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Die sogenannte „Generation Z“ strotzt in vielen Teilen vor einer existenziellen Plan- und Ziellosigkeit!

Philosophischer Laienarbeitskreis weist auf gesamtgesellschaftliche Verantwortung junger Menschen hin

In der Öffentlichkeit wird derzeit darüber diskutiert, ob die sogenannte „Generation Z“ es sich mit Blick auf die Arbeitswelt zu einfach macht – und sich vor Leistung und Anstrengung scheut. Der Leiter des Philosophischen Laienarbeitskreises, Dennis Riehle (Konstanz), äußert sich zu dieser Debatte mit einem Statement, in dem er auf die ethische Verantwortung junger Menschen eingeht:

Für mich war schon zu Schulzeiten völlig normal, dass wir über 30 Unterrichtsstunden pro Woche plus die jeweilige Nachbearbeitung durch Hausaufgaben zu bewältigen hatten. Anschließend habe über viele Jahre hinweg Nachhilfe gegeben und konnte beobachten, wie die Belastungsfähigkeit der jungen Menschen immer weniger wurde. Niemand wäre früher auf die Idee gekommen, bei geregelter Arbeit von einer Ausbeutung zu sprechen. Die Jämmerlichkeit und Bequemlichkeit einer selbsternannten „Generation Z“ – wozu ja insbesondere diejenigen gehören, die im Moment wegen ihrer unzureichenden „Work-Life-Balance“ aufbegehren – sind durchaus das Resultat einer Laissez-Faire-Erziehung, die einen Antiautoritarismus gepredigt hat. Dass es glücklicherweise auch noch viele andere Beispiele an Jugendlichen gibt, die sich ihrer Position im Miteinander bewusst sind und etwas zu geben bereit erscheinen, steht völlig außer Frage. Doch sie sind im Augenblick die Stoiker, welche sich von der Lautstärke der Transformationsbedürftigen überstimmt werden. Die Botschaft vieler Eltern ist es, dass sich ihre Kleinsten nach Belieben und in grenzenloser Freiheit selbstverwirklichen können. Schlussendlich verlieren sich viele Heranwachsende dadurch in einer Orientierungslosigkeit, welche im schlimmsten Fall im Festkleben auf der Straße endet. Ich glaube einem Teil der nun Rebellierenden durchaus, dass sie nicht beabsichtigen, ihr restliches Leben im Schaukelstuhl verbringen zu wollen. Und ich begrüße durchaus den Ansatz, dass wir Arbeit heute wieder mehr Sinn geben müssen. Aber es sind gerade jene Empörten der benannten Alterskohorte, die dieser Tage den Beruf vor allem mit dem monetären Wert verbinden – und nicht zu erkennen vermögen, dass Beschäftigung, Ablenkung und Tatkraft ein wesentlicher Inhalt unseres Daseins sind, der uns wie kaum etwas Anderes Selbstwirksamkeit vermitteln kann – um zu erfahren, dass wir durch eigenes Schaffen etwas erreichen können.

Es geht nicht vorrangig um den Profit und Erfolg. Hier stimme ich durchaus mit der Kritik an der Leistungsgesellschaft überein. Stattdessen muss unser Tun vor allem Bestätigung geben. Zweifelsohne wird dies in den monotonen und stereotypen Jobs nur allzu schlecht gelingen. Daher müssen wir Bedingungen, Qualität und Output von Tätigkeiten verbessern. Dazu gehören unter anderem neue Führungsstrukturen, die Förderung von Teamgeist und Kollegialität, aber auch eine klare Abgrenzung zwischen Privatsein und Verpflichtung. Jene, die zwischen Multitasking und dem ständige Präsentsein in der Virtualität hin und her switchen, haben selbstverständlich keine Zeit dafür, sich auf das Eigentliche zu konzentrieren. Deshalb wäre es auch normativ und moralisch die falsche Botschaft, das Credo von kürzerer und weniger Arbeit auszugeben. Sie muss anders werden. Mithilfe von Digitalisierung, Mechanisierung und Künstlicher Intelligenz wird es über die Zeit hin gelingen, den Menschen diejenigen Aufgaben abzunehmen, die sie heute oftmals mit Leere erfüllen. Der Individualisierung nun aber so viel Raum zu geben, dass junge Menschen aus der kollektiven Verantwortung entlassen werden, einen Beitrag für die Sozialsysteme, die Prosperität und den Zusammenhalt in diesem Land zu leisten, halte ich für den falschen Ansatz.  Wir können sie nicht ewig pampern, sondern müssen ihnen auch die Ernsthaftigkeit der Existenz bewusst machen, die eben nicht aus Luft und Liebe besteht. Dass sie heute deutlich weniger leidensfähig und stressresistent sind, liegt nicht nur an der komplexer werdenden Welt mit verschiedensten Anforderungen, von Familie bis Freizeit, von Chef bis Partner. Sondern vor allem daran, dass sie in einer Zeit von Frieden und Wohlstand aufgewachsen sind. Wir können ihnen aber nicht bis auf ewig alle Herausforderungen und Krisen abnehmen, ansonsten bleiben sie dauerhaft unfähig, Tiefen und Täler zu durchschreiten oder Probleme und Konflikte zu lösen.

Weitere Informationen auf www.dennis-riehle.de.

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