Quelle: Clipdealer.de, B112073416, Erworbene Standardlizenz.

Die Türen zum Chefredakteur stehen dem Abgeordneten stets offen!

Spätestens, seitdem wir wissen, dass der Chefredakteur der Tagesschau immer ein offenes Ohr für die Vorsprache von Grünen-Politikern hat, die in der einst wichtigsten Nachrichtensendung des deutschen Fernsehens die sogenannten „Demonstrationen gegen rechts“ zu wenig berücksichtigt und die Bauernproteste dagegen überbewertet sehen – und vom obersten Verantwortlichen des ARD-Flaggschiffs zugleich versichert bekommen, dass man diesen Einwand in der darauf folgenden Ausgabe entsprechend aufgreifen und die Prioritäten neu setzen werde, muss man sich in Deutschland nicht mehr über die Empörung bezüglich der Medien wundern. Dass sogar Studien mittlerweile immer deutlicher attestieren, dass in den Redaktionsstuben von Zeitungen und Funk ein ausgeprägter politischer Linksdrall vorzufinden ist, beschämt mich als Journalist insbesondere deshalb, weil ich aus eigener Erfahrung weiß, dass bei weitem nicht alle Kollegen von Grund auf in dieser Weltanschauung verhaftet sind.

Dass sie sich aber aufgrund des nicht selten vorherrschenden Gruppenzwangs, der finanziellen Bindung und der beruflichen Aufstiegschancen immer häufiger nicht nur beugen lassen, sondern ihre Prinzipien, ihr Rückgrat, ihr Gewissen, ihren Ethos und ihre Seele verkaufen, ist befremdlich. Von der Intendanz bis zu den Teamleitungen ist man überdies abhängig von den Rundfunkgebühren – und damit von den Landesparlamenten. Oder man hängt am Tropf der Presseförderung und dem Wohlwollen der Herrschenden – siehe Correctiv. Es ist den Medienschaffenden überhaupt nicht genommen, eine eigene Meinung zu haben – ganz im Gegenteil. Auch sie sind Menschen – und haben daher einen Anspruch auf eine Gesinnung und Tendenz. Und selbstverständlich gibt es im Journalismus auch entsprechende Formate, in denen man seine eigenen Überzeugungen zum Ausdruck bringen kann.

Insbesondere die Kommentierung eignet sich für das Vorbringen eines Standpunktes. Die Abgrenzung zur Berichterstattung mag zwar nicht immer einfach sein, aber sie kann bei gutem Willen gelingen. Prinzipielle Sachlichkeit und eine gesunde Skepsis und Distanz in alle Richtungen sind dabei ein unverrückbares Credo, das in jeglicher publizistischen Ausdrucksweise als Maßstab gelten sollte. So ist insbesondere die wiederkehrende und offensichtliche Anbiederung an bestimmte Institutionen ein völliges No-Go. Man kann eine bestimmte politische Kraft oder einen Funktionär für so manch eine Entscheidung, Forderung oder Haltung auch durchaus loben. Allerdings sollte es nicht das Ziel sein, Schleimspuren zu hinterlassen. Doch gerade dem Eindruck, dass es vielen Reportern, Moderatoren, Korrespondenten oder Schreiberlingen genau darum geht, kann man sich jüngst nicht mehr verwehren: Sie sind nicht mehr angemessener Kritiker – ob positiv oder negativ. Sondern sie verwechseln ihre Rolle mit der eines Pressesprechers von Ministerien, Parteien oder Personen.

Bewusstseinsbildung geht nicht damit einher, der Bevölkerung die Regierungslinie zu indoktrinieren. Auftrag ist es weder, die Menschen am Bildschirm zu erziehen oder zu belehren. Noch fungiert man als das Sprachrohr für eine bestimmte Ideologie, ein Narrativ oder eine Unverrückbarkeit. In einer Demokratie muss prinzipiell alles hinterfragt werden. Es gibt nur wenige Grenzen der Reflexionsfähigkeit und Überprüfungsnotwendigkeit. Was heute gerne als Faktum verkauft wird, ist zumeist mit dem Anspruch an die Verkündung von Wahrheiten verbunden – die aus Sicht manches Redakteurs allein deshalb Absolutheit genießen, weil sie auf Genehmheit abgeklopft wurden. Unsere Bauern wollen sich aber stellvertretend nicht weiter für dumm verkaufen lassen – und wenden sich gegen das betreute Fernsehen. Sie wollen relevante Meldungen, die nicht ständig vorgekaut und bewertet sind. Sondern die allein soweit aufbereitet wurden, dass sie dem Konsumenten zur ergebnisoffenen Meinungsfindung dienen können. Das enorme Übergewicht an entgegenkommender Rampenlichtsetzung der Arbeit der Ampel – und der erkennbare Versuch der Verdrängung und Ablenkung vom Versagen einer „Fortschrittskoalition“ – machen verständlicherweise wütend. Denn sie sind ein erstes Anzeichen für Informationsmonopolisierung. Die Landwirte fordern ein, dass sich der Fokus der Journaille endlich wieder auf die Sorgen und Nöte der Menschen konzentriert – und sich nicht durch Orchestrierung von Schlagzeilen zweckentfremden lässt. Gepushte Ereignisse wie die Proteste der aufgeschreckten Gutmenschlichkeit wären in dieser Dimension nicht möglich gewesen, hätten sich die Medien nicht als wesentlicher Katalysator bereitgestellt. Ihr Bemühen der Kanalisierung von Aufmerksamkeit in Richtung inszenierter Nebenschauplätze ist ein Bärendienst für den Ruf aller in der Öffentlichkeitsarbeit Tätigen – und ein Handlangerdienst für SPD, Grüne und FDP. Unsere Agrarindustrie ist zur Speerspitze einer Gegenbewegung geworden, die sich für einen Neustart in Sachen ehrlicher Retrospektive auf die eigene Arbeit von Journalisten einsetzt – aber gleichsam auch für eine zurückhaltende, sich nicht verführen lassende Sichtweise auf den Berliner Elfenbeinturm.

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