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Das Expertentum in Deutschland wird zunehmend zur Belastungsprobe!

Unsere Gesellschaft krankt derzeit an verschiedenen Leiden, die am Ende vor allem zu einem Ergebnis führen: Die Spaltung wächst, die Gräben werden größer und die Missgunst der Menschen untereinander nimmt zu. Wesentlicher Katalysator für diese Entwicklung ist auch die moralisierende Überheblichkeit von Parteien, Ideologien, Aktivisten und „Experten“, die zu allem und jedem ihren Senf beigeben müssen – weil sie durch eine mediale Hofierung in der narzisstischen Auffassung bestärkt werden, sie seien prinzipiell geeignet und prädestiniert, ihr mehr oder weniger bedeutsames Halbwissen zur besten Sendezeit in die Öffentlichkeit zu tragen.

Ein gutes Beispiel für eine solche Persönlichkeit ist der Astrophysiker Lesch, der sich im Augenblick wie viele andere A-, B- oder C-Promis die Gelegenheit nicht nehmen lässt, wieder einmal auf die Bühne der Aufmerksamkeit zu treten und das Rampenlicht zu suchen, das ihm mit seinen eigenen Sendeformaten und begrenzten Beiträgen zur tatsächlichen Bewusstseins- und Willensbildung in diesem Land nicht vergönnt ist. Ähnlich wie unsere Politik-Senioren, hat auch er ein scheinbar hyperaktives Bedürfnis nach dem Gehörtwerden. Im neuesten Akt seines Dramas „Ich bin Wissenschaftler, ich habe Recht!“ erklärte er uns nun, weshalb der in der Beliebtheit der Deutschen wohl deutlich über dem ZDF-Professor angesiedelte bayerische Minister Aiwanger mit Falschaussagen die Bürger an der Nase herumführe.

In einer nahezu Kriminalroman-tauglichen Akribie will er ihn, aber auch Ministerpräsident Söder, mit Blick auf die Energiepolitik ihrer Unfähigkeit entlarven – und kommt am Ende doch nicht über einen sein eigenes Können und Ego in brillanter Überhöhung und Theatralik darstellenden Histrionismus hinaus, der bei einem distanzierten und nüchternen Beobachter wie eine Anbiederung par excellence ankommen muss. Als selbsternannter Faktenchecker trägt er all die Konsense der Forschung vor, die das umweltzerstörerische Handeln und Denken der Bavaria demaskieren soll. Und wäre all das noch nicht genug, liest er gleichzeitig auch den Bauern noch die Leviten. Er gibt sich als Verfassungsrechtler und Jurist gleichermaßen aus, der die Legitimität ihre Proteste in Frage stellt – und damit die Versammlungsfreiheit im Gesamten.

Im nahezu selben Atemzug mutiert er mutiert er schlussendlich sogar zum Ökonom, referiert über die Schuldenbremse – und kann zum Schluss vor lauter Blasiertheit kaum noch gehen oder stehen. Bezeichnend für eine Post-Midlife-Crisis-Kohorte, die mit dem Schaukelstuhl hadert und stattdessen dem Souverän am Mittagstisch mit ihrer Wichtigtuerei auf die Nerven geht, bleibt dieser unbändige Drang zur Gängelung. Die „Ich-muss-das-letzte-Wort-haben“-Manier kennen wir von Baum, Gauck, Müntefering oder Bosbach. Ich bin wirklich kein Anhänger der sogenannten „Generation Z“. Doch nicht alle Boomer und Folgende sind in Sachen eines gesunden Eigenbildes für den ohnehin nicht selten in Hochmut hineinerzogenen Nachwuchs ein erstrebenswertes Vorbild. Wenn Lesch und Kollegen predigen, missionieren und philosophieren möchten, so sollen sie dies gerne an ihren Hochschulen tun – doch dem Normalvolk mit ihrem Gehabe nicht auch noch das sonntägliche Frühschoppen vermiesen.

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