Quelle: Clipdealer.de, B62158849, erworbene Standardlizenz

Nazi-Parolen in der Dorfkneipe: Wenn Haltungsjournalisten nach dem umgefallenen Reissack suchen!

Kommentar von Dennis Riehle

Immer wieder habe ich mich als Journalist gefragt, was manche meiner Kollegen reitet, wenn sie sich in einer scheinbar investigativen Manier auf die Suche nach Affären machen, um die kritische Opposition in diesem Land zu denunzieren. Da ich selbst über eine Zeit dem linken Spektrum zugehörig war, kann ich mir mittlerweile ein gutes Bild darüber machen, welche Motivation hinter einem Ansinnen wie jenem steckt, das aktuell ein Reporter des „Focus“ verfolgt. Er hat sich auf Reisen durch Ostdeutschland begeben – und macht einen ersten Halt in Sonneberg. Dort hatte die AfD einst den ersten Landrat stellen können. Und natürlich hat sich der korrekte Schreiberling von Welt sein Ziel nicht umsonst ausgewählt. Denn in dem beschaulichen Städtchen spielen sich offenbar rechtsextremistische Umtriebe ab – so will es uns zumindest der Autor vermitteln. Und er hat für seine These schlagkräftige Argumente gefunden. Immerhin will der Wirt in der Dorfkneipe ungeheuerliche Erfahrungen gemacht haben. Er berichtet, dass ein Stadtrat der Alternative für Deutschland am Stammtisch nicht etwa zugeprostet hat – sondern mit „Sieg Heil“ anstieß. Was den eingefleischten Ampel-Fan in seiner Verblendung bestätigt, muss den gesunden Menschenverstand allerdings herausfordern. Denn wer derartige Texte liest, sollte schon allein deshalb kritisch und skeptisch auf den Wahrheitsgehalt der Aussagen blicken, weil sich der Belastungseifer von Politik, Gesellschaft und Wirtschaft gegenüber einer Partei aktuell inflationär entwickelt, die ausgerechnet in diesem beschaulichen Fleckchen Erde bei den anstehenden Abstimmungen höchstwahrscheinlich mit großem Abstand auf dem ersten Platz landen wird – und mit einem Spitzenkandidaten diesen Urnengang bestreitet, der zwar polarisiert und provoziert, aber letztendlich Vielen aus der Seele spricht.

Und so mutet es nicht nur im Gerichtssaal stets eigentümlich an, wenn man sich mit allzu viel plakativer Beschuldigung wohl nicht nur mehr Aufmerksamkeit für die eigene Person erhofft – sondern in einen Chor einstimmen kann, in dem man sich unter seinesgleichen fühlt. Schließlich lässt es sich gemeinsam noch besser mit der Moralkeule auf einen unliebsamen Gegner einschlagen. Das Gefühl, zu den Besseren in diesen Breiten zu gehören, bauchpinselt vor allem denjenigen, der in seiner eigenen Lebensbiografie möglicherweise nicht ganz zufrieden sein kann mit dem, was unter dem Strich an Leistungserfolg herauskommt. Und so ist Neid eine der Ursünden unserer Spezies, die aktuell vor allem deshalb Hochkonjunktur hat, weil sich der Wind spürbar dreht. Denn auch wenn einige Demoskopen in den Abgesang der AfD eingestimmt haben und sie im freien Fall sehen, macht man bei der Begegnung mit Bürgern durchaus die Erfahrung, dass nicht unerhebliche Teile der Bevölkerung aus ihrem Dornröschenschlaf erwachen. Wie man genauso wenig von Einzelfällen sprechen kann, wenn sich mittlerweile täglich der immergleiche Modus Operandi auf unseren Straßen abspielt – und von einer Fluchterfahrung traumatisierte Migranten verwechseln, dass Messer nicht in den Bauch des Gegenübers gehören, sondern vornehmlich in die Küche, ist es selbstredend auch kein Zufall mehr, dass Skandale ausgerechnet in den Hochphasen des Wahlkampfes aus dem Hut gezaubert werden. Und so sollte nicht nur einem distanzierten Presseschaffenden eigentlich bewusst sein, dass Geschichten wie die des Hitler-Parolen schmetternden Kommunalpolitikers irgendwie gestellt oder zumindest aufgebauscht wirken.

