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Wenn der Gottesdient zum Götzendienst wird – und Kirche auf grünen Pfaden strauchelt…

Während der Katholizismus vor allem mit einer unglaubwürdigen Aufarbeitung der Missbrauchsfälle hadert und darüber hinaus nicht in der Lage zu sein scheint, die Tatsache anzuerkennen, dass im 21. Jahrhundert der Gedanke einer einheitlichen Weltkirche bei der unterschiedlichen Entwicklung der Lebenswirklichkeiten auf den unterschiedlichen Kontinenten nicht mehr praktikabel und angemessen ist, hat der Protestantismus vor allem ein Glaubwürdigkeitsproblem mit Blick auf seine beständige Anbiederung an den Zeitgeist. Letztendlich versucht er durch eine Preisgabe seiner Kernaufgaben wie Seelsorge, Liturgie, Diakonie und Glaubenslehre, seine Alleinstellungsmerkmale abzuschütteln und damit seinen Markenkern hinter sich zu lassen. Das Ziel dieser vermeintlich jugendlichen Erneuerung kann und dürfte aber auch deshalb nach hinten losgehen, weil wir bereits politische Parteien haben, die sich um die Wokeness kümmern. Da braucht es nicht noch eine religiöse Weltanschauungsgemeinschaft, die sich zu einem Abklatsch und Sprachrohr der grünen Interessen macht, indem man Klimaradikalen auf die Kanzeln zum Predigen einlädt und Seenotrettern den Altar zu einer Bühne macht. Statt auf die Schöpfung und ihre Widerstandskraft, die Fügung der Dinge und ein eine göttliche Einwirkung auf unser Erdengeschehen zu vertrauen, wird plötzlich die CO2-Hypothese zu einer Monstranz erklärt. Christen werden mit Narrativen der Kipppunkte verunsichert und moralisiert. Ihnen kommt keine Ermutigung oder Hoffnung mehr zu, die man eigentlich von Klerikern erwarten sollte. Es fehlt an der Zuversicht, die man sich von ihnen wünscht.

Dass man sich zudem mit Vehemenz gegen den Lebensschutz und für Abtreibungen positioniert – und sich darüber hinaus wesentlichen ethischen Prinzipien entledigt, die über Jahrzehnte und Jahrhunderte hinweg eine verlässliche Konvention waren, auch das passt nicht zu einem authentischen Bild, das man als erwartungsvoller Gläubiger an die Verkündigung des Evangeliums in sich trägt. Eine Anpassung an den Mainstream steht gerade den Institutionen nicht gut, die wie keine anderen als feste Burg den Stürmen der Moderne trotzen sollten und nicht wie das Fähnchen im Wind tagtäglich eine andere Ausrichtung vornehmen. Dass auch die katholische Kirche mittlerweile nicht mehr frei ist von diesen Einflüssen – und zusätzlich damit kämpft, dass eine von Rom aus diktierte und zentralisierte Dogmatik und Sexualdoktrin verbreitet wird, die in Ländern mit einer überwiegend erzkonservativen Bevölkerung ziehen mögen, aber eben nicht mehr in einem aufgeklärten Mitteleuropa -, bringt somit beide Konfessionen in eine Bredouille, aus der sie eigentlich nur herauskommen können, wenn sie einen ehrlichen Mittelweg finden. Auf der einen Seite mehr Freiheit für die Ortsgemeinden und weniger Autoritarismus des Vatikan, auf der anderen Seite das Suchen einer Identität, welche sich nicht daran orientiert, wohin der Strom schwimmt – sondern sich dessen annimmt, was den Einzelnen in seiner Sinnsuche des 21. Jahrhunderts bewegt. Allerdings bin ich skeptisch, ob diese Fokussierungen gelingen werden. Denn die Bereitschaft zur Änderung der Perspektive weg von der Selbstbeschäftigung hin zu den Schäfchen, sie bedarf Bereitschaft zu weniger Eigenverliebtheit.

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