Quelle: Clipdealer.de, A18607242, Erworbene Standardlizenz.

Mit der Hemmschwelle sinkt in den Sozialen Medien auch das Maß des Erträglichen!

Man kann sich solchen Studien wie der aktuellen zum angeblichen Hass in den Sozialen Medien nun auf zwei verschiedene Arten nähern. Zunächst einmal sollte man hellhörig werden, wenn eine derartige Erhebung auf Veranlassung des Bundesfamilienministeriums zustandekommt. Nicht erst seit dem uns verkauften wissenschaftlichen Konsens über die anthropogenen Ursachen der Erderwärmung ist die Forschungskritik notwendiger denn je geworden. Denn völlig abseits der Frage von Ergebnisoffenheit und Unvoreingenommenheit, teils fachlich höchst fragwürdiger und den Anforderungen an empirisches Arbeit nicht gerecht werdender Schlussfolgerungen und einer tendenziösen Beschränkung der Datenerhebung und der Beobachtungsperspektive stellt sich das prinzipielle Problem der Definition: Was verstehen wir heute unter Hetze? Eine gemeinschaftlich verbindliche und normativ anerkannte Begriffsbestimmung gibt es nicht. Dagegen kann man seit Jahren nicht nur eine subjektiv sinkende Hemmschwelle in der Verbreitung von abwertenden, beleidigenden und missgünstigen Inhalten im Internet erkennen – sondern eine gleichzeitig drastisch gestiegene Grenzziehung in Sachen persönlicher Befindlichkeit.

Ohne Zweifel scheint festzustehen, dass man sich in Zeiten, in denen wir uns noch vornehmlich in der Realität bewegten, gerade aufgrund der fehlenden Anonymität häufig mit allzu derben Worten zurückhielt. Seitdem wir uns in der Virtualität hinter Nicknamen verstecken und letztlich jede Widerrede des Anderen stummschalten können, fällt die Denunzierung des Gegenübers leichter. Allerdings ist auch der Umstand kaum von der Hand zu weisen, dass eine gestiegene Hypersensibilität dazu führt, sich schneller persönlich angegriffen zu fühlen. Und auch das, was wir heutzutage bereits als Verächtlichmachung empfinden, dürfte sich bei einer nüchternen und objektiven Betrachtung eher als dumpfbackiges Gerede ohne jeden Anspruch an Bedeutung oder Ernsthaftigkeit herausstellen. Die sogenannte Mimimimimi-Gesellschaft zeigt sich nicht mehr in einem natürlichen Maße resilient, sondern durchaus präventiv verletzbar. Denn uns ist die Fähigkeit zur Filterung von Anwürfen abhandengekommen, welche es ermöglichen würde, manchen Trigger, Verwünschung oder Unsegen auszusortieren, statt sie als tatsächliche Bedrohung oder ein Eindringen in Würde und Integrität überzubewerten.

Natürlich müssen wir uns Bosheit, Abneigung oder Feindschaft nicht geben. Insbesondere dann nicht, wenn sie auf der bloßen Grundlage einer politischen Weltanschauung, einer ideologischen Überzeugung oder gar einer äußerlichen Erscheinung beruhen. Doch wenn wir einmal versuchen, die Sichtweise zu wenden – um uns in diejenigen hineinzuversetzen, die offenbar keine andere Lebensaufgabe mehr sehen, als täglich möglichst viele Menschen auf Twitter und andernorts zu diskreditieren, dann dürfte in uns doch ein wenig Mitleid aufsteigen für gescheiterte Existenzen, denen der Kick in ihrem Hier und Jetzt verloren gegangen scheint. Die oftmals aus purem Neid, aus Missgunst und Argwohn zu mobben versuchen, die ihren Groll aus Verbitterung über das eigene Versagen auf diejenigen kanalisieren wollen, denen sie im Zweifel bei einer Begegnung auf Augenhöhe nicht das Wasser reichen könnten. Die mit ihrem eigenen Schicksal hadern – und ihre Antipathie deshalb auf diejenigen projizieren, die es weitergebracht haben als sie. Und die nur deshalb polarisieren, weil sie im Innersten selbst wissen, dass ihre Überzeugungen bei Bedarf argumentativ, inhaltlich und substanziell schon allein aufgrund der fehlenden Weitsicht unterliegen würden.

Niedertracht, Gemeinheit und Infamie sind heute nicht selten auch Zeichen für eine Luftblase der Arroganz. In Stolz, Anmaßung und Erhabenheit über das vermeintliche Erlangen von Absolutheit und Wahrheit, wachsen diejenigen in ihrer Eigenverliebtheit an, deren programmatische Konsistenz und Vorstellungen von persönlichen und kollektiven Zielsetzungen kaum über Blasiertheit und Aufgeblasenheit hinausreichen. In einer Hybris des Besserwissens werden diejenigen geschmäht, angeschwärzt oder vorgeführt, die bei einem Blick von außen in der offensichtlichen Mehrheit sind – und deshalb in der Solidarität der Unterlegenen allein deshalb diskreditiert werden müssen, um die Verwunderung über die eigene Niederlage regulieren zu können. In der Erschaffung einer Kontrastgruppe werden diejenigen für das Versagen einer sich als Elite verstehenden Minorität verantwortlich gemacht, die in ihrer Konformität wiederum Scheelsucht auslösen können. Das beste Beispiel zeigt sich an der Ampel, der die Fälle davonschwimmen – und die zu immer neuen Methoden der Verzerrung, der Dramatisierung und der Obsession greifen muss, um sich noch des Rückhalts einer schwindenden Masse sicher sein zu können. Wenn Lebensträume zusammenbrechen und die Vorstellung von einer utopischen, geschlechtervielfältigen und siebenfach geimpften Zukunft in vegan gebauten, mit Biogas beheizten und durch Windkraft mit Strom versorgten Reetdachhäuschen von einem Tag auf den anderen dahinschmilzt wie der letzte Gletscher vor der Klimaapokalypse, dann liegt eine Welt in Scherben – für die es Sündenböcke braucht. Und sie finden sich in all den „Rechtsextremen“ dieser Tage, welche entmenschlicht, vogelfrei erklärt und plakatiert werden. Doch davon spricht Lisa Paus nicht. Denn dann müsste sie doch glatt überlegen, den vielen Institutionen die Förderung zu entziehen, die sich aktuell nicht nur auf X an der Jagd gegen alles Grünlose beteiligen.

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