Selbst wenn sich ein solches Geschehen zugetragen haben sollte, wäre es auf der anderen Seite doch nur allzu fair, wenn man sich auch denjenigen entlarvend zuwendet, die sich so harmlos als „Antifa“ bezeichnen, letztendlich aber mit unmissverständlichen Plakaten und der Aufschrift „Nazis töten“ auf ihren sogenannten „Demonstrationen für die Demokratie“ auftauchen – und zuletzt beispielsweise einen Schlägertrupp in Berlin losschickten, um Jagd auf „Rechtsextreme“ zu machen. Dass es in jeder Partei schwarze Schafe gibt, werden sicherlich diejenigen nicht zugestehen, die sich gleichzeitig mit dem Befund arrangieren können, wonach der Staat keine Fehler macht. Doch es ist das gegenwärtig von Verfassungsschutz, Leitmedien, Regierung, Kirchen, Verbänden, Gewerkschaften, Versicherungen oder Vereinen ständig angewandte Werkzeug der Pauschalisierung, aus dem sich bei sorgfältiger Betrachtung keine konsistente, stringente und plausible Argumentationskette dafür aufbauen lässt, dass es sich bei den Blauen um eine politische Kraft im Widerspruch zu unserem Grundgesetz handelt. Und so sind es investigative Rechercheteams, die im mehr oder weniger direkten Auftrag des Establishments zu der profanen Erkenntnis gelangen, dass es – wie in jedem repräsentativen Abbild einer Gemeinschaft – auch unter den Abgeordneten der AfD im Bundestag und ihren Mitarbeitern erstinstanzlich verurteile Straftäter gibt. Dass man sich aber gleichzeitig kaum bei allen anderen Fraktionen nach solchen Personen umsieht, ist der Zweizügigkeit der Gegenwart geschuldet. Immerhin kann ein Narrativ nur dann funktionieren, wenn es nicht durch andere Postulate relativiert wird.

Und deshalb werden wir auch in den kommenden Wochen weiterhin das täglich grüßende Murmeltier erleben, welches immer wieder in die Mottenkiste und die Schublade der Haltungsjournaille greift – um dort vorgefertigte und abgedroschene Meldungen herauszukramen, die sich in Sachen des Informationswertes im Wettbewerb mit dem chinesischen Reissack duellieren. Denn während man über Vorkommnisse um bayerische Jungliberale – welche nach Trinkgelagen „Ausländer raus“ skandiert haben sollen – bislang erwartbar wenig in der Systempresse erfuhr, bläst manch ein Kolumnist schon den nächsten Luftballon auf, um ihn sodann vor der versammelten Linksleserschaft platzen zu lassen. Schließlich bleibt am Ende nicht viel mehr als heiße Luft. Und deshalb wird auch das müde Lächeln derjenigen Wähler immer breiter, die sich nicht erst durch ihr Wahl-O-Mat-Ergebnis in der Überzeugung bestärkt fühlen, dass es ohne Parteien rechts der Union nicht zu einer wesentlichen und radikalen Trendumkehr in sämtlichen politischen Bereichen kommen wird. Dass sie sich dabei weder von Umfragen und den Schlagzeilen des angeblichen Absturzes der AfD, noch von all den zusammengekratzten Unfassbarkeiten hinsichtlich des Fehlverhaltens einzelner Parteianhänger beeindrucken lassen, untermauert beispielsweise die schnell wieder in Vergessenheit geratene Zustimmung insbesondere der jungen Generation. Sie lässt sich eben nicht mehr so leicht manipulieren, wie das vielleicht mit einem grünkommunistisch sozialisierten Schaf in der Herde der blökenden Marionetten machbar ist. Und so müssen sich diejenigen sorgen, die die Grenzen des totalitären Instrumentenkastens in Reichweite sehen. Denn ohne Indoktrination wird es schwierig, ein Paralleluniversum am Leben zu erhalten.

Beitrag teilen