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Kontaktscham und Brandmauern: Gibt es da auch etwas von Naziopharm?

Ich muss mich wieder einmal schuldig bekennen: Ich hatte in den vergangenen Tagen mehrmals Kontakt zu diesen bösen Politikern von der  AfD und anderen rechts von der CDU angesiedelten Parteien. Und ich empfinde noch immer keine Kontaktscham deswegen. Was habe ich also falsch gemacht? Möglicherweise kann mir jemand aus der linken Szene eine entsprechende Antwort darauf geben – und mir in diesem Zusammenhang auch beantworten, weshalb es Personen mit einer eher bürgerlichen, konservativen und patriotischen Grundeinstellung sind, welche insgesamt kritikfähiger, diskursfähiger, empathischer und selbstreflektierter sind als nahezu jeder Abgeordnete einer grünen, roten oder gar dunkelroten politischen Kraft?

Im Zweifel habe ich die Lösung schon parat: Sie sind wahrscheinlich lediglich diese Menschenfänger (von unserem Bundespräsidenten auch gerne als Rattenfänger bezeichnet), die sich gut verstellen können – oder erst im Falle des Machterhalts ihre Maske ablegen und das grausame Gesicht offenbaren. Natürlich kann ich mich in Naivität über sie irren, allerdings würde ich mich generell als recht sensitiv beschreiben, wenn es um die Einschätzung meines Gegenübers geht.

Und tatsächlich ist mir bislang nichts aufgefallen, was auch nur ansatzweise einen Anhalt für die Auffassung gibt, dass hinter diesen Mitbürgern mit Funktion, Amt oder Mitgliedschaft in oder Sympathie zur Alternative für Deutschland – oder anderen Parteien jenseits der Union – irgendwelche Ungeheuer stecken, die darauf aus sind, massenhaft bei uns integrierte Menschen in ihre Heimat zurückzuführen. Stattdessen erlebe ich in den Gesprächen sehr fundierte, pragmatische und vernünftige Ansichten, wonach wir uns wieder auf die Einhaltung der geltenden Verfassung und Gesetze konzentrieren sollten – und nach den dortigen Bestimmungen diejenigen abschieben, die ihre Asylverfahren rechtskräftig mit einem negativen Bescheid abgeschlossen und dem Grunde nach eine Ausreiseverpflichtung haben.

Ich höre nichts davon, dass es um eine Deportation geht. Stattdessen ist es die völlig legitime Remigration von Personen, welche ohne Bleibeperspektive in die Bundesrepublik eingereist sind, welche von diesen mir begegneten AfD-Politikern eingefordert wird. Verwerflich ist daran nichts, mit unserem Grundgesetz unvereinbar schon gar nicht –  ganz im Gegenteil. Ich werde mich auch künftig nicht dafür rechtfertigen, dass ich mich mit meinem Nachbarn oder Nächsten unterhalte, der bei der vergangenen oder kommenden Wahl sein Kreuz bei einer Partei machen wird, welche durch eine staatliche Behörde auf dem tönernen Fundament einer pauschalisierenden und generalisierenden Einschätzung über ihren vermeintlichen Rechtsextremismus etikettiert wird.

Ich habe weder Berührungsängste, noch irgendein schlechtes Gewissen, wenn ich das Normalste in einer Demokratie tue: Ich tausche mich mit anderen Personen über die besten Lösungen und Antworten für die Zukunft unseres Landes aus. Dabei lasse ich mich nicht von ideologisch hochgezogenen Brandmauern abschrecken. Viel eher ist es meine tiefe Überzeugung, dass wir die Spaltung unserer Gesellschaft nur dann überwinden können, wenn wir uns in der gemeinsamen Absicht der Erhaltung der Volksherrschaft darüber einig sind, eine Regierungspolitik zu beenden, welche sich diametral gegen das Wohl der Bürger richtet. Ich stimme nicht mit allem überein, was die AfD vertritt. Doch im Gegensatz zu manchen Schreihälsen auf den orchestrierten und dirigierten Demonstrationen vor dem Brandenburger Tor habe ich die Programmatik der Partei mehrfach gelesen – und mich intensiv mit ihr auseinandergesetzt.

Dass ich darin eklatante Verstöße gegen unsere Verfassung gefunden hätte, kann ich nicht behaupten. Ich entnehme dort zahlreiche Aussagen von Verstand, die ich beispielsweise in den Grundsätzen der Grünen nicht entdecken kann. Außerdem ist es im Respekt vor der Entscheidung des mündigen Souveräns prinzipiell nicht notwendig oder geboten, dass ich mit einem oder mehreren zur Auswahl stehenden Bewerbern sämtliche Standpunkte teile – oder gar Sympathien für jeden Funktionsträger einer politischen Kraft hege. Das wäre weltfremd und ist nur in einer Diktatur der Fall. Umgänglicher, zugewandter und niederschwelliger sind nach meiner Erfahrung allemal Volksvertreter der derzeitigen Opposition. Auch das spricht Bände über unsere Ampel, die sich in Selbstgefälligkeit verliert. Und gerade deshalb halte ich es für zwingend, auch weiterhin den Dialog mit all jenen zu suchen, die dem wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und kulturpolitischen Niedergang der Bundesrepublik etwas entgegensetzen möchten.

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