen, dass die Freiheit im Donbass verteidigt wird. Dass wir uns aufgrund unserer Bündnistreue in eine Abhängigkeit begeben haben, welche mittlerweile so weit reicht, dass wir eine finanzielle Direktleitung nach Kiew gelegt haben – und mit täglich neuen Unsummen dafür sorgen, dass der Krieg gegen Russland weiter eskaliert wird, gilt vor allem deshalb als hehres Verhalten, weil wir noch immer in der Illusion des vergangenen Jahrhunderts verhaftet sind, wir müssten uns als Europa auf die Seite des Westens, auf die Seite der Weltpolizei, auf die Seite der Guten stellen – deren Anspruch es ist, ihre Lebensweise und ihr Verständnis von Demokratie dorthin zu tragen, wo wir nicht willkommen sind oder kaum gebraucht werden. Unser ständiges Bemühen um Intervention scheint auch aus der Vergangenheit zu rühren. Denn in der Erbsünde des Dritten Reiches sehen wir uns genötigt, den Zeigefinger zu erheben. Doch statt uns als neutraler Vermittler einzusetzen, der für Ausgleich und Balance sorgt, beteiligen wir uns an einer weiteren Aufrüstungsspirale, die mittlerweile unsere Politik veranlasst, die Bürger hierzulande in eine Kriegstüchtigkeit zu versetzen. Plötzlich sprechen wir davon, dass Moskau in sieben bis acht Jahren vor Berlin stehen könnte, wollen unser Gesundheitssystem auf die vielen Verletzten einstimmen, die nach einem Angriff Putins auf den Reichstag zu versorgen sind. Wir infiltrieren unseren Kleinsten in der Schule die Affinität zur Bundeswehr, überlegen die Reaktivierung von Zivilschutzbunkern mit Blick auf die mögliche Atombombe, die von Osten kommt. Wir ermutigen unsere Industrie, auf die Produktion von Waffen umzustellen. Wollen mit der Lieferung von Langstreckenraketen einen Flächenbrand provozieren – und haben dabei im Hinterkopf, dass gemäß unseres Grundgesetzes für den Fall des Kriegszustandes eine Verzögerung der Bundestagswahl auf einen Sanktnimmerleinstag möglich wäre. #

Papst Franziskus hat mit seinem eindeutigen Appell – mit Blick auf die Bevölkerung an der Front, zum Beenden von Leiden und Sterben, zum Unterbruch der Gewalt und zur Verständigung -, den eigenen Idealismus, die Rachsucht und das „Auge um Auge“ hintanzustellen, auch deshalb für internationale Furore gesorgt, weil es hohe Geistliche in der Historie waren, die die Verteidigung eines Landes als vereinbar mit der christlichen Lehre bezeichneten. Doch es geht hier nicht um die Frage des Dürfens, sondern um die des Sollens. Wie viele Menschenleben soll man noch opfern, wenn man doch mittlerweile nicht nur in der Ukraine und unter Experten wohl zu der rationalen, ernüchternden und zweifelsohne bitteren Einschätzung gelangt ist, dass eine Entscheidung auf dem Schlachtfeld nicht mehr zugunsten von Kiew ausfallen wird? Insgeheim scheint in Washington, London und Berlin diese Erkenntnis bereits zu der Überlegung geführt zu haben, im Zweifel auch zu einem Kompromiss zu ermutigen, der etwaige Gebietsverluste beinhaltet. Unsere Welt ist kein „Wünsch dir was“, Realitäten sind oftmals enttäuschend. Ihnen sollte man nach Monaten des Abnutzungskonflikts mit einer gewissen Ehrlichkeit begegnen – ohne dabei die grundsätzliche Überzeugung aufgeben zu müssen, dass der Überfall Russlands auf sein Nachbarland zwar aus der Sicht des Kreml durchaus nachvollziehbar war, dennoch unnötig, bestialisch, illegitim, imperialistisch und grausam gewesen ist. Gleichsam tragen auch Selenskyi und all seine Vorgänger eine gewisse Mitverantwortung, die die russophile Stimmung und die Interessen der Bürger gerade entlang der östlichen Grenze seit den Maidan-Aufständen sträflich vernachlässigt haben – und sich mit ihrer Entscheidung zur Zuwendungen Richtung der Europäischen Union und der NATO zumindest gegen mündliche Absprachen von früher gestellt haben. Doch es ist nicht mehr der Zeitpunkt für Schuldzuweisungen. Denn es geht um nichts Anderes als um ein Ende dieser Schlacht, die jeden Tag neu Unschuldige fordert. Und dass es dem höchsten Vertreter einer Religionsgemeinschaft um das Bewahren von Leben geht – und er im Zweifel die Frage nach Gerechtigkeit oder Moral als nachrangig einstuft, ist nur allzu nachvollziehbar und ehrenhaft. Deshalb ist er nicht rechts, sondern dem Gewissen als Christ verpflichtet – dem die Bergpredigt noch etwas bedeutet. Und er ist vor allem Pragmatiker, der die Möglichkeiten zur Beendigung dieses Krieges bereits kurz nach dessen Ausbruch und später im Laufe des Jahres 2022 im Bewusstsein trägt – und diese Chance auf Brückenbau auch deshalb nicht aus den Augen verliert, weil ihm die hohe Kunst der Diplomatie gegeben ist, die zumindest Frau Baerbock nicht beherrscht.

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